5. November 2015, 09:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Studie: Risikoappetit der Versicherer steigt

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken führt dazu, dass Versicherer weltweit höhere Risiken eingehen, um ihre Gewinnmargen zu sichern. Dies ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des US-Vermögensverwalters Blackrock, an der Versicherer mit einem Vermögensbestand von insgesamt mehr als 6,5 Billionen Dollar teilgenommen haben.

Risiko in Studie: Risikoappetit der Versicherer steigt

Die Tiefstzinsen zwingen die Versicherungsgesellschaften dazu, höhere Risiken einzugehen.

Die Umfrage, welche die Economist Intelligence Unit im Auftrag von Blackrock durchgeführt hat, zeigt: Angesichts der lockeren Notenbankpolitik, niedriger Anleihenrenditen und eines schwächelnden Wirtschaftswachstums führen die QE-Programme der Notenbanken dazu, dass der Risikoappetit der Versicherer sich nahezu verdoppelt hat. So gaben 57 Prozent der Befragten an, das Risiko in ihren Anlageportfolios innerhalb der nächsten zwölf bis 24 Monate anheben zu wollen. Vor einem Jahr hatten sich 33 Prozent entsprechend geäußert.

Patrick M. Liedtke, Leiter des Asset-Management-Geschäftes mit Versicherern in Europa bei BlackRock sagt: “Versicherer bewegen sich in einem extrem herausfordernden Anlageumfeld. QE hat dazu geführt, dass die Institute deutlich mehr Risiko in Kauf nehmen als in früheren Jahren. Gleichzeitig stellt die zunehmend unterschiedliche Geldpolitik der einzelnen Notenbanken eine drohende Herausforderung für das Geschäft dar.”

Geldpolitische Herausforderungen

Versicherer wägen die kurzfristigen positive Aspekte, die von QE und der lockeren Geldpolitik ausgehen, und die unbekannten möglichen Langfristfolgen gegeneinander ab. Als Antwort auf QE und die Geldpolitik haben 49 Prozent der Befragten ihre Anlagestrategien deutlich geändert. Weitere 43 Prozent planen solche Veränderungen innerhalb der nächsten zwölf bis 24 Monate. 83 Prozent der Versicherer weltweit erwarten, dass QE und die Geldpolitik die Preise von Vermögenswerten auch in den kommenden zwei Jahren unterstützen werden. Gleichzeitig sorgen sich viele der Befragten aber auch dahingehend, dass QE und die Geldpolitik am Markt zu Ungleichgewichten geführt haben. Dies, so die Befürchtung, könne sich negativ auf die Wirtschaft auswirken und ein Umfeld schaffen, das für die Versicherer nicht nachhaltig ist.

Das anhaltende Niedrigzinsumfeld gilt bei 44 Prozent der Umfrageteilnehmer als größtes Marktrisiko, gefolgt von einem deutlichen Zinsanstieg (36 Prozent) und einer Korrektur bei den Preisen von Vermögenswerten (33 Prozent). Als Ergebnis davon will etwa die Hälfte (49 Prozent) der Befragten ihre Barbestände auf Sicht der nächsten zwölf bis 24 Monate ausbauen – auch, um mehr Raum für taktische Allokationen im Portfolio zu schaffen. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) plant, die Barbestände generell zu erhöhen. Darunter fällt auch fast die Hälfte (45 Prozent) derer, die ein höheres Portfoliorisiko eingehen wollen. “Das makroprudenzielle Bild führt dazu, dass viele gleichzeitig einen Fuß auf dem Gaspedal und einen auf der Bremse haben. Es ist keine Überraschung, dass das Fahren auf diese Art und Weise schwer fällt”, sagt Liedtke.

