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29. August 2014, 11:24
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“Mit Leistungskürzungen ist zu rechnen”

In der Lebensversicherung sind trotz ausgesprochener Garantien, Leistungskürzungen zu erwarten, meint der Analyst Dr. Carsten Zielke, Inhaber des Beratungshauses Zielke Research Consult. Cash. sprach mit ihm über die Herausforderungen, die sich für die Assekuranz in der Kapitalanlage und speziell in der Finanzierung von Infrastrukturprojekten stellen.

Carsten Zielke: Hier in Deutschland muss man sich nur die Debatte um die Trassenleitungen oder die Probleme mit den Offshore-Anlagen ansehen, um ebenfalls zum Schluss zu kommen, das diese Projekte doch nicht risikolos sind.

“Hier in Deutschland muss man sich nur die Debatte um die Trassenleitungen oder die Probleme mit den Offshore-Anlagen ansehen, um ebenfalls zum Schluss zu kommen, das diese Projekte doch nicht risikolos sind.”

Cash.: Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Lage der Lebensversicherer in der Niedrigzinsphase und welche Bedeutung hat dabei die Reform der Bewertungsreserven, die zu einer Entlastung der Branche beiträgt?

Zielke: Die Lage für die Lebensversicherer wird mit andauernder Niedrigzinsphase zunehmend schwieriger. Die Reform der Regeln zur Verteilung von stillen Reserven auf festverzinsliche Papiere hilft nur gegen einen “Run” beziehungsweise Ansturm der Versicherungsnehmer, um die Verträge kurzfristig zu kündigen.

Mittelfristig verlieren aber die Unternehmen durch die Reduzierung ihres Anteils an den Risikogewinnen über 50 Prozent ihrer Gewinne, die sie nun nicht mehr in die Stärkung ihres Eigenkapitals stecken können. Damit wird ihnen die Möglichkeit genommen, renditeträchtiger für die Versicherungsnehmer anzulegen. Fazit: Es ist mit Leistungskürzungen in zwei bis drei Jahren trotz ausgesprochener Garantien zu rechnen.

Die Ratingagentur Assekurata beobachtet einen Trend, wonach viele Versicherer versuchen, innerhalb der Rentenanlagen das Kreditrisiko moderat zu erhöhen beziehungsweise das Bondportfolio insgesamt stärker zu diversifizieren. Wie verfolgen Sie die Entwicklung?

Wir teilen diese Beobachtung. Es ist immer vernünftig, sein Portefeuille zu diversifizieren. Bisher waren die Versicherer hauptsächlich in Bank- und öffentlichen deutschen Papieren investiert. Aufgrund von Basel III sind aber Banken dazu übergegangen, vermehrt das Kreditrisiko direkt in den Markt zu geben. Damit sinkt das Emissionsvolumen dieser Papiere und die Versicherer müssen das Kreditrisiko ebenfalls direkt und damit ungefiltert übernehmen.

Leider haben sich aber aufgrund der starken Nachfrage die Spreads sehr stark nach unten bewegt, womit dieses Risiko aus meiner Sicht derzeit nicht mehr genügend honoriert wird.

Wie wirken sich die Vorbereitungen auf das künftige Finanzregelwerk Solvency II auf die Kapitalmarktstrategien der Versicherer aus?

Solvency II ist weniger scharf gekommen als gedacht. Es geht vielmehr um Dokumentation der eingegangenen Risiken als wirklich um eine Optimierung des eingesetzten Risikokapitals, da mit den Übergangsregeln und großzügigen Zins- und Spreadannahmen Risikokapital hochgesetzt wurde. Nichtsdestotrotz werden einige Assetklassen weiterhin bevorzugt werden, wie beispielsweise Pfandbriefe beziehungsweise Covered Bonds.

Seite zwei: Finanzierung von Infrastrukturprojekten nicht risikolos

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