8. August 2018, 15:38
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Unbeliebte Rente – ifa analysiert Nutzen und Akzeptanz lebenslanger Rentenzahlungen

Wird eine private Rentenversicherung fällig, entscheiden sich zwei Drittel der Deutschen für eine einmalige Kapitalzahlung und gegen eine eine lebenslange Rentenzahlung. Warum das so ist, hat das ifa in Ulm untersucht und nun eine Studie hierzu vorgestellt.

 

Ru Ifa in Unbeliebte Rente – ifa analysiert Nutzen und Akzeptanz lebenslanger Rentenzahlungen

Prof. Jochen Ruß ist Geschäftsführer der ifa in Ulm und Mitautor der neuen Studie, die den Nutzen und die Akzeptanz lebenslanger Rentenzahlungen untersucht hat.

 

Unter dem Titel „Bedarfsgerecht, aber unbeliebt – Nutzen und Akzeptanz der lebenslangen Rente“ hat der Geschäftsführer des ifa, Prof. Dr. Jochen Ruß zusammen mit seinem Kollegen Stefan Schelling von der Universität Ulm untersucht, unter welchen Umständen eine Verrentung des angesparten Geldes sinnvoll ist und warum sich viele Menschen rational falsch entscheiden.

Eine Erkenntnis: Die Bereitschaft zur Verrentung scheint abhängig vom jeweiligen Lebensstandard: Insbesondere Menschen mit mittlerem Lebensstandard würden weniger verrenten, so die Autoren. Weshalb in vielen Ländern – darunter auch Deutschland – „zu wenig“ verrentet wird, könne nur unter Einbeziehung verhaltensökonomischer Aspekte erklärt werden, so die Studienautoren weiter.

Rente für viele ein Investment aber keine Altersvorsorge

Eine besonders große Rolle spiele zudem, dass viele Menschen die Rente als Investment und nicht als Altersvorsorgevermögen zur Absicherung des Lebensstandards betrachten. Dazu wird in der Studie erstmals eine wissenschaftlich fundierte Erklärung für den oft beobachteten Effekt geliefert, dass die Akzeptanz der Verrentung deutlich steigt, wenn sie sachgerecht als Absicherung des Lebensstandards betrachtet wird. Das heißt: Wer weiß, dass die private Rente zur Sicherung des gewünschten Lebensstandard im Alter benötigt wird, geht mit dem Ersparten anders um.

Die Studie zeigt darüber hinaus auf, mit welchen Maßnahmen die Akzeptanz der lebenslangen Rente erhöht werden könnte: Als erstes nennen die Autoren die Produktgestaltung. Es gebe zahlreiche kapitalgedeckte Rentenversicherungen, welche die zentralen Eigenschaften „Sicherung des Lebensstandards“ und „Vermeidung von Altersarmut durch lebenslanges Einkommen“ bewahren und gleichzeitig durch zusätzliche Produkteigenschaften für einen größeren Kreis an Menschen attraktiv sein können.

Wir leben länger als wir denken

Zweitens gelte es, die Denkfehler hinsichtlich der Lebenserwartung und lebenslanger Rente zu überwinden. Hier scheint nach Meinung der Autoren eine aktive Aufklärung über die realistische Lebenserwartungen, dringend geboten. Drittens können ökonomische Anreize wie Steuervorteile im Falle der Verrentung dazu beitragen, das Verhalten positiv zu beeinflussen.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass im Bezug auf Produkte, deren Gestaltung und dem Setzen von Anreizen bereits viel geschehen sei. Hinsichtlich der Präsentation der Produkte bestehe dagegen noch erhebliches Potenzial. Zudem sei auch das Bewusstsein über die steigende Lebenserwartung in vielen Köpfen immer noch nicht angekommen. (dr)

