18. September 2019, 14:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Unigestion-Marktanalyse: The world is not enough

Die Märkte sind seit fast einem Jahrzehnt von den Zentralbanken und ihrer sehr expansiven Geldpolitik getrieben. Das Gegenmittel, das zur Bewältigung einer der schlimmsten Finanzkrisen der Geschichte dienen sollte, ist für die meisten Investoren zu einer harten Droge geworden. Vor sieben Jahren versprach EZB-Präsident Draghi „alles zu tun um den Euro zu retten“. 

Draghi in Unigestion-Marktanalyse: The world is not enough

Mario Draghi, EZB-Präsident

Derzeit stellt sich die Billionen-Dollar-Frage, ob zusätzliche Maßnahmen der Zentralbanken bei der Bekämpfung rezessiver und vor allem deflationärer Kräfte erfolgreich sein werden. Nach 7 Jahren geldpolitischem Stimulus scheinen die Handelsmöglichkeiten begrenzter denn je. Dennoch reagierte der Markt auf die Zinssenkung und die zusätzlichen geldpolitischen Maßnahmen der EZB in der vergangenen Woche, als ob „die Welt nicht genug“ wäre.

Makro: Die erste negative Inflationsüberraschung überhaupt

Das Hauptproblem der Zentralbanken ist (noch?) nicht das Risiko einer Rezession, sondern ein konstantes Unterschreiten der Inflationsziele, was wiederum zu einer schädlichen Deflation führen könnte. Die Notenbanker, insbesondere der Fed, sind jedoch weiterhin zuversichtlich, dass zurzeit die Risiken einer globalen Rezession trotz der Inversion der Zinskurve gering sind.

Die mangelnde Inflation steht im Mittelpunkt: Wie ist es möglich, dass trotz unbegrenztem Geldzufluss und dem längsten Aufschwung aller Zeiten ein so geringer Preisdruck besteht? Weltweit wirken säkulare Kräfte, welche die Inflation belasten. Diese umfassen unter anderem die Demografie (die Auswirkungen des Alterns auf das Konsumverhalten), Automatisierung (Druck auf die Löhne) und Digitalisierung.

Seit der Finanzkrise fehlen auch zyklische Elemente wie der Rohstoffzyklus und Investitionen. In der Regel steigen die Rohstoffpreise nach anhaltenden Wachstumsperioden und beeinträchtigen sowohl Verbraucher als auch Unternehmen, die unter höheren Inputkosten leiden.

Zurzeit jedoch zeigt unser Inflations-Nowcaster nicht nur eine Abschwächung der Inflation an, sondern auch, dass keine einzige Inflationskomponente Anzeichen von Preissteigerungen aufweist: Löhne, Inputpreise, sowie die importierte und erwartete Inflation sind niedrig und sinken in allen Industrie- und Schwellenländern. Infolgedessen haben die Zentralbanken den Spielraum, mehr billiges Geld in das System zu pumpen, um das Wachstum zu verlängern und die Inflation wiederzubeleben.

Marktstimmung: Wenn man nach dem Mond greift, reicht die Welt nicht mehr aus

Der Erwartungen an die Zentralbanken sind seit Anfang des Jahres massiv gestiegen ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbanker die Investoren enttäuschen werden. Der Markt erwartet, dass die Zinsen in den G10-Ländern, mit Ausnahme der Nordischen Länder, im Laufe des nächsten Jahres um insgesamt 250 Basispunkte gesenkt werden. In den USA rechnen die Anleger immer noch mit drei Zinssenkungen in den nächsten zwölf Monaten.

 

Seite 2: Risiken dosiert einsetzen

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Pflegekosten: Neues Urteil verschärft die Dramatik

Die Richter des Oberlandesgericht (OLG) Celle entschieden, dass für die Deckung der Pflegekosten Zahlungen an Familienangehörige zurückgefordert werden können, wenn sie über mehrere Jahre monatlich erfolgen und dem Aufbau eines Vermögens dienen.

mehr ...

Immobilien

Deutlich weniger Bauaufträge im Corona-Krisenmonat März

Die Coronakrise scheint die Baulust in Deutschland zu dämpfen. Im März sank der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe bereinigt um Preiserhöhungen (real) um 10,5 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

mehr ...

Investmentfonds

Investments in digitaler Infrastruktur sind auch in Krisen robust

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat weltweit zu großer Unsicherheit geführt. Durch die sprunghafte Zunahme des Arbeitens von zuhause und global verordnetes Social Distancing bekam die Telekommunikationsbranche in dieser Zeit eine besonders wichtige Rolle. Mit Blick auf Umsätze, Gewinne und Dividenden wird die Robustheit von Unternehmen aus dem Bereich der digitalen Infrastruktur deutlich, auch wenn nicht alle Aktien glänzen konnten. Weil nicht alle Unternehmen gleichermaßen vom Telekommunikationsboom profitieren, sollten Anleger einzelne Investments genau prüfen. Ein Beitrag von Johannes Maier, Analyst Globale Infrastruktur-Aktien beim Vermögensverwalter Bantleon.

mehr ...

Berater

DVAG launcht neues Beratungstool

Die aktuelle Ausnahmesituation sorgt bei Vielen für Verunsicherung und wirkt sich auf zahlreiche Lebensbereiche aus. Auch im Bereich Finanzen und Absicherung besteht jetzt mehr denn je hoher Beratungsbedarf. Darauf hat die Deutsche Vermögensberatung reagiert und ein halbes Jahr früher als geplant “Vermögensplanung Digital” eingeführt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Reconcept: Viel Wind in Deutschland und Finnland

Die Reconcept Gruppe, Asset Manager und Anbieter ökologischer Kapitalanlagen, weist für das erste Quartal 2020 auf sehr gute Ergebnisse für ihre Windenergie-Investoren hin. Insgesamt sieht sich das Unternehmen im Branchentrend der Vermögensanlagen (inklusive andere Assetklassen).

mehr ...

Recht

Eingehen einer Scheinehe um Pflichtteil des Sohnes zu verringern?

Eine Scheinehe und deren mögliche Aufhebbarkeit führt nicht zwangsläufig zum Verlust des gesetzichen Erbrechts des Ehegatten, entschied das OLG Brandenburg in seinem Beschluss v. 16.3.2020.

mehr ...