DWS: Leitzins wird bis Mitte 2020 auf dem Niveau verharren

Mario Draghi legt in der EZB-Sitzung das weitere Vorgehen bis zu seinem Ausscheiden fest. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Die Niedrigzinsphase wird vermutlich ausgedehnt. Ein Kommentar von Johannes Müller, Head Macro-Research bei DWS.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und absoluter Verfechter der Nullzinspolitik.

Die EZB bleibt sich treu und überrascht mit einer Verlängerung ihrer sehr expansiven akkommodierenden Geldpolitik: Nicht mehr nur bis Ende 2019, sondern mindestens bis Mitte 2020 sollen die Leitzinsen auf ihrem jetzigen Niveau verharren. „Das bestätigt unsere Einschätzung, dass die sogenannte „forward guidance“, also die Lenkung der Markterwartungen, durch die kommunikativ langfristige Festlegung der Geldpolitik im Instrumentarium der EZB an Gewicht gewinnt.“, so Müller.

Die Entscheidung der EZB, die Zinsen auf dem aktuellen Niveau zu belassen, begründet sie mit einer durch Handelsstreit und Brexit erhöhten makroökonomischen Unsicherheit.

Draghi verteidigt seine Politik

Vor diesem Hintergrund ist es sogar erstaunlich, dass die Projektionen nur moderat angepasst wurden: Das Wachstum für 2020 wird etwas skeptischer gesehen und es bleibt bei der Einschätzung, dass die Inflation auch 2021 nicht das Ziel der EZB erreichen wird. Zum Thema Negativzinsen und Bankenprofitabilität sagte Mario Draghi, dass negative Zinsen bisher noch stets einen positiven Beitrag zur geldpolitischen Expansion geleistet hätten.

Dies gelte jedenfalls für die Vergangenheit, müsse aber in der Zukunft nicht gelten. Damit bleibt der Freibetrag („Tiering System“) auf die Einlagenfazilität weiterhin ein mögliches Instrument im Werkzeugkasten der EZB.

Zeichen stehen auf Expansion

Die wichtigste Botschaft unserer Meinung nach war jedoch die Aussage, dass die EZB bereit stünde, mit allen möglichen Instrumenten zu agieren, wenn sich die Rahmenbedingungen verschlechtern sollten. Von Normalisierung bleibt die EZB also weit entfernt. Im Gegenteil, die Zeichen stehen weiterhin auf Expansion.

 

Foto: Shutterstock

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