10 Kommentare

  1. Zu Beginn seines Kommentars hat Herr Brönjes Recht. Nur dann vergisst er zwischen voller Steuerpflicht von geförderten Verträgen und zum Ertragsanteil von nicht geförderten Verträgen zu unterscheiden. Aus Angst sein angespartes Kapital durch vorzeitigen Tod nicht mehr zurück zu bekommen, werden Kapitalleistungen gewählt. Das kann man bei Verträgen, die zum Halbeinkünfteverfahren versteuert werden verstehen. Was nützt aber eine Kapitalzahlung bei voll steuerpflichtigen Verträgen die gefördert waren? Der Steuersatz ist schnell am Limit. So hoch kann keine vorherige Steuerersparnis gewesen sein um das auszugleichen. Hier ist wohl die Rente klarer Favorit, aber mit entsprechender Garantiezeit. Die, wenn auch geringe, jährliche Steigerung der Rente summiert sich dann in ca. 15 bis 17 Jahren mindestens zur bei Beginn der Rentenzahlung angesammelten Summe auf. Wenn neu geborene Mädchen heute schon eine Lebenserwartung von 100 Jahren haben lohnt das doch immer, oder? Wer eine Rentenversicherung kapitalisiert hat sollte, falls vorher verbraucht, keinen Anspruch auf Grundsicherung haben. Ade Konsum.

    Kommentar von Rolf-Peter Falk — 10. August 2018 @ 19:49

  2. Herr Strassnig, Derjenige, der als Gutverdiener/Pensionär einen Steuersatz von 9 Prozent hat, darf sich glücklich schätzen. Den haben aber die wenigsten. Unsere Bekannten – beide Pensionäre – zahlen sich (Entschuldigung, wenn ich das so drastisch formuliere) dumm und dusselig an Steuern, weil sie nichts zum “Absetzen” haben … Die haben auch – vernünftiger Weise – einer Kapital-Verrentung nicht zugestimmt.

    Im übrigen habe ich das Gefühl, dass Sie “ihren Gutverdienenden” eine überlegenswerte Alternative anbieten wollen und/oder auch können, wir beide aber aneinander vorbei reden, weil ich “nur” der Meinung bin, dass es sich bei Ihrer Zielgruppe nicht um eine größere Mehrheit handelt, die auch in diesem Sinne vorgeht. Mit Gruß
    Rolf Kischkat

    Kommentar von Rolf Kischkat — 10. August 2018 @ 16:06

  3. Wie wäre es mal mit dem Thema Rentengarantiezeit und Steuerfreiheit bei Einmalauszahlung (ich gehe davon aus, dass dies die meisten Verträge betrifft, die hier untersucht wurden).

    Kommentar von michael dengler — 10. August 2018 @ 12:49

  4. Meine Erfahrung ist, dass sich die meisten Leistungsempfänger überhaupt nicht so viele Gedanken über Steuervor -oder Nachteile o.ä. für den Rentenbezug machen. Die sehen einfach nur den Geldbetrag, bekommen leuchtende Augen und wollen das Geld für im Kopf schon festgelegte Dinge (Auto, Reise, Schulden, Ausbildung Kind…) ausgeben. In aller Regel steht aber keine Sicherung des Lebensabends im Vordergrund, sondern der Konsum oder die Vererbung. Selbst als Berater hat man es schwer, diesen festgelegten Konsumwunsch wegzuargumentieren (sofern sinnvoll).

    Kommentar von Hronimi — 10. August 2018 @ 08:37

  5. Kischkat Weshalb bei Gutverdienern ein maximaler Steuersatz von 9% schlecht sein soll, verstehe ich beim besten Willen nicht.
    Sie kennen bestimmt steuerfreie Anlagen- bitte um Infos! Man lernt ja nie aus.

    Kommentar von Wilfried Strassnig — 9. August 2018 @ 23:14

  6. Antwort zu Herrn Strassnig,
    Ihre Kompetenz habe ich mit keinem Wort in Frage gestellt; ich habe lediglich eine andere Beurteilung und Einschätzung der Behauptung “Gutverdiener werden eher, bei normaler Beratung, die Rente wählen” abgegeben und dargelegt aus welchen Gründen. Selbstverständlich ist bei niedrig(er)en gesetzlichen Renten, Mietzahlungen usw. die Lebensstandard-Sicherung oberstes Gebot und in diesem Umfeld die lebenslange Rente die alternativlose Wahl. Okay?

