21. Juli 2016, 18:46
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Arbeitskraft: “S-Klasse verkaufen oder gar kein Auto kein zielführender Ansatz”

Wie ist es um die Absicherung der Arbeitskraft in Deutschland bestellt? Vier Experten diskutieren über kontroverse Themen wie Annahmepolitik, Prämien und Produktvielfalt in einem lebendigen Markt.

Arbeitskraft: S-Klasse verkaufen oder gar kein Auto kein zielführender Ansatz

Vanessa Reetz, Leiterin Produktmarketing Leben, Continentale

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) gibt es in Deutschland nun schon seit mehr als 20 Jahren. Wie würden Sie die bisherige Entwicklung des “Königsprodukts” im Segment der  Einkommensabsicherung beurteilen?  Was ist positiv hervorzuheben, wo gab und gibt es Versäumnisse?

Vanessa Reetz, Leiterin Produktmarketing Leben, Continentale: Es hat sich über die Jahre sehr viel bei den Bedingungen getan – das ist sehr zu begrüßen. Anders als beispielsweise in Österreich ist unter anderem die abstrakte Verweisung hierzulande eigentlich kein Thema mehr. Hinsichtlich des Bedingungswerks gehört die BU heute sicherlich zu den ausgereiftesten Versicherungsprodukten im Markt. Zum anderen ist hervorzuheben, dass sich die Branche sehr stark auf Zielgruppen fokussiert hat, sodass maßgeschneiderte Lösungen für die jeweiligen Gruppen ermöglicht werden können. Gleichwohl kann man natürlich darüber streiten, ob diese Fokussierung manchen Zielgruppen, wie etwa Handwerkern, auch Nachteile gebracht hat, weil sich die Kollektive verändert haben und sich dadurch auch die Prämien stärker aufgespreizt haben.

Hartwig Haas, Leiter Vertrieb/Marketing, Dialog: Ich gebe Frau Reetz recht. Das Bedingungswerk ist sicherlich das, was herausragt und in den letzten Jahren herausragend weiterentwickelt wurde. Das ist ein Segen, aber in gewisser Weise auch ein Fluch, auf den wir sicherlich in der weiteren Diskussion noch zu sprechen kommen. Hervorzuheben sind aus meiner Sicht noch die Produktflexibilitäten, die wir mittlerweile den Kunden respektive den Maklern bieten können. So sind die Unternehmen heute wesentlich besser in der Lage, auf alle Lebensphasen eines Kunden einzugehen. Das halte ich für etwas sehr Positives. Auch was die Themen Antragsbearbeitung und Leistungsabwicklung angeht, haben die Versicherer im Know-how einen ganz großen Sprung nach vorn gemacht haben.

Gordon Hermanni, Leiter Key Account Management Vertrieb Leben, Zurich: Meines Erachtens ist festzustellen, dass der Preis- und Bedingungswettbewerb in der BU weitgehend ausgereizt ist. In Zukunft wird es darum gehen, noch zielgruppenorientierter zu arbeiten. Das heißt, wir als Branche müssen verstärkt Alternativdeckungen für eine preissensible Klientel anbieten. Die Frage ist schlichtweg: Welchen Schutz kann sich der Kunde am Ende leisten? Aber um nochmal auf Ihre Eingangsfrage zurückzukommen: Was sich aus meiner Sicht in den vergangenen 20 Jahren signifikant verändert hat, sind die Zusatzleistungen. Früher ging es allein darum, den Status der Berufsunfähigkeit zu erfassen. Inzwischen bieten die Versicherer löblicherweise auch Service- und Assistance-Leistungen an. Denn in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass der Kunde einen BU-Versicherer an seiner Seite hat, der ihn im Falle des Falles unterstützt – und eben nicht nur monetär.

Seite zwei: Absicherungsgrad in der Bevölkerung stagniert

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