Alternatives ist der neue Standard

82 Prozent wollen ihre Positionen im Bereich ertragsorientierter alternativer Kreditpapiere ausbauen. Dazu gehören etwa Gewerbeimmobiliendarlehen, unverbriefte Kredite an kleine und mittelgroße Unternehmen und direkte Gewerbehypotheken – sprich Bereiche, in denen traditionell vor allem Banken agieren. Dies ist eine deutliche Entwicklung, denn traditionell sind Versicherer stark in Staatsanleihen guter und sehr guter Bonität sowie Unternehmensdarlehen investiert. In den vergangenen Jahren haben Banken sich aus dem Kreditmarkt zurückgezogen. Die Umfrage im Auftrag von Blackrock legt nahe, dass Versicherer diese Situation zumindest teilweise genutzt haben, um Darlehen für die Entwicklung von Gewerbeimmobilien und Kredite für kleine und mittelgroße Unternehmen bereitzustellen. “Versicherer wenden sich einem breiteren Sortiment an Vermögenswerten zu. Dazu gehören speziell Alternativen im Bereich ertragsorientierter Kreditpapiere wie Direktdarlehen. Damit wollen die Institute ihre Renditequellen diversifizieren und die laufenden Erträge erhöhen. Aber das ist nicht leicht, da diese Märkte traditionell nicht das Feld von Versicherern sind. Zudem gibt es regulatorische Barrieren”, sagt Liedke.

Seite zwei: Regulatorische Änderungen wie Solvency II erfordern Handeln

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Kleinlein: “Sehen in Frau von der Leyen eine Chance auf eine starke Kommissionspräsidentin”

Der Bund der Versicherten e. V. sieht die Wahl von Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin mit vorsichtigem Optimismus in Sachen Altersvorsorge. So hat Frau von der Leyen als ehemalige Bundesministerin für Arbeit und Soziales Erfahrung im Bereich Altersvorsorge.

mehr ...

Immobilien

Anstieg um 95 Prozent oder Rückgang um 19 Prozent: Hauspreise in NRW klaffen weiter auseinander

Obwohl Lennestadt und Düsseldorf nur 90 Kilometer Luftlinie trennen – bei Angebotspreisen für Häuser liegen zwischen den beiden Städten Welten. Die Schere der Immobilienpreise in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat sich in den vergangenen 5 Jahren sogar noch weiter geöffnet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von immowelt.de, in der Hauspreise der Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern in Nordrhein-Westfalen untersucht wurden.

mehr ...

Investmentfonds

Swiss Life Asset Managers stellt Weichen für Wachstum im deutschen Immobilienmarkt

Bei Swiss Life Asset Managers gibt es personelle Umstrukturierungen. Die neue Geschäftsleitung übernimmt damit die Steuerung aller Geschäftsbereiche von Swiss Life Asset Managers in Deutschland und unter Führung von Tina Störmer wird die Unternehmensstrategie für Wachstum und langfristige Wertschöpfung in Deutschland in der neu geschaffenen Holding umgesetzt.

mehr ...

Berater

Blockchain: Den Anschluss verloren

Während der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr zeigte sich, dass Deutschland momentan im viel zitierten Lieblingssport nur noch zum unteren Durchschnitt gehört. Neue Ansätze sollen die entstandene Lücke zur Weltspitze wieder schließen. Ähnlich verhält es sich im Bereich Wirtschaft: Was beispielsweise das Thema Blockchain betrifft, gilt es für die Bundesrepublik noch einiges nachzuholen. Ein Kommentar von Matthias Strauch, Vorstand der Intervista AG.

mehr ...

Sachwertanlagen

Aberdeen Standard Investments nimmt schwedische Immobilien ins Portfolio

Aberdeen Standard Investments (ASI) hat seinen paneuropäischen Wohnimmobilienfonds Aberdeen Pan-European Residential Property Fund (ASPER) SICAV-RAIF mit dem Kauf eines Portfolios neuer Wohnimmobilien in Schweden erweitert. Mit dieser jüngsten Akquisition ist das Fondsportfolio nun über sechs Länder und 27 verschiedene Anlagen diversifiziert und hat ein Vertragsvolumen von über 750 Mio. Euro erreicht.

mehr ...

Recht

Testament: Warum es bei Patchwork-Familien ein Muss ist

Stief- und Patchwork-Familien sind längst keine Seltenheit mehr, sondern für viele Menschen ist es der Alltag. Warum für diese Familienkonstellationen ein Testament unabdingbar ist. Interview mit Cornelia Rump, Fachanwältin für Erbrecht, in einem Interview mit der Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“.

mehr ...