US-Senat nimmt sich Stablecoins vor

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In einer Anhörung eines US-Senatsausschusses wurden strengere Regulierungen und sogar das Verbot von Stablecoins gefordert. Warum stabile Kryptoassets wie USDC eine Daseinsberechtigung haben

Der Bitcoin hat sich im Laufe der letzten Woche von seinen zuvor erlittenen Verlusten erholt und ein Wachstum von mehr als fünf Prozent verzeichnet. Dennoch bleibt die gegenwärtige Stimmung auf dem Markt vor allem unter kurzfristigen Anlegern bärisch. Wie ein Blick auf das aktuelle NUPL (Net Unrealized Profit and Loss) -Verhältnis verrät, könnten weniger als die Hälfte aller Bitcoin-Investoren ihre Assets mit Gewinn verkaufen. 

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Historisch betrachtet ist ein NUPL von unter 50 Prozent mit größeren Verkaufsaufträgen verbunden. Den Daten von Glassnode zufolge sind Investoren, die vor sechs bis zwölf Monaten Bitcoin kauften, gegenwärtig für 32 Prozent des Verkaufsdrucks verantwortlich. Für diese Investorenkohorte, die normalerweise einen Verkaufsanteil von zehn Prozent ausmachen, stellt das ein Rekordhoch dar. Kurz gesagt: Es gibt heute deutlich mehr Investoren, die Bitcoin zu einer Kostenbasis von 19.000 bis 63.000 Dollar verkaufen – und das, obwohl Bitcoin aktuell bei rund 48.5000 Dollar gehandelt wird. Das sind 23 Prozent unter dem Allzeithoch des NUPL im April dieses Jahres.  

Der Silberstreif am Bitcoin-Horizont ist, dass Value-Investoren die langfristigen Vorteile der Anlageklasse und zugehörigen Infrastruktur vollkommen erkannt haben – ungeachtet des Bugs auf der Website von CoinMarketCap[1], der in der vergangenen Woche verschiedene Dienstleister betraf. Diese technische Schwachstelle und die damit verbundenen systemischen Auswirkungen haben jedoch gezeigt, wie viel robuster die gesamte Preisbildungsinfrastruktur dieser Branche noch werden muss. Die Vielfalt, Transparenz und Qualität der Preisfeeds wird eine wichtige Entwicklung sein, die es im kommenden Jahr im Auge zu behalten gilt – vor allem wenn es um den möglichen Aufstieg von Mitbewerbern wie CoinGecko geht. 

Außerhalb des Bitcoin-Marktes sind uns bei 21Shares vor allem wichtige Entwicklungen im NFT-Sektor sowie die rasche Erholung von Ethereum-Konkurrenten wie Terra und Avalanche ins Auge gesprungen: Die beiden Assets legten in der letzten Woche um 63 bzw. 49 Prozent im Wert zu. 

Anhörung im US-Senat zum Status von Stablecoins

Was ist passiert?

Am vergangenen Dienstag traf sich der Ausschuss für Banken, Wohnen und städtische Angelegenheiten des US-Senats zu einer offenen Sitzung über Stablecoins. Dabei erläuterten involvierte Vertreter des Ausschusses die Funktion und Verwendung von Stablecoins und die mit ihnen verbundenen Risiken. Die folgenden Personen sagten als Zeugen aus: 

  • Alexis Goldstein, Director of Financial Policy, Open Markets Institute
  • Dante Disparte, Chief Strategy Officer und Head of Global Policy, Circle
  • Jai Massari, Partner, Davis Polk & Wardwell, LLP
  • Hilary J. Allen, American University Washington College of Law.

Warum spielt das eine Rolle?

