Ciao Mario – Bonjour Christine!

Stattdessen erfreuen sich Politiker daran, dass sich die Staaten aufgrund der Niedrigzinsen langfristig Geld leihen können und daran sogar noch verdienen. Im August dieses Jahres waren zum ersten Mal sogar 30-jährige deutsche Staatsanleihen negativ verzinst. Gleichzeitig fordert der Jurist Olaf Scholz, dass Banken die Negativzinsen der EZB nicht an Privatkunden weitergeben dürfen.

Verkehrte Welt

Noch skurriler wird es, wenn man sich das Interview des Bundesfinanzministers vom 17. September 2019 bei BILD.de durchliest. Auf die Frage, wie denn Olaf Scholz sein Erspartes anlege, antwortete dieser: „Auf dem Girokonto“. Würde das ein Volkswirt auch tun?

Um es auf den Punkt zu bringen: Draghi ist mit seiner Politik des billigen Geldes große Risiken eingegangen und hat damit Zeit erkauft. Diese wurde von der Politik nicht genutzt. Vielmehr wurde Draghi von der herrschenden Klasse im Stich gelassen. Der süße Duft der niedrigen Zinsen war für viele Politiker anscheinend zu verlockend.

Wie geht es nun weiter?

Ab November wird mit Christine Lagarde eine ehemalige Politikerin und Direktorin des Internationalen Währungsfonds das auf acht Jahre begrenzte Amt des Europäischen Notenbankpräsidenten übernehmen. Wer glaubt, dass Lagarde Draghis Politik der niedrigen Zinsen beenden wird, dürfte sich irren. Wahrscheinlicher als Zinserhöhungen in Europa werden Aktienkäufe seitens der EZB sein.

Diesem Prinzip folgen die Notenbanken in Japan und der Schweiz bereits. Stellen Sie sich darauf ein, dass Zinspapiere und das liebe Tagesgeldkonto ein Verlustgeschäft bleiben werden.

Für alle, die einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont mitbringen und zwischenzeitliche Schwankungen nicht als Risiko ansehen, liegt die Alternative in Aktien und Aktienfonds. Die eigentlich spannende Frage ist, wie es nach Lagarde weitergeht. Bis dahin heißt es aber erst einmal: Bonjour Christine!

 

Foto: FondsFinanz

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