Anzeige
1. August 2017, 11:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

EU-Rente – warum sie über das wirkliche Problem hinwegtäuscht

Das paneuropäischen Altersvorsorgeprodukt PEPP (Pan European Pension Product) ist ein richtiger Schritt, um mehr EU-Bürger dazu zu bringen, sich für das Alter finanziell abzusichern. Allerdings darf man nicht vergessen, dass es hier um Standardprodukte geht, die nicht für jeden Anleger gleichermaßen passen.

Gastbeitrag von Professor Dr. Rolf Tilmes, Financial Planning Standards Board Deutschland

EU-Rente – warum sie über das wirkliche Problem hinwegtäuscht

“Es wäre sinnvoller, die professionelle Finanz- und Vermögensplanung auf EU-Ebene zum Beispiel durch verbesserte Standards bei der Ausbildung zu stärken.”

Die Belastung für die gesetzlichen Rentensysteme wird immer größer, da immer mehr Rentenempfänger immer weniger Beitragszahlern gegenüberstehen. Genau aus diesem Grund werden die künftigen gesetzlichen Rentenzahlungen immer geringer ausfallen, während die private Altersvorsorge immer wichtiger wird.

Dass die Europäische Kommission darauf reagiert und mit PEPP den EU-Bürgern eine grenzüberschreitende Altersvorsorge kostengünstig und flexibel anbieten will, ist deshalb begrüßenswert. Denn laut der EU-Behörde sorgen nur 27 Prozent der Menschen in der EU zwischen 25 und 59 Jahren privat vor.

Grundsätzlich sollen Sparern in der EU künftig fünf verschiedene Anlagemöglichkeiten zur Verfügung stehen, die unter anderem von Versicherungen, Banken, Vermögensverwaltern und betrieblichen Pensionskassen angeboten werden dürfen. Die PEPP-Produkte sollen EU-weit standardisiert sein, so dass Anleger, die innerhalb der Union umziehen, diese ohne Abschläge oder größere Formalitäten mitnehmen können.

Gute Idee mit fragwürdiger Wirkung

Auch ist das eingezahlte Kapital garantiert. Zudem sollen Anleger alle fünf Jahre den Anbieter zu begrenzten Kosten wechseln dürfen. Und schließlich sollen sie den nationalen Vorsorgeprodukten in steuerlicher Hinsicht gleichgestellt werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass dadurch die Zahl der Menschen in der EU steigt, die mit der privaten Altersvorsorge beginnen.

Allerdings ist zu befürchten, dass viele Anleger weiterhin auf Beratung verzichten und in ein solches Produkt dann investieren, ohne zu hinterfragen, was genau sich dahinter verbirgt und ob es tatsächlich zu ihren individuellen Bedürfnissen passt. Die Gefahr: Anleger gehen damit unter Umständen Risiken ein, die sie nicht kennen und möglicherweise nicht tragen können und übernehmen wollen.

Individuell angepasster Bedarf sollte im Mittelpunkt stehen

Der umgekehrte Weg ist jedoch stets der bessere: Zuallererst muss es immer darum gehen, eine vernünftige, individuell passende Allokation zu erarbeiten, erst dann sollten Anleger nach passenden Produkten suchen. Das können unabhängige professionelle Finanzplaner, wie die vom FPSB zertifizierten CFP-Finanzplaner leisten. Sie haben hierfür die entsprechende Ausbildung und die richtigen Werkzeuge.

Es wäre deshalb sinnvoller, die professionelle Finanz- und Vermögensplanung auf EU-Ebene zum Beispiel durch verbesserte Standards bei der Ausbildung zu stärken. Ebenso sollte innerhalb eines europäischen Kontextes die interessensfreie Beratung in den Vordergrund gestellt werden.

Damit könnte das Vertrauen in die Branche verbessert werden und mehr Menschen wären dann vermutlich bereit, sich von Finanzprofis Schwachstellen in ihrer Gesamtvermögenssituation aufzeigen und eine individuell passende Vermögensstrategie gestalten zu lassen. Passt dazu dann ein PEPP-Produkt, dann können Anleger investieren.

Prof. Dr. Rolf Tilmes ist Vorstandsvorsitzender des FPSB Deutschland und wissenschaftlicher Leiter des PFI Private Instituts an der EBS Finanzakademie/EBS Business School.

Foto: EBS

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 09/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

PKV – Nachhaltige Geldanlage – Wohnen auf Zeit – Hitliste der Maklerpools

Ab dem 16. August im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Morgen & Morgen analysiert Krankentageldtarife: Nur drei “Ausgezeichnet”

Das unabhängige Analysehaus Morgen & Morgen hat sich erstmals die Bedingungswerke der Krankentagegeldtarife vorgenommen. Untersucht wurden 90 Tarife von 32 Anbietern. Ernüchterndes Ergebnis: Lediglich die sechs Tarife der drei Anbieter Barmenia, Concordia und Deutsche Familienversicherung erhielten eine Fünf-Sterne-Bewertung. Dagegen kamen 57 Tarife nicht über drei Sterne hinaus.

mehr ...

Immobilien

LEG Immobilien erwirbt 3.750 Wohnungen in Nordrhein-Westfalen

Der Immobilienkonzern LEG kauft weiter zu. Wie das im M-Dax notierte Unternehmen am Dienstag mitteilte, wird es 3.750 Wohnungen in Nordrhein-Westfalen vom Konkurrenten Vivawest übernehmen.

mehr ...

Investmentfonds

Factor Investing: Value ist immer auch Growth

Zum Stichwort Value fällt wohl als erstes der Name Warren Buffett. Factor-Investing-Strategien gehen jedoch anders vor. Was ist Value-Investing eigentlich und wo lauern die Fallen? Teil drei der Cash.-Online Reihe zum Thema Factor Investing. Gastbeitrag von Alexandra Morris, Skagen Funds.

mehr ...

Berater

Bankberater genießen hohes Vertrauen

Junge Bundesbürger zeigen beim Thema Geldanlage trotz Online-Affinität und großem Informationsangebot im Internet ein starkes Bedürfnis nach persönlicher Beratung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Postbank-Studie, für die 3.100 Personen befragt wurden.

mehr ...

Sachwertanlagen

Publity kauft in Schwaben zu

Die Leipziger Publity AG hat eine vollvermietete Büroimmobilie in Sindelfingen bei Stuttgart erworben. Das Multi-Tenant-Objekt wurde im Jahr 1992 erbaut und verfügt über insgesamt knapp 6.500 Quadratmeter Mietfläche.

mehr ...

Recht

Bauern müssen bei Rentenbeginn Hof nicht abgeben

Landwirte dürfen vom Staat nicht dazu verpflichtet werden, bei Renteneintritt ihren Hof abzugeben. Dies sei verfassungswidrig, entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss vom 23. Mai über zwei Verfassungsbeschwerden.

mehr ...