Bei der Anhörung wurden eindrückliche Meinungen über Stablecoins ausgetauscht und Vorschläge über ihr vollständiges Verbot diskutiert. Goldstein und Allen argumentierten, dass Stablecoins zwar die finanzielle Inklusion versprachen, aber fast ausschließlich für Kryptospekulationen verwendet werden. Disparte wies jedoch darauf hin, dass vom USDC von Circle, einer drei Jahre alten Digitialwährung, mehr als 40 Milliarden im Umlauf sind und der USDC insgesamt mehr als 1,4 Billionen Onchain-Transaktionen unterstützt hat.[2] Für den Chief Strategy Officer von Circle standen diese Zahlen für große Bemühungen zur Verbesserung der finanziellen Inklusion, der verantwortungsvollen Innovation und der Integrität. Disparte kam auch auf die Circle-Impact-Initiative zu sprechen: Diese habe USDC-Dollar-Reserven in Minority Depository Institutions (MDIs) und Community-Banken im ganzen Land zugewiesen, in der Hoffnung, dass sich daraus im Laufe der Zeit Milliarden von Dollar ergeben, die die Bilanz dieser Banken und dadurch auch ihre Gemeinschaften stärken.[3]

Die Universitätsprofessorin Hillary Allen wiederum sprach sich ausdrücklich gegen Stablecoins aus und schlug entweder ein vollständiges Verbot oder alternativ die Einführung einer Lizenz für jene vor, die Stablecoins außerhalb des DeFi-Ökosystems ausgeben dürfen. Jai Massari argumentierte jedoch, dass es nicht erforderlich sei, Stablecoin-Emittenten zu einem Status als versicherte Verwahrstellen zu verpflichten, wie es von der der President’s Working Group on Financial Markets (PWG) (einer Arbeitsgruppe der Regierung) vorgeschlagen wurde. Dies sei auf den Unterschied zwischen den Banken und Stablecoin-Emittenten zurückzuführen: Banken unterliegen einer Verschuldung und riskanteren Kapitalquoten, die relativ illiquide und riskantere Vermögenswerte als Barmittel annehmen. Stattdessen empfahl Massari dem Kongress, eine optionale Bundescharta für Stablecoin-Emittenten in Betracht zu ziehen, die im Gegenzug für die Aufsicht durch die Bundesaufsichtsbehörden der Notwendigkeit einer bundesstaatlichen Lizenzierung zuvorkommen würde.

Wie der anwesende Senator Pat Toomey während der Anhörung erwähnte, haben sich Stablecoins trotz aller Kritik als gefragtes und in gewissem Maße dringend benötigtes Finanzprodukt erwiesen. Wenn sich die USA also nicht mit ihnen anfreunden, werden sie Akzeptanz durch andere Akteure finden. 

Unsere These bei 21Shares ist, dass eine stärkere regulatorische Aufsicht über Stablecoins für mehr Klarheit über ihren Stellenwert sorgen wird, aber wir glauben nicht, dass ein vollständiges Verbot den Endnutzern zugutekommt, insbesondere dort, wo Stablecoins bereits eine wichtige Rolle bei der finanziellen Inklusion spielen. Dazu gehört auch Venezuela, wo Circle mit dem Unternehmen Airtm zusammenarbeitete, um mithilfe von USDC für die Entlohnung von Gesundheitspersonal zu sorgen: Danke USDC konnten die Mitarbeiter des Gesundheitssystems inmitten der Pandemie aus Mitteln in eingefrorenen Bankkonten bezahlt werden. Dies ist ein Beweis dafür, dass Stablecoins die Lebensbedingungen von Arbeitern auf der ganzen Welt verbessern können und gleichzeitig die Nachfrage nach dem US-Dollar steigern können, der für tagtäglich notwendige Überweisungen und Transaktionen am besten geeignet ist.

Autor Eliézer Ndinga ist Research Lead bei 21Shares.


[1] https://www.theblockcrypto.com/post/127535/coinmarketcap-bug-shows-bitcoins-price-at-an-absurd-789-billion?utm_source=coinmarketcap&utm_medium=rss

[2] https://www.banking.senate.gov/imo/media/doc/Disparte%20Testimony%2012-14-21.pdf

[3] https://www.circle.com/blog/improving-financial-inclusion-and-economic-prosperity-for-all

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