Kein grünes Licht für Variable Annuities

Enttäuschung für die deutsche Versicherungswirtschaft: Der Finanzausschuss des Bundestags wird die von den Lebensversicherern geforderte rasche Gesetzesänderung zu Gunsten von Spezialpolicen nach US-Vorbild, sogenannten Variable Annuities, vorerst nicht auf den Weg bringen. Das berichtet die Zeitung ?Handelsblatt? und bezieht sich auf Informationen aus Regierungskreisen. Im Frühjahr soll erneut verhandelt werden.

Branche befürchtet Standortnachteile

Die im Gesetzesentwurf geplanten Neuregelungen für die Versicherungsbranche wurden von den Sachverständigen völlig konträr beurteilt. Während die Branche die Reform als notwendig erachtet, um im internationalen Wettbewerb keine Standortnachteile hinnehmen zu müssen, warnen Verbraucherschützer davor eine ?Grauzone? zu schaffen, in der Versicherer agieren können.

GDV: Risiko nicht höher als bei herkömmlichen Policen

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft GDV bewertet das Risiko von Variable Annuities nicht höher als das von klassischen fondsgebundenen Versicherungsprodukten und hält die Neuregelung für notwendig, damit neue Chancen auf den Aktienmärkten genutzt werden können.

Sachverständiger: Protektor-Haftung ungewiss

Der Sachverständige Axel Kleinlein, Geschäftsführer des Büros für Versicherungs- und Finanzmathematik ?Math Concepts?, wies dagegen darauf hin, dass die neuen Garantieprodukte „erheblich riskanter als bisherige“ seien. Der Experte befürchtet daher einen eingeschränkten Schutz durch den Sicherungsfonds Protektor. Die Garantie gilt bei Variable Annuities im Gegensatz zu herkömmlichen deutschen Policen erst ab Rentenbeginn und nicht während der Ansparphase.

Verbraucherzentrale: Branche hat andere Probleme

Die Verbraucherzentrale Bremen plädierte dafür, zunächst sehr sorgfältig die krisenhaften Erfahrungen in den USA auszuwerten, gerade die Anbieter von Variable Annuities hätten dort mit schweren Verlusten zu kämpfen. In Deutschland bestünde auch deshalb keine Eile, weil die Branche selbst Anlass hätte, ihre Probleme im Zuge der Finanzkrise aufzuarbeiten, so die Verbraucherschützer weiter.

BMF-Sprecherin: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“

Dem Handelsblatt-Bericht zufolge macht das Bundesfinanzministerium der Versicherungswirtschaft allerdings weiter Hoffnung: ?Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, wir sehen uns die Sache im Frühjahr noch mal an?, zitiert die Zeitung eine Sprecherin.

Bis dahin werden die Anbieter ihre Variable Annuities weiter über Töchter im europäischen Ausland auflegen. Für Verbraucher ein Nachteil, die Protektor AG schützt ihre Gelder dort nämlich definitiv nicht. (hb)

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