17. November 2010, 17:33
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Rechtsschutz-Policen: Sanfter Streit im Trend

Die Rechtsschutzversicherung wandelt sich vom reinen Finanzierer der Prozesskosten zum Dienstleister und Konfliktmanager, der Streit vor Gericht  vermeiden hilft. Im großen Marktbericht gibt Cash. einen Überblick über die neuesten Entwicklungen der Sparte.

Justizia-gericht-richter-bgh in Rechtsschutz-Policen: Sanfter Streit im Trend

Text: Detlef Pohl

Advocard, und der Anwalt hilft sofort“, brachte es einst Schauspieler Manfred Krug in der Fernsehwerbung auf den Punkt. Offenbar mit Erfolg, denn 43 Prozent der deutschen Haushalte leisten sich eine Rechtsschutzversicherung. Das böse Erwachen kommt vielen womöglich erst, wenn der flotte Werbespruch den Test in der Praxis bestehen muss. Denn eine Rechtsschutz-Police gegen sämtliche Risiken gerichtlicher Auseinandersetzungen gibt es nicht.

Rechtsschutzversicherer leben von der unbestimmten Angst vieler Leute vor Streitigkeiten, die erst bei Gericht entschieden werden. Das Prozessrisiko ist vor allem ein Kostenrisiko, denn der Verlierer muss zumeist alle Kosten tragen. Die Rechtsschutzversicherung ist also in erster Linie eine Kostenversicherung.

Nur telefonische Erstberatung

Gezahlt wird jedoch längst nicht in allen Fällen. Schutz im Bereich des Mietrechts und Arbeitsrechts muss in der Regel gesondert zum Standardvertrag vereinbart werden. In vielen Bereichen gibt es überhaupt keinen Versicherungsschutz, etwa bei Bauvorhaben. Seit einigen Jahren kommt durch Gerichte jedoch Bewegung in den Bereich der sogenannten Risikoausschlüsse. Die Versicherer müssen auf Druck der Gerichte den Schutz ausweiten.

Kehrseite der kundenfreundlichen Justiz: Die Versicherer haben neu kalkuliert und die Policen-Preise mehrfach erhöht sowie ihre Bestände nach Prozesshanseln durchforstet. Zwar ist die Sparte mit rund 900 Millionen Euro Gewinn pro Jahr eine der einträglichs­ten überhaupt, doch werden die Bilanzen immer wieder wegen steigender Leistungen verhagelt.

So verbietet das Rechtsdienstleis­tungsgesetz von 2008 den Gesellschaften weiterhin, ihren Kunden eine eigene Rechtsberatung zu offerieren. Lediglich telefonische Erstberatung wurde erlaubt. Ein anderes Gesetz verbietet weitgehend die Vereinbarung von Erfolgshonoraren und Honoraren unterhalb der Gebührentabellen. Aus solchen Gründen müssen die Rechtsschutzversicherer immer wieder die Beiträge erhöhen. Folge: Mancher Bundesbürger wird sich den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung zweimal überlegen.

Seite 2: Deutsche holen Rat in der Familie

Zum Tarif-Vergleich von Morgen & Morgen geht es hier

Weiter lesen: 1 2 3 4 5 6

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Thomas-Cook-Insolvenz: Warum es für den Staat teurer werden könnte

Im September 2019 stellte der Reiseveranstalter Thomas Cook einen Insolvenzantrag. Etliche deutsche Tochterunternehmen folgten. Viele Reisende konnten und können deshalb ihre Reisen nicht antreten. Der Schaden dafür geht, nach vorsichtiger Schätzung, in die hunderte Millionen Euro. Die Mutschke Rechtsanwaltsgesellschaft mbH hat heute die Bundeskanzlerin und das Bundesjustizministerium aufgefordert, die Ansprüche der geschädigten Urlauber anzuerkennen.

mehr ...

Immobilien

BGH urteilt zu Mieterhöhung auf Basis von Uralt-Mietspiegel

Es flattern eine Mieterhöhung ins Haus, die der Vermieter mit einem veralteten Mietspiegel begründet. Der BGH zeigt die Rote Karte.

mehr ...

Investmentfonds

Kapitalmärkte: Jetzt auf defensive Titel setzen?

Die Aussichten für die Aktienmärkte sind getrübt. Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, setzt in diesem Umfeld auf Value- und defensive Aktientitel.

mehr ...

Berater

Schiffsfonds-Zweitmarkt: Handel rauf, Kurse runter

Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG beendet den Handelsmonat Oktober mit einem außergewöhnlich hohen Umsatz beim Handel mit Schiffsbeteiligungen. Gleichzeitig ging der Durchschnittskurs spürbar zurück. Die Begründung dafür ist etwas überraschend.

mehr ...

Sachwertanlagen

MPC baut Engagement in der Tankschifffahrt aus

Der Asset- und Investmentmanager MPC Capital AG ist über seine Tochtergesellschaft MPC Maritime Holding eine strategische Beteiligung in Höhe von 50 Prozent an der Albis Shipping & Transport GmbH & Co. KG, Hamburg, eingegangen.

mehr ...

Recht

ifo Institut sieht Grundrente kritisch

Das ifo Institut sieht die Grundrente kritisch. „Letzten Endes hat sich die SPD mit ihrer Forderung durchgesetzt, dass Personen mit geringen eigenen Rentenansprüchen eine zusätzliche Sozialleistung erhalten“, sagt Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Niederlassung Dresden des ifo Instituts. Ragnitz bemängelt vor allem, dass sich die Höhe der Renten nicht mehr an zuvor gezahlten Beiträgen orientiert.

mehr ...