Deutsche Handelsflotte schrumpft weiter

Die deutsche Handelsflotte wird immer kleiner. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ging die Zahl der Schiffe unter deutscher Regie um netto 117 auf 3.122 Schiffe zurück, teilte der Verband Deutscher Reeder (VDR) am Donnerstag in Hamburg mit.

Berücksichtigt man auch die Zugänge durch Neubauten und Ankäufe, hat die deutsche Handelsflotte im Jahr 2015 117 Schiffe verloren.

Allein 182 Schiffe wurden ins Ausland verkauft, darunter 68 Containerschiffe. Seit dem Höchststand im Jahr 2012 hat die Transportkapazität der Handelsschiffe um zwölf Prozent, die Zahl der Schiffe sogar um 17 Prozent abgenommen. Dadurch verschärfen sich die Konkurrenz und der Kostendruck auf den Weltmärkten weiter. Die verkauften Schiffe bleiben meist zu besseren Bedingungen in Fahrt.

„Der Rückgang unserer Handelsflotte ist eine beunruhigende Entwicklung“, sagte VDR-Präsident Alfred Hartmann. „Die Hälfte der deutschen Schifffahrtsunternehmen bereedert weniger als fünf Schiffe. Bei ihnen kann selbst der Verlust von einzelnen Schiffen gravierende Folgen auf den Fortbestand des Unternehmens haben.“

Innovationen beim Schiffsdesign bieten Chancen

Die Fracht- und Charterraten in den meisten Schifffahrtsmärkten bleiben laut VDR vielfach nicht auskömmlich, vor allem in der Containerschifffahrt. Die meisten deutschen Reedereien leben demnach von der Vercharterung ihrer Schiffe an Linienreedereien auf der ganzen Welt, die weiterhin selbst viele neue Schiffe bestellen.

„2016 wird erneut ein schwieriges Jahr. Trotzdem gilt: Die Schifffahrt ist keine Abbau-, sondern eine Wachstumsbranche“, so Hartmann. „Die deutschen Reeder verfügen auch nach sieben Jahren in schwerer See über Kreativität, Kompetenz und wirtschaftlichen Handlungsspielraum, um das Verschwinden eines Großteils der deutschen Handelsflotte gemeinsam mit der Politik zu vermeiden. Innovationen beim Schiffsdesign, aber auch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung von Bord- und Landbetrieb bieten große Chancen, sich vom Wettbewerb abzusetzen.“ (dpa/kb)

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Foto: Shutterstock

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