30. Juli 2019, 07:29
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Angst der Unternehmen vor No-Deal-Brexit wächst

Bei einem EU-Austritt ohne Abkommen rechnen Experten unter anderem mit langen Wartezeiten an Grenzen, Lieferengpässen etwa für Medikamente, Obst und Gemüse sowie Mangel an Lagerkapazitäten.

Auch britische Firmen besitzen wenig Sicherheit und Klarheit

«Unklare Empfehlungen, Zeitpläne, Kosten und die Komplexität» des Brexits behinderten die Vorbereitungen vieler britischer Firmen auf einen möglichen No Deal, teilte der Verband CBI (Confederation of British Industry) nach einer Befragung von mindestens 50 Wirtschaftsvereinigungen und Tausenden von Unternehmen mit. Viele größere Unternehmen, etwa im Finanzwesen, haben demnach Pläne – doch seien kleinere Firmen weniger gut vorbereitet. Zu den No-Deal-Vorbereitungen der EU hieß es: «Die EU bleibt noch hinter Großbritannien in den Bemühungen zurück, die schlimmsten Effekte eines No-Deal-Szenarios zu verhindern.»

Eine Sprecherin der EU-Kommission wies zu den CBI-Äußerungen darauf hin, dass die EU nicht dafür verantwortlich ist, britische Unternehmen vor den Folgen eines ungeregelten Brexits zu schützen.

«Unsere Vorbereitungen auf einen No Deal schützen die EU und unsere Interessen», sagte sie. Auf EU-Seite seien für den Fall der Fälle bereits 19 Gesetzespakete, 63 andere Rechtsakte und 100 Vorbereitungspapiere beschlossen worden. Nichtsdestotrotz sei man aber weiter der Ansicht, dass ein geordneter Brexit das beste für beide Seiten sei. Dafür setze man sich ein.

Konsequenzen sehen unterschiedlich aus

Der Generaldirektor des Industrieverbands BusinessEurope kommentierte: «Niemand kann vollständig auf einen No-Deal-Brexit vorbereitet sein – und das ist der Grund, warum die Wirtschaft in der EU und im Vereinigten Königreich ganz entschieden dagegen ist.» Notfallmaßnahmen könnten keinen Deal ersetzen, sondern nur negative Auswirkungen eines No Deals abschwächen.

Wie Konsequenzen für Großbritannien aussehen könnten, sagte der Chef des französischen Peugeot-Herstellers PSA, Carlos Tavares.

Er wolle zwar das Astra-Nachfolgemodell für die Konzernmarken Opel und Vauxhall in der Fabrik Ellesmere Port bauen, aber bei schlechten Rahmenbedingungen werde er es nicht machen, sagte Tavares der britschen Wirtschaftszeitung «Financial Times» vom Montag. «Wir haben eine Alternative für Ellesmere Port.» Das Unternehmen müsse wissen, was im Oktober passiere, etwa bei den Zöllen, forderte Tavares.

Ryanair spürt bereits jetzt die Auswirkungen

Der Brexit-Wirrwarr und ein harter Preiskampf in Deutschland haben auch Europas größtem Billigflieger Ryanair im ersten Geschäftsquartal einen Gewinneinbruch eingebrockt. In den Monaten April bis Juni verdiente das irische Unternehmen 243 Millionen Euro und damit 21 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie es in Dublin mitteilte.

Angesichts der Unsicherheiten musste das britische Pfund weitere Kursverluste hinnehmen. Im Vergleich zum US-Dollar ging es um ein Prozent nach unten auf den niedrigsten Stand seit Frühjahr 2017. (dpa/AFX)

 

Foto: Shutterstock

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