7. Mai 2014, 10:40
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Beschwerden zur Beitragsanpassung seit Jahren rückläufig”

Heinz Lanfermann ist seit dem 1. Januar 2014 Ombudsmann der Privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Cash.Online sprach mit ihm über die Entwicklung des Beschwerdeaufkommens und über die Themen, die ihn und die Versicherten besonders beschäftigen.

Krankenversicherung

“An erster Stelle bei den Beschwerden stehen Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit der medizinischen Notwendigkeit einzelner Behandlungsmaßnahmen.”

Cash.Online: Sie sind seit dem 1. Januar 2014 Ombudsmann für die private Kranken- und Pflegeversicherung. Können Sie vier Monate danach eine erste Zwischenbilanz zum Beschwerdeaufkommen ziehen?

Lanfermann: Die ersten vier Monate lassen natürlich nur eine erste Prognose zu. Derzeit liegen wir mit der Zahl der Beschwerden ungefähr auf dem Niveau der Jahre 2013 und 2012. Unter Berücksichtigung der knapp 42 Millionen bestehenden Verträge in der Krankheitskostenvoll-, Zusatz- und Pflegeversicherung liegt die Beschwerdequote unverändert bei circa 0,014 Prozent.

Ende des Jahres haben die privaten Krankenversicherer ihre Kunden über die Beitragsanpassungen (BAP) in der Krankenvollversicherung unterrichtet. Welchen Stellenwert hat dieses Thema für die Kunden?

Die Beschwerdezahlen zum Thema Beitragsanpassung sind seit Jahren rückläufig. Im Jahr 2013 bezogen sich lediglich 3,4 Prozent der Beschwerden innerhalb der Vollversicherung auf die Höhe des Beitrages beziehungsweise auf Beitragsanpassungen. Insbesondere wurden die neu eingeführten geschlechtsunabhängigen Tarife (Unisex-Tarife) sehr gut kalkuliert, was sich positiv auf die Stabilität der Beiträge auswirkt.

Welche anderen Themen stehen bei den Versicherten aktuell im Vordergrund?

Die Schwerpunkte der Themen sind über die Jahre beobachtet recht gleichbleibend verteilt. Da dem Vertragsverhältnis eine Krankenversicherung zugrunde liegt, stehen an erster Stelle Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit der medizinischen Notwendigkeit einzelner Behandlungsmaßnahmen. Aber auch Fragen, in denen es um die Auslegung von Versicherungsbedingungen oder die korrekte Anwendung der jeweiligen Gebührenordnungen geht, sind häufig Gegenstand eines Ombudsmannverfahrens.

Was sind die größten Herausforderungen, die Ihre Arbeit mit sich bringt?

Besonders berührend ist die Bearbeitung bei schwer kranken Personen, die voraussichtlich nicht mehr lange leben werden. Hier versuchen wir, das Ombudsmannverfahren besonders zügig abzuschließen, am besten natürlich mit einer positiven Nachricht für die Versicherten. Leider ist das nicht immer möglich.

Für den Großteil meiner Tätigkeit gilt, dass Streitschlichtung schon ein großer Wert an sich ist. Die Vermeidung von gerichtlichen Verfahren mit Kostenrisiko und zumeist auch Ärger und Stress, ist für die Versicherten der Privaten Krankenversicherung besonders bedeutsam.

Interview: Natalie Lennert

Foto: heinz-lanfermann.de

1 Kommentar

  1. Die Verbraucherzentralen und diverse Formate im TV sind die einzigen die über stark steigende Beiträge reden. Es sind wohl eher Ausnahmen wie die Central die so massiv anpassen wegen Fehlern der Vergangenheit. Die meisten sind recht stabil

    Kommentar von Jan Lanc — 9. Mai 2014 @ 18:39

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Frauen arbeiten vor der Rente immer länger

Die Dauer der gesetzlichen Rentenabsicherung vor dem Ruhestand ist bei Frauen in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen, wie neue Rentendaten zeigen, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

mehr ...

Immobilien

Das sollten private Vermieter beachten

Die meisten Wohnungen gehören in Deutschland Privatleuten. Sie vermieten meistens nur ein oder zwei Einheiten. Kleinvermieter nutzen die Immobilie häufig als Kapitalanlage oder als Finanzierungsbeitrag zum Bau des Eigenheims. Worauf es für private Vermieter ankommt.

mehr ...

Investmentfonds

Britische Staatsanleihen: Sorgen Brexit und Corona für negative Renditen?

Die anhaltende Covid-19-Pandemie und der zäh verlaufende Brexit-Prozess könnten die Renditen britischer Staatsanleihen unter die Nullgrenze bringen, kommentiert Colin Finlayson, Co-Manager des Aegon Strategic Global Bond Fund bei Aegon Asset Management.

mehr ...

Berater

Recruiting: Warum die Story stimmen muss

Vielen jungen Absolventen und Berufseinsteigern gilt die Finanzdienstleistungsbranche zu sehr als “old men network”, sie zieht es zu den vermeintlich jungen und hippen Fintechs. Bei ihren Rekrutierungsbemühungen steht sich die Branche aber auch selbst im Weg.

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin nimmt Deutsche Edelfisch DEG II ins Visier

Die Finanzaufsicht BaFin hat den hinreichend begründeten Verdacht, dass die Deutsche Edelfisch DEG GmbH & Co. II KG in Deutschland Wertpapiere in Form von Schuldverschreibungen ohne das erforderliche Wertpapier-Informationsblatt öffentlich anbietet. Im Markt der Vermögensanlagen ist das Unternehmen nicht unbekannt.

mehr ...

Recht

Berliner Verfassungsgerichtshof setzt Mietendeckel-Verfahren aus

Der Berliner Verfassungsgerichtshof hat die Prüfung des umstrittenen Mietendeckels ausgesetzt. Man wolle zunächst den Ausgang der anhängigen Verfahren dazu beim Bundesverfassungsgericht abwarten, teilte das höchste Berliner Gericht am Donnerstag mit.

mehr ...