30. September 2019, 10:00
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Ciao Mario – Bonjour Christine!

Nach acht Jahren an der Spitze der Europäischen Zentralbank endet Mario Draghis Amtszeit nun Ende Oktober. Viele, vor allem deutsche Sparer, werden sich vermutlich erst einmal darüber freuen. Denn Draghi hatte mit unkonventionellen und früher undenkbaren Maßnahmen immer wieder für Aufruhr gesorgt. Die Bröning Kolumne.

Pressebild GL Tim Broening-1 in Ciao Mario – Bonjour Christine!

Tim Bröning, FondsFinanz

Wer erinnert sich nicht an die groß angelegten Kaufprogramme für Staats- und Unternehmensanleihen seitens der EZB, Zinsen nahe dem Nullpunkt und die negativen Einlagesätze für Banken? Weit und breit keine Spur mehr von einst vergangenen Jahren, in denen die Bundesbank eine stabile Geldpolitik betrieb.

Deutsche Sparer profitieren von Draghi

Draghi muss sich nach seinem Ausscheiden als Notenbankpräsident keine Sorgen machen, in Vergessenheit zu geraten. Einmalig und richtungsweisend für viele Jahre wird seine Rede vom 26. Juli 2012 mit Sicherheit in Erinnerung bleiben. „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough“. Boom!

Draghi nahm damit insbesondere angelsächsischen Großanlegern trotz der grassierenden Schuldenkrise die Angst, dass die Eurozone auseinanderbrechen könnte. Die Aktienmärkte reagierten mit einem regelrechten Kursfeuerwerk. Der DAX stieg bis Januar 2018 von 6.400 Punkten um 113 Prozent auf satte 13.600 Punkte!

Wer jedoch nicht davon profitierte, waren wieder einmal vor allem deutsche Sparer. Sie setzten bei ihrer Geldanlage weiterhin auf Zinspapiere, Tagesgeld und die Matratze. Der Euro konnte nach Draghis Paukenschlag zunächst weiter zulegen. Erst ab Mitte 2014 verlor die Gemeinschaftswährung im Zuge der Ankündigung bzw. Durchführung der Anleihekäufe und den daraus folgenden Renditerückgängen bei Euroanleihen an Wert.

Viel Kritik für den scheidenden Italiener

Seither musste Draghi viel Kritik einstecken. Kritik, die zum Teil berechtigt ist, die aber auch zu kurz greift. Draghi hat unermüdlich darauf hingewiesen, dass die EZB die Probleme der Eurozone nicht lösen kann. Man muss Negativzinsen und Kaufprogramme für Anleihen nicht gutheißen. Diese Maßnahmen retteten die Eurozone jedoch kurzfristig vor Schlimmerem.

Entscheidend für eine Normalisierung der Geldpolitik wären tiefgreifende und bei vielen Politikern ungeliebte Strukturreformen, wie eine europaweite Steuerreform und großangelegte und länderübergreifende Konjunkturprogramme. Damit gelänge es, die darbende Wirtschaft in der Eurozone anzukurbeln. Bisher ist allerdings nichts davon geschehen – weder in Deutschland, noch in anderen Ländern der Eurozone.

 

Seite 2: Wie geht’s nun weiter?

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