Anzeige
18. Juli 2018, 13:17
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Zinszusatzreserve: “Korridormethode bringt zehn Milliarden Euro Entlastung – allein 2018“

Die Kölner Rating-Agentur Assekurata kritisiert in ihrem diesjährigen Marktausblick zur Lebensversicherung 2018 erneut die gegenwärtige Berechnungsmethodik zum Aufbau der Zinszusatzreserve (ZZR) und mahnt eine Umstellung auf die Korridormethode an. Diese war von der deutschen Aktuarvereinigung (DAV) in Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erarbeitet worden.

Foto-Lars-Heermann4 300dpi CMYK 1 in Zinszusatzreserve: Korridormethode bringt zehn Milliarden Euro Entlastung – allein 2018“

Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse bei Assekurata und Mitautor der Untersuchung.

Ziel der ZZR sei, die langfristige Erfüllbarkeit der Garantieversprechen der Lebensversicherer. Seit Einführung im Jahr 2011 habe die Branche knapp 60 Milliarden Euro zugeführt, so Assekurata. Mit der Folge, dass die finanzielle Leistungsfähigkeit der Lebensversicherer gestiegen ist, künftig auch bei schwierigen Zinsverhältnissen sämtliche Leistungsansprüche ihrer Kunden bedienen können. Mittlerweile drohen die Zahlungen allerdings die Unternehmen über Gebühr zu belasten.

Verdreifachung des Volumens

Derzeit orientieren sich die jährlichen Zuführungen an einem Zins, der rückblickend viel schneller gesunken ist als die Experten ursprünglich in ihren Szenariorechnungen erwartet hatten. „Ohne Änderung der Berechnungsmethodik würde sich das bisherige ZZR-Volumen selbst bei konstantem Zinsverlauf in den kommenden Jahren bis 2023 nahezu verdreifachen“, mahnt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata.

In der Breite wären die ZZR-Anforderungen nur mit großer Mühe zu stemmen und würden die Überschussdeklarationen der Kunden überproportional unter Druck setzen, so Heermann weiter. Daher sei der Vorschlag des Finanzministeriums zu begrüßen, der auf eine Änderung der ZZR-Berechnung abzielt, um den Reserveaufbau über die Zeit gleichmäßiger zu verteilen.

Entlastung durch Korridormethode

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) hat in Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine neue Formel für die ZZR, die so genannte „Korridormethode“, erarbeitet. Diese soll große Sprünge bei der ZZR-Bildung verhindern sowie ihre Finanzierung weitestmöglich aus den laufenden Erträgen ermöglichen und nicht, wie aktuell von den Unternehmen praktiziert, durch die Auflösung von Bewertungsreserven der Kapitalanlagen.

Die Unterschiede zwischen dem bestehenden Verfahren und der Korridormethode hat Assekurata nun durchgerechnet. Unter Beibehaltung der bestehenden Methodik würde der Referenzzins 2018 von 2,21 Prozent (2017) auf circa 1,9 Prozent sinken. Demgegenüber fällt er nach der Korridormethode deutlich geringer auf lediglich 2,10 Prozent ab.

Zehn Milliarden Euro

„Für die gesamte Lebensversicherungsbranche würde die Korridormethode allein für 2018 eine Entlastung von ungefähr zehn Milliarden Euro bedeuten“, erklärt Thomas Keßling, Fachkoordinator Lebensversicherung und Mitautor der Studie.

„Für die Unternehmen ist zudem der Einführungszeitpunkt dieser neuen Berechnungsformel von hoher Bedeutung, da das Verfahren möglichst bereits für den Jahresabschluss 2018 angewendet und die Reservepolitik entsprechend ausgerichtet werden soll. Denn mit einer Verfahrungsumstellung würde sich nach unseren Berechnungen die Renditeanforderung aus der Kapitalanlage marktweit für 2018 um mehr als 100 Basispunkte reduzieren, wodurch die Kollektive spürbar entlastet würden.“

Die Hoffnung dazu scheint berechtigt, denn laut BMF-Evaluierungsbericht soll eine entsprechende Änderung der Deckungsrückstellungsverordnung schon in diesem Jahr vorgenommen werden. Unter Anwendung der Korridormethode hätten die Lebensversicherer 2018 nach Schätzungen von Assekurata Zuführungen von insgesamt sieben bis acht Milliarden Euro zu leisten, was branchenweit noch immer ungefähr der Hälfte des bilanziellen Eigenkapitals entspricht und eine entsprechende Ertragskraft voraussetzt.

