Pflege: Vermittler schätzen Kunden falsch ein

Versicherungsvermittlern ist laut einer aktuellen Studie oftmals nicht bewusst, dass die Angst vor Pflegebedürftigkeit die größte Sorge der Deutschen sei. Krankheit, Altersarmut oder Arbeitslosigkeit werde von den Beratern fälschlicherweise als wesentlich größere Sorgen vermutet, so die Studie.

Helmut Posch, Vorstandsvorsitzender im Continentale Versicherungsverbund: „Den Vermittlern ist nicht bewusst, in wie hohem Maße gerade die Jüngeren auf die Unterstützung der Ehepartner und Familien setzen, obwohl sie allein angesichts der hohen Scheidungsquote am wenigsten Grund zu diesem Optimismus haben.“

Gerade bei den unter 40-Jährigen, für die angesichts des demografischen Wandels eine Absicherung am meisten zu empfehlen sei, liegen Vermittler in der Einschätzung ihrer Kunden am meisten daneben, ergab die repräsentative Bevölkerungsbefragung „Continentale-Studie 2014“.

Obwohl mindestens jeder zweite der unter 40-Jährigen vor der Pflegebedürftigkeit die größte Angst habe, unterstellen Vermittler dies nur jedem sechsten, teilt der Dortmunder Versicherer Continentale mit, der die TNS-Infratest-Studie in Auftrag gab. Dass 60 Prozent der Befragten im Bereich Pflege den größten Vorsorgebedarf sehen, schätzen die Versicherungsvertreter ebenfalsch falsch ein: Sie tippen auf nur 17 Prozent.

Befragte haben Angst davor, anderen „auf der Tasche zu liegen“

Nach Angaben der Studienmacher fürchten 84 Prozent der Deutschen nichts mehr als die Pflegebedürftigkeit. Dahinter folgt die Angst vor Krankheit (79 Prozent), Altersarmut (66 Prozent), Berufsunfähigkeit (52 Prozent) und Arbeitslosigkeit (43 Prozent).

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Sollte die Pflegebedürftigkeit eintreten, haben 83 Prozent die meiste Angst davor, ihre Angehörigen persönlich zu belasten. Den Kindern finanziell auf der Tasche zu liegen, fürchten 76 Prozent. Entsprechend hoch sei die Bereitschaft der Deutschen finanziell vorzusorgen, heißt es. Allerdings: Nur etwas mehr als drei Prozent der Bürger haben eine private Pflegezusatzversicherung.

Befragte hadern mit Kosten für eine Pflegeabsicherung

Die Studienmacher führen die geringe Absicherungsquote auf die Kosten einer privaten Pflegeabsicherung zurück. So geben 58 Prozent der 1.314 befragten Personen genau dies als Grund an.

Allerdings spreche die Ausgabebereitschaft der Bevölkerung gegen diese Annahme: 74 Prozent sind bereit, mindestens zehn Euro im Monat für eine Pflegezusatzversicherung auszugeben, die Mehrheit würde bis zu 25 Euro bezahlen (siehe Grafik). „Also ungefähr die Summe, ab der eine gute Absicherung auch möglich ist“, erklären die Pflege-Experten der Continentalen.

 

Die Mehrheit der Befragten würde bis zu 25 Euro im Monat für eine Pflegezusatzversicherung bezahlen.

Seite zwei: „Ungute Mischung aus Unwissenheit, Vorurteilen und unangemessenem Optimismus“

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