Mittelstand: bAV-Nachfrage geht zurück

Die Beschäftigten im deutschen Mittelstand fürchten um ihren Lebensstandard im Alter, so eine aktuelle Studie der Generali Versicherungen und des F.A.Z.-Instituts. Demnach erwägen die Beschäftigten die drohenden Einnahmelücken im Ruhestand über die betriebliche Altersversorgung (bAV) zu schließen. Dennoch sei die Nachfrage im Jahresvergleich rückläufig.

Der Studie zufolge suchen sie Mitarbeiter das Gespräch mit ihrem Arbeitgeber und lassen sich manche Mitarbeiter ausrechnen, mit welchen späteren Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung und aus der betrieblichen Altersversorgung sie rechnen können.

Allerdings fehle einem Teil der Beschäftigten demnach das Geld, um kapitalgedeckt für das Alter vorzusorgen. Nur jedes dritte mittelständische Unternehmen biete eine arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente an. Gut jeder zweite Betrieb habe zwar ein Anreizsystem für die betriebliche Altersvorsorge im Portfolio, die Teilnahmequote der Arbeitnehmer bleibe dennoch verbesserungswürdig.

Sicherheit und Flexibilität wichtiger als hohe Renditen

Die globale Banken- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 und ihre Folgen beeinflussen das Anlageverhalten der Menschen bis heute, so die Studienautoren. So legen die Beschäftigten in mittelständischen Betrieben demnach bei Vorsorgeprodukten großen Wert auf ein hohes Maß an Sicherheit der Kapitalanlage und auf Flexibilität bei den Beiträgen und den Auszahlungen.

Hohe Renditen seien für sie hingegen nur zweitrangig. Für die Arbeitgeber und Produktanbieter bedeute das, dass sich die Nachfrage nach Betriebsrenten primär über das Angebot von Garantien steigern lasse. Hierbei wollen die Betriebe der Studie zufolge keinen Druck auf die Beschäftigten ausüben und lehnen obligatorische Opting-out-Modelle für die betriebliche Altersversorgung mehrheitlich ab. Vielmehr wollen sie ihre Mitarbeiter durch die Qualität der Produkte und Beratung überzeugen.

Allerdings sehen die Personalverantwortlichen im Mittelstand noch einige rechtliche Baustellen, so die Studie. Beispielsweise solle der Gesetzgeber den Gesetzesrahmen für Betriebsrentenmodelle zukunftsfit machen, denn die demografische Entwicklung und ihre Folgen sowie die derzeitige Niedrigzinspolitik drohen demnach gerade die arbeitgeberfinanzierten Betriebsrenten langfristig zu verteuern.

Nachfrage im Jahresvergleich rückläufig

Im Vergleich zur ersten bAV-Studie der Generali Versicherungen und des F.A.Z.-Instituts ist der Anteil der Mitarbeiter, die über bAV-Anwartschaften verfügen, binnen Jahresfrist nach der Einschätzung der Personalverantwortlichen zurückgegangen. Das gelte insbesondere für die Beschäftigten, die nicht dem oberen oder mittleren Management angehören.

Ihre Teilnahmequote beträgt demnach 40,5 Prozent. Im Topmanagement liegt der Vergleichswert bei 62,9 Prozent, im mittleren Management bei 50 Prozent. Kleinere Betriebe mit 50 bis unter 100 Mitarbeitern weisen die geringste Nachfrage nach betrieblicher Altersversorgung auf, die Unternehmen mit 250 bis 500 Mitarbeitern die höchste.

„Die Marktdurchdringung bei der bAV im Mittelstand stagniert seit Jahren, obwohl der Bedarf groß ist und gute Produkte auf dem Markt sind“, meint Dr. Guido Birkner, Redakteur des F.A.Z.-Instituts und Autor der Studie, „die Entgeltkomponente Betriebsrente steht und fällt mit dem Engagement des Chefs und wird angesichts eines schrumpfenden Arbeitsmarktes ein immer wichtigeres Instrument zur Mitarbeiterbindung.“

Die Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2013“ basiert auf der Befragung von 100 Personalverantwortlichen in mittelständischen Betrieben. Das Marktforschungsinstitut Forsa führte die Befragung im November 2012 in Form von computergestützten Telefoninterviews durch. (jb)

 

Foto: Shuttertstock

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