Korrektur der Berechnungsmethodik

Ein Folge des Korridormethode ist, dass dass der weitere Aufbau der ZZR in den Jahren nach 2018 in Folge des langsameren Absinkens des Referenzzinses deutlicher flacher verläuft. „Damit würde sich der bisher angenommene Höchststand an ZZR von rund 150 Milliarden Euro im Jahr 2023 zeitlich viel weiter nach hinten verschieben“, prognostiziert Keßling. „Die Methodenänderung entfaltet damit die gewünschte Glättungswirkung, nimmt die Versicherer aber nicht aus der Verantwortung, langfristige Zinsvorsorge zu betreiben.“

Drastische Folgen eines Zinsanstiegs

Eine weitere Wirkung der Korridor-Methode sei, so Assekurata, dass der Nachlaufeffekt bei steigenden Zinsen gedämpft werde. Bei der bestehenden Methodik droht nämlich Gefahr, dass selbst bei einem positiven Marktzinsenniveau von zwei Prozent der ZZR-Aufbau zunächst weiter zunimmt, auf geschätzt 129 Milliarden Euro im Jahr 2025. „Dass selbst bei steigendem Zinsniveau die ZZR-Zuführungen so deutlich zunehmen, zeigt den Anpassungsbedarf der Methodik“, bezieht Lars Heermann hierzu Stellung. „Denn bei steigenden Zinsen sinken auch die Bewertungsreserven, die die Unternehmen zur Finanzierung der ZZR bisher benötigen.“

Weniger Belastung, mehr Gerechtigkeit

Fazit der Assekurata-Experten: In allen dargelegten Szenarien wird die stabilisierende Wirkung der Korridormethode offenkundig, da Belastungsspitzen reduziert und gleichförmiger auf einen längeren Zeitraum verteilt werden. „Damit würde die ZZR in der Langfristbetrachtung weiterhin ihre stabilisierende Wirkung entfalten, gleichzeitig die einzelnen Lebensversicherer jedoch in einzelnen Jahren weniger stark belasten, was letztlich auch der Generationengerechtigkeit zwischen den Versicherten zugutekäme“, fasst Heermann zusammen. (dr)

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 09/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

PKV – Nachhaltige Geldanlage – Wohnen auf Zeit – Hitliste der Maklerpools

Ab dem 16. August im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Assekuranz 4.0: Wie der Sprung in die Zukunft gelingt

In zehn bis fünfzehn Jahren wird die Branche kaum wiederzuerkennen sein. Welche Änderungen und Herausforderungen auf die einzelnen Geschäftsbereiche jetzt zukommen.

Gastbeitrag von Dr. Holger Rommel, Adcubum AG und Vincent Wolff-Marting, Versicherungsforen Leipzig

mehr ...

Immobilien

Bauboom schließt Lücken auf dem Wohnungsmarkt nicht

Auf dem Bau in Deutschland herrscht Hochkonjunktur – trotzdem mangelt es an bezahlbarem Wohnraum in Ballungsräumen. Die aktuelle Entwicklung reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken, konstatieren die Immobilienverbände und mahnen weitere Maßnahmen an.

mehr ...

Investmentfonds

Türkei-Krise: Nach 2008 haben sich Anleger viel Hornhaut zugelegt

Die Währung ist der Aktienkurs eines Landes. Angesichts des aktuellen dramatischen Verfalls der türkischen Lira haben wir es also mit einem “Mega-Aktiencrash” zu tun. Dabei war das Land früher ein wahrer Outperformer, ein Aktienstar. In seiner Amtszeit als Ministerpräsident ab 2002 hat ein gewisser Herr Erdogan eine marode türkische Volkswirtschaft mit harten Wirtschaftsreformen in eine blühende Landschaft verwandelt. Doch dann wiederholten sich die typischen Fehler von Schwellenländern. Die Halver-Kolumne

mehr ...

Berater

Neue Bestmarke von Fonds Finanz

Der Münchner Maklerpool Fonds Finanz meldet einen positiven Verlauf für das Geschäftsjahr 2017 mit erneut gestiegenem Umsatz.

mehr ...

Sachwertanlagen

Zweitmarkt-Börse forciert ihre Erstmarkt-Aktivität

Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG hat ihre Website Erstmarkt.de einem Relaunch unterzogen und unternimmt einen Neustart mit zunächst fünf Fonds. Zielsetzung ist der Online-Vertrieb neuer Publikums-AIFs.

mehr ...

Recht

Umsatzsteuerkartell aufgeflogen – Betrug im größten Stil

Jahrelang wurde ermittelt. Nun wird ein Riesenerfolg im Kampf gegen Steuerhinterziehung vermeldet. Die Betrüger hatten es auf einen begehrten Rohstoff abgesehen. Der Schaden könnte mehrere 100 Millionen Euro betragen.

mehr ...