Moody’s sieht Lebensversicherer unter Druck

Die niedrigen Zinsen machen den Solvenzquoten der Lebensversicherern immer mehr zu schaffen. Das zeigte sich bei der Präsentation des aktuellen Marktausblicks zur Lebensversicherungsbranche durch die Ratingagentur Moody’s.

 

Einst lag der Garantiezins bei vier Prozent. Seit dem Jahrtausendwechsel gibt nur einen Trend. Und der geht nach unten. Die Niedrigzinspolitik der EZB macht den Versicherern immer mehr zu schaffen.

 

Demnach sieht die Ratingagentur auf die 84 deutschen Lebensversicherer immer größere Risiken zukommen – wenn sich am Zinsniveau nichts verändert. “Für die Bonität der deutschen Lebensversicherer bleiben die niedrigen Zinsen eine zentrale Herausforderung, da ihre Anlageportfolios größtenteils aus Rentenpapieren bestehen“, sagt Studienleiter Dominic Simpson, gegenüber dem „Handelsblatt (HB)“. Lange Zeit hätten die Versicherer die Probleme umgehen können, da sie sich in früheren Jahren mit höher verzinsten Staatspapieren eingedeckt hätten.

Diese würden nun zunehmend auslaufen. Problem ist, dass neue Staatsanleihen längst nicht mehr das Zinsniveau früherer Papiere erreichen. Selbst ein Zinsanstieg würde die Differenz nicht auffangen können. Zwar steigen immer mehr Versicherer auf klassischen Lebensversicherungsgeschäft auf und bieten Index- beziehungsweise Fondspolicen an. Aber: nach wie vor sind 80 Prozent der Lebensversicherungen Garantieprodukte – mit Garantien zwischen 2,5 und 3,5 Prozent.

Solvenzquoten nur dank Übergangsmaßnahmen hoch

Auch der Chef der Europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa, Gabriel Bernadino, will laut HB nicht mehr ausschließen, dass Versicherer in Schwierigkeiten geraten könnte. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft verweist in der Diskussion auf die hohen Solvenzquoten von 382 Prozent und betont, dass die Branche besser dastünde, als 2016. Für die Ratingagentur liegt das Problem aber darin, dass viele Versicherer für die Darstellung dieser Solvenzquoten Übergangsmaßnahmen heranziehen.

Würden diese herausgerechnet, läge die Branche nämlich nur noch bei einer Solvenzquote von rund 250 Prozent – mit fallender Tendenz. Derzeit prüft die BaFin laut dem Bericht bei rund einem Drittel der Lebensversicherer Pläne zur Aufstockung des Solvenzkapitals. (dr)

Foto: Shutterstock

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