VGH: Bilanz mit Licht und Schatten

Die schwierige Lage auf dem Markt für Lebensversicherungen hat auch Niedersachsens größte öffentliche-rechtliche Versicherungsgruppe VGH 2017 belastet. Die Beitragseinnahmen der Gruppe sanken im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent auf rund 2,21 Milliarden Euro – in der Sparte Lebensversicherungen einschließlich Pensionskasse gab es einen Rückgang um 11,4 Prozent auf 687 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte.

VGH Vorstandsvorsitzender Hermann Kasten (3.v.l) zeigt sich trotz Rückgang im Lebenbereich zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr. (V.l. Dr. Ulrich Knemeyer, Thomas Vorholt, Hermann Kasten, Frank Müller, Jörg Sinner, Manfred Schnieders)

Wie bei anderen Versicherern, ist auch bei der VGH-Tochter Provinzial Lebensversicherung vor allem das Geschäft gegen Einmalbeitrag, das überwiegend als Rentenversicherung abgeschlossen werde, deutlich rückläufig. Trotz etwa der Niedrigzinsen am Kapitalmarkt ist allerdings ein Ausstieg – der so genannte Run-off – „kein Thema“, betonte Vorstandschef Hermann Kasten.

Deutliches Minus bei Einmalbeiträgen

Der Rückgang der Einnahmen der Provinzial Leben aus laufenden Beiträgen fiel den Angaben zufolge mit 472 Millionen Euro geringer aus – das Minus im Vergleich zum Vorjahr lag hier bei 1,6 Prozent. Die Zahl der Vertragskündigungen bleibe niedrig, die Stornoquote habe mit 3,2 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht. Die Kapitalanlage der Provinzial Leben wuchs von 8,41 auf 8,75 Milliarden Euro. Die Nettoverzinsung ging von fünf auf 4,6 Prozent zurück.

Combined Ratio deutlich gesunken

Die für Schaden- und Unfallversicherung zuständige Brandkasse nahm im vergangenen Jahr rund 1,16 Milliarden Euro an Beiträgen ein – etwa ein Prozent mehr als 2016. Gleichzeitig sei der Schadenaufwand geringer ausgefallen als veranschlagt: zwar hätten Unwetter wie sommerliche Starkregen und Herbststürme doppelt so viel wie in einem durchschnittlichen Schadenjahr gekostet, dafür sei aber etwa die Belastung aus Großbränden stark gesunken. Zudem schlugen auch Kfz- und schwere Personenschäden in der Bilanz 2017 deutlich geringer zu Buche. Insgesamt musste die Sparte 788 (2016: 782) Millionen Euro für Schäden aufbringen. Gesunken ist die Schaden-Kosten-Quote. Mit 88,3 Prozent lag die Combined-Ratio niedriger als im Vorjahr (90,1) und ist laut VGH die niedrigste sei neun Jahren.

Krankenversicherer legen zu

Wie auf Schienen laufe dagegen die private Krankenversicherung, so Kasten. Die zur Versicherungsgruppe gehörenden beiden Krankenversicherer konnten 2017 ihre Beitragseinnahmen ausbauen und auch auf Personenebene wachsen. Zum Jahresende lag der Versichertenbestand beider Unternehmen bei 329.459 Personen, ein Plus von 2.464 Versicherten. Die Beitragseinnahmen stiegen von 290 auf 300 Millionen Euro. Der Rohüberschuss erreicht mit 48,7 Millionen Euro praktisch Vorjahresniveau (49 Millionen Euro).

Im Zuge der Digitalisierung investiert die VGH verstärkt in Kooperation. Als Beispiel nannte Kasten die Mitarbeit im 2017 gegründeten „Insurlab Germany“, dass Versicherer mit Start-Ups aus dem Insurtech-Sektor zusammenbringt. Zudem soll die im vergangenen Jahr gegründete VGH-Unternehmenseinheit „Future X“ als branchen- und unternehmensübergreifende Dialogplattform die vernetzte Entwicklung von Zukunftsthemen vorantreiben.

Sämtliche Digitalisierungsvorhaben zielten, so Kasten, darauf ab, die Vertriebspartner in ihrer Arbeit zu unterstützen, sowie dem Informations- und Kommunikationsbedürfnis der Kunden und deren Serviceerwartung auch digital gerecht zu werden.

Zur VGH-Gruppe mit rund 1,9 Millionen Kunden gehören die Landschaftliche Brandkasse, die Provinzial Lebensversicherung Hannover und die Krankenversicherungsgruppe. Dazu kommen Unternehmen und Beteiligungen in Bremen und Oldenburg. (dpa-AFX/dr) Foto: VGH, Patrice Kunte

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