12. September 2019, 09:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Alle Augen auf die EZB

Die globalen Aktienmärkte waren in der letzten Woche in guter Stimmung. Um zwischen 1,5% und 2% legten die meisten größeren Indizes zu, Asien noch etwas stärker. Auf der Suche nach Gründen wird man schnell fündig. Ein Kommentar von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock.

IMG 0274-Kopie in Alle Augen auf die EZB

Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock

Die globalen Aktienmärkte waren in der letzten Woche in guter Stimmung. Um zwischen 1,5% und 2% legten die meisten größeren Indizes zu, Asien noch etwas stärker. Auf der Suche nach Gründen wird man schnell fündig.

Denn gerade die Entwicklung von Risikoanlagen ist zurzeit stärker als im langfristigen Vergleich von Ereignissen an der politischen Front geprägt, zu messen etwa an dem Performancebeitrag, der aus anderen Quellen als Gewinnwachstum – mithin aus politischer Unsicherheit – gespeist wird.

Just diese Unsicherheit hat in der letzten Woche abgenommen, und zwar in Italien und auf der britischen Insel. Die neue Regierung in Rom, bestehend aus Fünfsternepartei und Sozialdemokraten, dürfte einen weniger radikalen Konfrontationskurs zur EU steuern als ein von Lega-Chef Matteo Salvini geführtes rechtsnationales Bündnis, das zwischenzeitlich gedroht hatte.

Harter Brexit eher unwahrscheinlich

Und in London hat der neue Premierminister Boris Johnson seine No-Deal-Brexit-Rechnung ohne das Parlament gemacht, so dass ein hartes Ausscheiden Großbritanniens aus der EU zunächst
unwahrscheinlicher geworden ist.

Die Märkte honorieren derartige Nachrichten mit steigenden Aktienkursen, niedrigerer Volatilität (für Europa letzte Woche zurück auf unter 15, also in die Nähe des Durchschnitts der letzten Jahre) und leicht nachgebenden Gold- und Anleihepreisen.

Allerdings scheint den Marktteilnehmern bewusst zu sein, dass die Entwarnung nur vorübergehend sein könnte, und zwar sowohl in Italien als auch in Großbritannien. Nach wie vor drohen Neuwahlen in beiden Ländern, und die könnten dann doch noch zu Konstellationen führen, die aus Marktsicht negativ wären.

Kommt es nämlich in Großbritannien zu einer Neuwahl noch im Oktober, könnte sogar das Gesetz wieder rückgängig gemacht werden, welches letzte Woche zur Verhinderung eines harten Brexits verabschiedet wurde. Dann hätte Boris Johnson doch noch gewonnen.

Bedeutung für Anleger

Dass vor dem Hintergrund der vielen politischen Unsicherheiten die Risikomärkte überhaupt so gut laufen, liegt vor allem an den Zentralbanken. Und in diesem Zusammenhang ruhen diese Woche alle Augen auf der EZB, die früher im Jahr weitere Expansion angekündigt hatte und vermutlich nun auch liefern wird.

Die Frage scheint eigentlich nur, ob es eine weitere Zinssenkung und neuerliche Asset-Käufe im Paket gibt, oder nur eines von beiden. Wir denken, dass Mario Draghi auf seiner vorletzten Pressekonferenz als EZB-Präsident die Senkung des Einlagezinses um 10, maximal 20 Basispunkte bekanntgeben, den Ankauf weiterer Finanztitel aber zunächst nur in Aussicht stellen wird, ohne ihn zu präzisieren.

Dafür rechnen wir mit Maßnahmen, um die negative Wirkung des ‚Strafzinses‘ auf die Banken abzumildern, etwa ein Staffelungssystem. Weitere Lockerung könnte dann später im Jahr bekanntgegeben werden.

So sichert die EZB sich selbst und den Märkten die Aussicht auf positiven Newsflow Richtung Jahresende, was auch mit Blick auf die neue Präsidentin Christine Lagarde erwünscht sein kann. Für Risikoanlagen wären dies in jedem Fall gute Nachrichten. Solange es dann aus London, Washington, Peking etc. keine dramatischen Störgeräusche gibt, bleiben fürs erste die Signale auf grün.

Foto: Blackrock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Gesetzlich Versicherte verschenken jährlich 4,5 Milliarden Euro

Gesetztlich Krankenversicherte und Arbeitnehmer verschenken jährlich rund 4,5 Milliarden Euro, weil sie die Krankenkasse nicht wechseln. Das zeigt ein aktueller Vergleich von Check24. Durch eine Wechsel der Krankenkasse könnte ein Versicherter bis zu 574 Euro pro Jahr sparen.

mehr ...

Immobilien

Bauen: Kleiner Mangel, teurer Schaden

Wie aufwendig die Beseitigung eines Baumangels ist, hängt grundsätzlich davon ab, wann er entdeckt wird. Welche Kosten private Bauherren vermeiden können, wenn sie frühzeitig Mängel erkennen, zeigt eine aktuelle Studie des Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB).

mehr ...

Investmentfonds

Kommt die Finanztransaktionssteuer jetzt doch?

Nach jahrelangen Verhandlungen rückt eine Entscheidung zur Besteuerung von Finanzgeschäften in Europa näher. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hat seinen europäischen Kollegen einen finalen Vorschlag für eine Finanztransaktionssteuer vorgelegt.

mehr ...

Berater

Softfair und xbAV planen Schnittstelle

Der IT-Dienstleister Softfair und xbAV haben angekündigt, eine Schnittstelle zu bauen. Eingerichtet werden soll die Verknüpfung zwischen dem Akquise-Center von Softfair und der xbAV-Plattform. Vermittler können dann die Kundendaten aus dem Akquise-Center als Berechnungsgrundlage nutzen und die geschlossenen Verträge im CRM-System verwalten.

mehr ...

Sachwertanlagen

Kreditfonds finanziert Quartiersentwicklung in Leipzig

Die Berliner Immobilien-Investmentgesellschaft Linus Capital hat eine sogenannte Whole-Loan-Finanzierung in Höhe von 45 Millionen Euro für eine unter dem Namen „Quartier Krystallpalast“ bekannte Projektentwicklung in Leipzig strukturiert.

mehr ...

Recht

Keine Steuervorteile verschenken

Mit großen Schritten rückt Weihnachten näher und damit für die meisten Unternehmen auch deren Geschäftsjahresende. Spätestens jetzt sollte daher gemeinsam mit dem Steuerberater überlegt werden, welche steuerlichen Optimierungsmaßnahmen noch vor Jahresende möglich und sinnvoll sind.

mehr ...