14. November 2016, 10:36
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Nur Bafin-Prüfung light für AIF-Prospekte?

Die Finanzaufsicht Bafin prüft Prospekte nach dem Vermögensanlagengesetz „erheblich intensiver“ als AIF-Prospekte. Sagt sie. Der Löwer-Kommentar

Loewer012 Ausschnitt-Cash in Nur Bafin-Prüfung light für AIF-Prospekte?

„Vor allem aus der Kombination der ‚Bafin-Prüfung light‘ mit der amputierten Neufassung des Wirtschaftsprüferstandards IDW S4 kann ein gefährlicher Cocktail entstehen.“

Es ist ein Satz, den sich vor allem jene Manager einer Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) auf der Zunge zergehen lassen müssen, die sich als Unternehmen des voll regulierten „weißen“ Kapitalmarkts neuerdings für unantastbar halten und hochnäsig auf das Segment der Emissionen nach dem Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) herabschauen: „Die Prüfung der Bafin ist bei Vermögensanlagen-Prospekten erheblich intensiver als bei AIF-Prospekten.“

Das sagte kein geringerer als Hans-Georg Carny, Leiter des Bafin-Referats, bei dem seit April 2016 die Aufsicht über alternative Investmentfonds (AIF) und deren KVGen konzentriert ist, berichtet das Cash.-Magazin in seiner neuesten Ausgabe (ab Donnerstag am Kiosk).

Prospektprüfung nur ein „Teilaspekt“

„AIF-Prospekte werden im Rahmen einer Vertriebsanzeige bei der Bafin eingereicht und geprüft. Daneben unterliegt die KVG selbst und der AIF einer intensiven laufenden Aufsicht, unter anderem hinsichtlich Solvenz, Risikomanagement, Organisation und Verhaltenspflichten“, erläuterte Carny. „Die Prüfung des Prospekts ist hier nur ein Teilaspekt. Bei Publikums-AIF bildet vielmehr die Genehmigung der Anlagebedingen den Aufsichtsschwerpunkt“, so der Referatsleiter weiter.

Anders verhalte es sich bei Prospekten für Angebote nach dem VermAnlG. „Bei diesen wird der Anbieter nicht von der Bafin beaufsichtigt und der Vertrieb darf erst beginnen, wenn der Prospekt von der Bafin gebilligt wurde“, sagte Carny. Daher sei die Prüfung der Bafin dort erheblich intensiver.

Die von der AIF-Branche oft als „unreguliert“ und „grau“ geschmähten Emissionen nach dem VermAnlG wertet das auf (auch wenn sie es nicht ausschlachten dürfen, denn Werbung mit der Bafin-Prüfung ist verboten). Für AIF hingegen ist die Sache nicht ganz unproblematisch.

Seite 2: Nicht auf der sicheren Seite

Weiter lesen: 1 2 3

1 Kommentar

  1. Es ist zutreffend, dass die BaFin Verkaufsprospekte unterschiedlich intensiv prüft. Gerade bei Vermögensanlagen kann die Prüfung gelegentlich kafkaeske Züge annehmen, denn die Ansichten der BaFin über die richtige Darstellungsform ändern sich in rasender Geschwindigkeit. Was heute noch richtig war, kann morgen bereits vollkommen falsch sein. Allerdings erstreckt sich die BaFin-Prüfung häufig auf Nebenkriegs-Schauplätze, die in einem späteren Haftungsprozess mit hoher Wahrscheinlichkeit vollkommen irrelevant sind. Die Vollständigkeit der Angaben in dem Sinne, dass alle für die Kaufentscheidung wesentlichen Angaben enthalten sind, kann und will die BaFin gar nicht prüfen. Diese Tatsache nutzen derzeit zahlreiche KAGB-Initiatoren, um möglichst schlanke und wenig informative Verkaufsprospekte genehmigen zu lassen. Es besteht jedoch das Risiko, dass diese sogenannten Enthaftungsprospekte die größten Haftungsrisiken bergen. Denn kein Anleger ist gezwungen, ausführliche Werbematerialien zu Kenntnis zu nehmen, so dass die dort gemachten Angaben eher dazu beitragen, die Fehlerhaftigkeit des Verkaufsprospektes zu beweisen. Es wäre wünschenswert, wenn sich die Branche auf ihre früher gerne betonte Tugend der Transparenz des Verkaufsprospektes besinnen würde. Dadurch könnten sowohl Anleger und insbesondere auch Vertriebe wieder von den Qualitäten der Investments überzeugt werden.

    Kommentar von Buntspecht — 14. November 2016 @ 21:18

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Thomas Neuer wird Director Sales bei XbAV

Der Münchener Plattformanbieter XbAV verstärkt sein Team um den Vertriebs- und Digitaltransformationsexperten Thomas Neuer. Neuer kommt als Director Sales zu XbAV.

mehr ...

Immobilien

Hamburg: Preistrend für Wohninvestments setzt sich trotz Corona

Der Markt für Wohn-Investments in Hamburg zeigt sich angesichts der Corona-Pandemie äußerst krisensicher. Das Transaktionsgeschehen kam während des Lockdowns zwar kurzzeitig zum Erliegen, jedoch hat sich der Markt inzwischen wieder normalisiert. Auch die Preisentwicklung knüpft an den Trend vor Pandemie-Beginn an. Also business as usual?

mehr ...

Investmentfonds

Nachhaltiges Investieren: Versicherer auf Kurs?

Die Integration von ESG-Faktoren (Environment, Social, Governance) bei der Kapitalanlage deutscher Versicherungsunternehmen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dies geht aus einer aktuellen Studie des europäischen Assetmanagers Candriam und der Versicherungsforen Leipzig hervor. Was die größten Herausforderungen beim Thema ESG sind.

mehr ...

Berater

DISQ: Die besten Kfz-Versicherer

Und es gibt erhebliche Preis-Leistungs-Unterschiede in der Kfz-Versicherung. Im Idealfall lassen sich bis zu 80 Prozent einsparen. Das zeigt das neue DISQ-Rating unter 27 Kfz-Versicherern, darunter 19 Filial- sowie acht Direktversicherer. Drei Einzeltarife erhielten ein „sehr gut“. Auf Platz eins kamen der Marktführer HUK-Coburg und  der Direktversicherer CosmosDirekt.

mehr ...

Sachwertanlagen

AEW versilbert deutsches Büroimmobilien-Portfolio

Der Asset Manager AEW gibt die Vermittlung der Anteilscheine am AEW City Office Germany-Fonds an einen Fonds von Tristan Capital Partners, Curzon Capital Partners 5 LL, bekannt. Das Portfolio umfasst sieben Objekte mit insgesamt rund 83.000 Quadratmetern Mietfläche.

mehr ...

Recht

Scholz: Corona-Krise wird Staatsverschuldung auf 80 Prozent steigern

Durch die Corona-Krise wird die Staatsverschuldung der Bundesrepublik auf 80 Prozent steigen. Ähnlich hoch lag sie nach der Finanzkrise 2008/2009. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hofft, in den kommenden Jahren die Staatsverschuldung dann wieder deutlich drücken zu können.

mehr ...