    Kommentar von Rolf Kischkat — 9. August 2018 @ 22:27

  7. Zu Hr. Kischkat,
    gehen Sie davon aus das ich mich bestens in allen Fragen zum Thema auskenne. Nach 40 Jahren in der Branche und aktuell in den letzten 2 Jahren mit vielen Entscheidern in Banken und Versicherungen bzw Top Leuten im Fondsbereich persönlich gesprochen. Um Ihre Situation zu beurteilen, muß ich Ihren Vertrag kennen. Sie können mich ja kurz, auch abends anrufen.

    Kommentar von Wilfried Strassnig — 9. August 2018 @ 18:55

  8. Leider liegen Sie falsch, Herr Strassnig! Gutverdiener haben in der Regel eine höhere gesetzliche Rente, die schon entsprechend zu versteuern ist. Eine weitere private Rente erhöht den Steuersatz noch einmal; da macht es keinen Sinn zu verrenten. In vielen Fällen wohnen die ehemals gut Verdienenden auch im Eigentum, da entfällt die Kaltmiete im Alter. Ich gehörte nicht zu den gut Verdienenden, schaffte es aber zum jetzt Schulden freien Eigentum und entscheide mich im Dezember ebenfalls für die Kapital-Auszahlung.

    Kommentar von Rolf Kischkat — 9. August 2018 @ 15:55

  9. Der Berechnung von Hr. Brönjes kann ich nicht folgen, da diese sich mit Sicherheit, wie immer auch beim Verbraucherschutz-natürlich immer unter Nichtberücksichtigung von Steuervorteilen, nur auf die garantierte Rente bezieht. Diverse Steuerfaktoren müssten ebenfalls betrachtet werden.
    Die Umfrage zielt wohl eher auf LV Kunden, da bei der Rentenversicherung üblicherweise hauptsächlich immer von Rente die Rede ist.
    Ich bin überzeugt davon, dass mindestens die Hälfte damit Kredite ausgleicht. Im Hinterkopf weiß fast jeder, dass er für das Alter wahrscheinlich zu wenig hat. Gutverdiener werden eher, bei normaler Beratung, die Rente wählen.
    Die Frage bei der Erfassung “wofür verwenden Sie das Geld und wieviel davon wären Sie bereit für den Lebensstandard im Ruhestand zurückzulegen?”, wäre natürlich hilfreich.

    Kommentar von Wilfried Strassnig — 9. August 2018 @ 14:25

  10. Ich weiß nicht, was die IFA untersucht hat und aus welcher “Versorgungsschicht” die zu zahlenden Renten stammen sollen. Schon deswegen ist dieser Artikel nicht professionell. Stammen die Renten aus einer geförderten Schicht, z. B. Basis-, Riester- oder betriebliche Altersversorgung, dann müssen die Renten zusammen mit den anderen Einnahmen nach § 22 EStG vollständig versteuert werden. Hier liegt das Problem! Der Versorgungsberechtigte bekommt sein angespartes Kapital ab dem 65. oder 67. Lebensjahr in Rentenraten ausgezahlt die vielleicht bestenfalls ein 250stel oder häufig ein 350stel oder sogar weniger seines angesparten Kapitals entsprechen. Er müsste also 20 oder sogar 30 Jahre Rentenleistungen erhalten bis sein Kapital über Rentenraten an ihn zurückgeflossen ist. Dann ist er Anfang 90 oder Anfang 100 Jahre alt und das stimmt nur, wenn er keine Steuern und keine etwaigen Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (bAV) bezahlt. Na, Herr Professor, da nimmt doch die Rente und nicht das Kapital, oder?

    Kommentar von Frank Brönjes — 9. August 2018 @ 13:33

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