Gebunkert: R+V wehrt sich gegen Geldautomatensprenger

Foto: R+V
Ein Bunker für Geldautomaten soll Sprengungen verhindern.

Die Zahl der Geldautomatensprengungen nimmt weiter zu. Immer öfter nutzen Kriminelle dabei feste Explosivstoffe. Betroffen sind auch Bankfilialen der R+V. Deshalb entwickelt die R+V Versicherung für ihre Bankkunden nun passende Sicherheitskonzepte. Ihr Ansatz: automatische Verneblungsanlagen, neuartige Geldfärbesysteme und "Pavillons" aus Stahlbeton.

Die R+V beobachtet in 2022 einen weiteren Anstieg der Angriffe auf Geldautomaten mit Festsprengstoffen. „In den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben rund 70 Prozent der Bankräuber Festsprengstoff genutzt, um an das Bargeld in den Automaten zu kommen“, berichtet Harald Schmidt, Risikoberater der R+V Versicherung. Damit setzt sich der Trend fort, den das Bundeskriminalamt in seinem aktuellen Lagebild für 2021 feststellt: Vergangenes Jahr lag der Anteil der Sprengungen mit festen Explosivstoffen demnach bei 64 Prozent. Bis vor drei Jahren wurde überwiegend mit Gas gesprengt.

„Wenn die Kriminellen ihren Modus Operandi ändern, müssen auch die Geldautomaten anders geschützt werden“, erklärt Schmidt. „Denn was Angriffe mit Gas vereiteln kann, funktioniert nicht immer bei Festsprengstoff.“ Die R+V gehört wie die Volksbanken und Raiffeisenbanken zur genossenschaftlichen FinanzGruppe. Schmidt und sein Team entwickeln Sicherheitskonzepte und beraten die Banken zum Schutz vor kriminellen Angriffen – von der Erstellung von Notfall-Handbüchern bei Bedrohungssituationen über die Überprüfung von Alarmanlagen, Tresorräumen und Kundenschließfächern bis hin zur optimalen Sicherung von Geldautomaten.

Täter innerhalb von Sekunden orientierungslos

„Die Kriminellen sind jetzt unheimlich schnell: Sie brechen die Tür zum Foyer auf, befestigen den Festsprengstoff am Geldautomaten und zünden ihn direkt“, erzählt Schmidt. „Gas in den Automaten einzuleiten, dauert deutlich länger.“ Deshalb rät er zu neuartigen Verneblungssystemen. Das Besondere: Die Einbrecher lösen den Nebel automatisch aus, wenn sie ins Bankfoyer eindringen. „Innerhalb von Sekunden ist die Sicht so schlecht, dass man die eigene Brille auf der Nase nicht mehr sieht. Der Täter wird orientierungslos“, sagt Schmidt. Bei den herkömmlichen Verneblungsanlagen für die Foyers wird zuerst ein Sicherheitsdienst alarmiert, der die Räumlichkeiten per Kamera überwacht und dann den Nebel auslöst. Eine bewährte Methode bei den langwierigeren Sprengungen mit Gas, für Festsprengstoff zu langsam.

Neues System, um Geldscheine zu färben

Methoden, um Geld einzufärben, gibt es schon lange. Allerdings funktionieren diese nur bei mechanischen Angriffen. „Das neue Systeme wird durch die Sprengung ausgelöst. Dann verteilt sich die Farbe und das Geld wird unbrauchbar“, berichtet der Risikoberater der R+V. „Diese Methode funktioniert bei Gas genauso effektiv wie bei Festsprengstoff.“

Ein weiteres Problem bei Sprengstoffangriffen: Die Wucht der Explosion zerstört oft nicht nur den Geldautomaten, sondern beschädigt auch das Bankgebäude. „Der Schaden durch die Sprengung beläuft sich schnell auf einige 100.000 Euro – das ist oft mehr als die Diebesbeute“, sagt Schmidt. Auch Bewohnerinnen und Bewohner von angrenzenden Wohnungen werden durch das Verbrechen gefährdet.

Freistehende Pavillons aus Stahlbeton

Deshalb empfiehlt die R+V freistehende Pavillons außerhalb der Bankfilialen. Die ringförmigen Gebilde bestehen aus bis zu 15 Zentimeter starkem Stahlbeton, sie sind massiv wie Bunker. Der Geldautomat befindet sich im Inneren des Pavillons. Die Tastatur und die Geldausgabe erreichen die Kunden über eine Art Fenster. An der Weiterentwicklung des technischen Sicherheitskonzepts für die Bedürfnisse der Banken ist die R+V beteiligt. Aufgestellt werden die Pavillons auf Plätzen mit ausreichend Sicherheitsabstand zu den umliegenden Häusern. „Das Interesse ist groß, immer mehr Banken stellen diese ringförmigen Betonbauten auf“, sagt Schmidt.

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