Ungerechte Gleichheit: Auf dem Weg zur Einheitsprämie

Seit gut einem Jahr gilt das Prinzip: gleiche Prämie für alle. Die Versicherer dürfen im Neugeschäft nicht mehr zwischen Männern und Frauen unterscheiden. Cash. zieht eine Bilanz für das Unisex-Jahr 2013.

Erst jetzt zeigt sich, dass die Herkules-Leistung der Versicherungsmathematiker zugleich ein Bravourstück war.

Fast jeder Arbeitnehmer kennt das: Es gibt Monate, in denen sich die „Kampftage“ ballen und der Stresspegel in der Abteilung an den gehetzten Minen der Kollegen abzulesen ist – für Wirtschaftsprüfer ist dieser Monat traditionell der März, wenn die Berichtssaison in die heiße Phase geht.

Für Versicherungsmathematiker dürfte es der Dezember sein – zumindest, wenn man auf das Jahr 2012 zurückschaut: Bis zum 21. Dezember mussten die Aktuare die komplette Tarifwelt der Versicherer neu erfinden.

Den Stein ins Rollen brachte ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom März 2011, das Prämienunterschiede zwischen Männern und Frauen als diskriminierend einstufte und damit den Versicherern eine wichtige Säule ihrer Beitragsarchitektur zerschlug.

Lob für Leistung der Aktuare

Erst jetzt zeigt sich, dass die Herkules-Leistung der Tarif-Tüftler zugleich ein Bravourstück war – zu diesem vorläufigen Fazit kommt jedenfalls die Versicherungswirtschaft, die Verbraucherschützer sind da – wie sollte es anders sein – eher skeptisch. Aber der Reihe nach.

Zu den dankbarsten Gratulanten der Aktuare dürften die Repräsentanten des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) gehören. Denn sie können sich darüber freuen, dass ihnen die Versicherungsmathematiker einen vergleichsweise entspannten Januar 2014 beschert haben.

Unisex-Tarife: PKV
Quelle: Morgen & Morgen

Den Grund hierfür beschreibt Dr. Volker Leienbach im Grußwort des Verbandsnewsletters: Demnach zeigte eine Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M), „dass die Unternehmen der PKV die geschlechtsneutralen Unisex-Tarife treffsicher kalkuliert haben“, lobt der geschäftsführende Verbandsvorstand seine Mitglieder.

Kaum Beitragserhöhungen zum Jahreswechsel

Darüber hinaus sieht sich Leienbach durch Recherchen des Berliner „Tagesspiegels“ bei privaten Krankenversicherern bestätigt: „Für die meisten der knapp neun Millionen privat Versicherten stiegen die Beiträge zum Jahreswechsel gar nicht oder nur geringfügig. Und gut jeder Zehnte zahlt sogar weniger als zuvor“, zitiert der PKV-Manager aus dem Artikel.

So ändern sich die Zeiten: Im Januar des Jahres 2012 hätte die Lobby-Organisation große Schwierigkeiten gehabt, einen positiven Medienbericht zu finden. So war man vor allem damit beschäftigt, die Beschwerden aufgebrachter Kunden und die Anfragen aufgeregter Medienvertreter abzuarbeiten.

Seite zwei: Stabile Prämien im Neugeschäft

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