Anzeige
29. März 2016, 06:21
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Aktuare und Solvency II: Die Architekten des Jahrhundert-Bollwerks

Die Arbeit von Versicherungsmathematikern ist für Laien oftmals schwer nachzuvollziehen. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) hat sich nun daran gemacht, eine praxisnahe Herausforderung für Aktuare am Beispiel des neuen Aufsichtsregimes Solvency II zu erklären – und geht dabei der Frage nach, wie Aktuare ihr Unternehmen für ein “200-Jahres-Ereignis” wappnen.

Aktuare und Solvency II: Die Architekten des Jahrhundert-Bollwerks

Wie sicher muss die “Bastion” Versicherungsunternehmen konstruiert sein? Die Angemessenheit des 200-Jahres-Ereignisses soll im Zuge der regulär 2018 geplanten Evaluierung der Solvency-II-Richtlinie überprüft werden.

Unter Solvency II müssen Versicherungsunternehmen so viele Eigenmittel vorhalten, dass es in den kommenden zwölf Monaten höchstens in einem von 200 Fällen (Jahren) zur Nichteinhaltung der Solvenzanforderungen kommen kann. Im Fachjargon wird entsprechend gern vom 200-Jahres-Ereignis gesprochen.

Warum gerade 200 Jahre?

Es geht darum, ein nicht alltägliches (Schock-)Ereignis zu definieren, das einen signifikanten, negativen Einfluss auf ein Unternehmen hat. Wenn eine Versicherung genügend Eigenmittel hat, um dieses seltene Ereignis zu überstehen, ist es gemäß Solvency II solvent. Die 200 Jahre sind eine Festlegung, die in der Solvency-II-Rahmenrichtlinie fixiert ist und sich unter anderem an vergleichbaren Anforderungen von Ratingagenturen orientiert. Genauso gut hätte aber auch ein 100- oder 500-Jahres-Ereignis gewählt werden können. Die Angemessenheit des 200-Jahres-Ereignisses soll im Zuge der regulär 2018 geplanten Evaluierung der Solvency-II-Richtlinie überprüft werden.

Wie kann ein 200-Jahres-Ereignis bestimmt werden?

Vorstellungskraft hilft an dieser Stelle nicht weiter. Das 200-Jahres-Ereignis ist die Übersetzung eines Sicherheitsniveaus aus der mathematischen Statistik. Wenn ein Unternehmen in einem von 200 Jahren insolvent wird, bedeutet dies umgekehrt, dass es mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5 Prozent das 200-Jahres-Ereignis übersteht. Zur Bestimmung dieses Sicherheitsniveaus kennt die mathematische Statistik die geeigneten Methoden.

Wie wird das 200-Jahres-Ereignis konkret hergeleitet?

Zur Herleitung wird nicht etwa ein singuläres Ereignis aus den vergangenen 200 Jahren herangezogen, sondern es wird sich der bereits erwähnten Übersetzung in die mathematische Statistik bedient. Auf Basis historischer Daten werden mit mathematischen Methoden Schockhöhen ermittelt, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,5 Prozent eintreten. Um verlässliche Schockhöhen zu ermitteln, werden große Datenmengen über sehr lange Zeiträume benötigt. Das ist für viele Sparten in den Versicherungen eine große Herausforderung.

Quelle: Deutsche Aktuarvereinigung, “Aktuar Aktuell”, Sonderausgabe von März 2016. Die aktuelle Publikation ist auf der DAV-Homepage als Download verfügbar.

Foto: Shutterstock

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 8/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Durchstarter Indien – Führungskräfte absichern – Bausparen – US-Immobilien


Ab dem 20. Juli im Handel.

Cash. 7/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

US-Aktien – Unfallpolicen – Altersvorsorge – Ferienimmobilien

+ Heft im Heft: Cash.Special Vermögensverwaltende Fonds

Versicherungen

AfW begrüßt neues Fördermitglied

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, hat sich der Lebensversicherer Canada Life Assurance Europe dem Kreis der Fördermitglieder des Verbands angeschlossen. Die Gesellschaft ist demnach bereits seit dem 1. Mai 2017 Förderer des AfW.

mehr ...

Immobilien

Großstädte: Bevölkerungszahlen wachsen weiter – Wohnungsmangel bleibt

Die Einwohnerzahlen in den deutschen Großstädten legen weiter zu, so das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Mittlerweile lebten fast fünf Prozent mehr Menschen dort als noch im Jahr 2010. Dies habe Konsequenzen für die Wohnungspolitik.

mehr ...

Investmentfonds

Reformen in Argentinien als Balanceakt

Auf der Suche nach attraktiven Renditen ist seit Jahresbeginn viel Geld in die Schwellenländer geflossen. Zuletzt fand eine Anleihe Argentiniens mit einer Laufzeit von 100 Jahren reißenden Absatz. Das Reformprogramm von Präsident Mauricio Macri scheint erste Früchte zu tragen. Gleichzeitig ist noch ein weiter Weg zu gehen.

mehr ...
21.07.2017

Trendwende bei Gold

Berater

Conceptif meldet Erlösplus

Die Hamburger Conceptif-Gruppe hat eigenen Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2016 von der anhaltend positiven Marktentwicklung bei privaten und gewerblichen Sachversicherungen profitiert. Demnach konnte die Gruppe deutliche Zuwächse bei den Umsatzerlösen und beim Ergebnis erzielen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Fondsbeteiligung: Was geschieht bei Tod des Anlegers?

Das durchschnittliche Alter von Fondsinvestoren ist vergleichsweise hoch. Daher sind Erbfälle mit Anteilen an geschlossenen Fonds keine Seltenheit. Was geschieht jedoch mit einer Fondsbeteiligung im Todesfalle eines Anlegers?

mehr ...

Recht

Risiko Erben: Sehr früh an sehr viel später denken

In Deutschland werden laut einer aktuellen Studie immer größere Vermögenswerte an die nächste Generation übergeben. Eine Beschäftigung mit dem Thema sollte aber nicht bis zur allerletzten Minute aufgeschoben werden.

mehr ...