17. August 2018, 11:27
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Assekuranz 4.0: Wie der Sprung in die Zukunft gelingt

In zehn bis fünfzehn Jahren wird die Branche kaum wiederzuerkennen sein. Welche Änderungen und Herausforderungen auf die einzelnen Geschäftsbereiche jetzt zukommen.

Gastbeitrag von Dr. Holger Rommel, Adcubum AG und Vincent Wolff-Marting, Versicherungsforen Leipzig

Assekuranz 4.0: Wie der Sprung in die Zukunft gelingt

Holger Rommel, Adcubum: “Durch die Digitalisierung werden auf längere Sicht gänzlich neue Geschäftsmodelle entstehen.”

Schon lange wird in der Versicherungsbranche über die Digitalisierung ausführlich diskutiert. Doch während dieser fortschreitende Prozess, der auch Industrie 4.0 genannt wird, andere Branchen schon spürbar verändert hat, blieb in der Assekuranz bislang fast alles beim Alten.

Zwar schießen so genannte Insurtechs wie Pilze aus dem Boden und erfinden die Branche technologisch neu. Da die meisten von ihnen sich jedoch nur auf Teillösungen für das Geschäftsmodell Versicherung konzentrieren, sehen etablierte Anbieter in ihnen inzwischen eher Kooperationspartner, von denen man Leistungen zukauft, statt echte Konkurrenten.

Einige Insurtechs bieten seit kurzem nun aber auch selber Versicherungen an und werden so doch zu Wettbewerbern. Sie machen ihre Produkte von vorherein onlinefähig und haben damit deutliche Kostenvorteile. Dass dies den Druck auf etablierte Anbieter weiter erhöht, ist klar.

Gänzlich neue Geschäftsmodelle

Der Weg zum digitalen Versicherer wird der Versicherungsbranche einschneidende Veränderungen abverlangen. Das zeigt die aktuelle Studie “Assekuranz 4.0 – Versicherungen im digitalen Dreieck“, die der Softwarehersteller Adcubum zusammen mit den Versicherungsforen Leipzig ausgearbeitet hat.

Die Studie stützt sich auf die Analyse relevanter Zukunftstrends, aktuelle technologische Best Practices sowie auf die Befragung von Versicherungsvorständen und Experten für die digitale Transformation hin zur Assekuranz 4.0.

Durch die Digitalisierung werden auf längere Sicht gänzlich neue Geschäftsmodelle entstehen. Betroffen von Veränderungen sind alle großen Geschäftsbereiche eines Versicherers, also Produktentwicklung, Vertrieb, Schaden- und Leistungsmanagement sowie Betriebs- und Kundenservice.

Mehr individualisierte Versicherungsprodukte

Hier werden sämtliche Prozesse künftig stärker datenbasiert, aber auch automatisiert ablaufen. Erste Anwendungsbeispiele sind bereits Realität und deuten an, worauf sich Versicherer, Kunden, Vertriebspartner und die eigenen Mitarbeiter künftig einstellen müssen.

Derzeit ist die Entwicklung von Versicherungsprodukten ein langwieriger, analoger Prozess. Das Ergebnis sind in der Regel Standardtarife mit wenigen Ausprägungen. Schon in naher Zukunft wird es jedoch mehr individualisierbare Produkte geben.

Der Versicherer stellt dafür möglichst kleinteilige Module zur Verfügung, die sich der Kunde für den individuellen Bedarf zusammenstellen kann. In fernerer Zukunft wird es dann keine Module mehr geben, sondern kontinuierliche Risikomengen, aus denen das System unendlich viele Produktvarianten herstellen kann.

Versicherungsschutz gemäß dem Lebensrisiko

Die für den Kunden passende Variante wird dann ad hoc zusammengestellt und mit einem konkreten Preis versehen. Denkbar sind auch Produkte, die das individuelle Verhalten absichern.

Die dazu erforderlichen Daten werden zum Beispiel mit Hilfe von Sensoren erhoben, die man mit sich führt oder die mit dem versicherten Objekt verbunden sind.

Der Versicherungsschutz basiert dann auf dem persönlichen Lebensrisiko. Erste kleinere Ansätze in dieser Richtung existieren bislang in Form von Telematik-Tarifen in der Kfz-Versicherung und so genannten Pay-as-you-live-Modellen.

Seite zwei: Mehrheit würde Versicherung online abschließen

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



 

Versicherungen

DIA: Rentenkommission steht mit leeren Händen da

„Aufgabe nicht erfüllt. Dieses knappe Fazit müsste die Rentenkommission heute bei der Vorstellung ihrer Ergebnisse ziehen, wenn sie ehrlich wäre“, erklärte Klaus Morgenstern, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).

mehr ...

Immobilien

Wichtige Schutzmaßnahmen für Kleinvermieter und kleine Immobilienunternehmen fehlen noch

„Die Kündigungsschutzmaßnahmen für Mieter sind wichtig und richtig. Gleichwohl darf die Rettung der Mieter nicht bei den Vermietern abgeladen werden. Der Kleinvermieterschutz kommt derzeit zu kurz. Private Kleinvermieter dürfen nicht zu den großen Verlierern der Hilfsmaßnahmen in der Corona-Krise werden.“ Das sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes Deutschland IVD, heute nach der Verabschiedung des umfangreichen Corona-Hilfspakets im Bundesrat.

mehr ...

Investmentfonds

Ein goldenes Jahrzehnt für Gold

Viel wurde in den letzten Monaten über die goldenen Zwanziger Jahre geschrieben. In den Börsenzeitungen und Anlegermagazinen überschlugen sich die Vergleiche zur Situation von heute und den 1920er Jahren. Die Bröning-Kolumne

mehr ...

Berater

AfW bietet Übersicht zu Corona-Fördermitteln

Die Bundesregierung hat ein umfangreiches Hilfspaket für Unternehmer zusammengestellt, um die Folgen der Coronakrise zumindest abzumildern. Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung gibt nun allen Vermittlern eine Übersicht über mögliche Fördermöglichkeiten.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lloyd Fonds beendet weiteren Holland-Fonds mit Gesamtüberschuss

Die Lloyd Fonds Gruppe hat im März 2020 ein Fondsobjekt in Utrecht an einen französischen institutionellen Investor verkauft. Das teilt das Unternehmen anlässlich der Vorlage des Geschäftsberichts 2019 mit. Die BaFin erteilte zudem eine weitere KWG-Zulassung. Die Hauptversammlung wird wegen Corona verschoben.

mehr ...

Recht

EuGH: Widerrufsrecht im Darlehensvertrag muss klar formuliert sein

Darlehensverträge müssen klare und für Verbraucher verständliche Hinweise auf den Beginn von Widerspruchsfristen enthalten. Dies hat der Europäische Gerichtshof am Donnerstag zu einem Fall aus Deutschland klargestellt (Rechtssache C-66/19).

mehr ...