17. August 2019, 08:53
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die Bayerische: “Glauben daran, dass E-Scooter langfristig Mobilität verändern werden”

E-Scooter sind ein komplexes Thema. Wie es um die Zukunft aus Sicht der Versicherung bestellt ist, welche Auswirkungen E-Scooter auf bestehende Risikoabwägungen haben und wie sich Versicherer darauf einstellen. Cash. fragt bei die Bayerische nach.

E-Scooter in die Bayerische: Glauben daran, dass E-Scooter langfristig Mobilität verändern werden

Viele Kommentatoren halten die aktuelle Aufmerksamkeit für das Thema E-Scooter für übertrieben. So seien die Roller keine Revolution städtischer Mobilität, sondern eher ein kurzfristig interessantes Spielzeug, das die Verkehrsbelastung in der Bundesrepublik eher verschlimmert. Wie stehen Sie vor diesem Hintergrund zu den E-Scootern?

Wir glauben daran, dass E-Scooter keine Revolution darstellen wird, aber in den nächsten Jahren zum Stadtbild dazu gehören wird. Besonders für Touristen oder zur Überwindung der letzten Kilometers wird der Scooter evolutionär das Stadtbild verändern.

Die Versicherungsbranche hat sich in den letzten Monaten sehr offen für E-Scooter gezeigt und diverse Anbieter haben eigene Policen auf den Markt gebracht, so auch Die Bayerische. Sollten sich die Roller tatsächlich als nicht langfristig erfolgreiche Kuriosität erweisen, was würde das für die Versicherungsbranche bedeuten? Halten Sie es für möglich dass die Policen wieder vom Markt verschwinden?

Wir sind davon überzeugt, dass E-Scooter das Stadtbild deutlich verändern. Wir glauben auch daran, dass langfristig der Scooter die Mobilität im Stadtverkehr verändern werden. Derzeit ist nicht vorhersehbar, ob sich das Besitzen oder das Sharen stärker durchsetzen wird.

Besonders in Großstädten wird der Scooter für Touristen eine attraktive Art der Fortbewegung sein. Das Kaufen wird besonders in den nächsten 2-3 Jahren einen starken Hype auslösen.

Ob danach eine Sättigung erfolgt, lässt sich heute noch nicht sagen, halten wir aber für wahrscheinlich. Auch wenn der Roller als nicht langfristige Kuriosität erscheint, hat dies einen geringen Einfluss auf die Branche.

Auch Unfälle mit E-Scootern werden branchenintern heiß diskutiert. So fordern Experten der Allianz beispielsweise eine eigene Unfallstatistik für die Roller. Andere sprechen sich für Helmpflicht und sogar E-Scooter-Führerscheine aus. Wie stehen Sie zu diesen Vorschlägen und was empfehlen Sie um die Sicherheit im Umgang mit E-Scootern im Straßenverkehr zu erhöhen?

Die Einführung eines Führerscheins sehen wir nicht als notwendig an. Aber es ist für uns nicht ganz verständlich, warum auf eine Helmpflicht verzichtet wurde. Wir sehen das Risiko für den Eigenschaden größer als das Haftpflichtrisiko, auch wenn hier Schäden sicher anfallen werden.

Wir weisen unsere Kunden auch darauf hin, dass das Tragen eines Helmes empfehlenswert ist. Auch ist auffällig, dass die Nutzung der Scooter unter Alkoholeinfluss häufig vorkommt. Eine Aufklärungskampagne über die möglichen Folgen halten wir für sinnvoll, denn viele sind sich nicht bewusst, dass neben der Unfallgefahr auch der Führerschein aufs Spiel gesetzt wird.

Die Thematik E-Scooter ist Teil einer größeren Diskussion über die sich verändernde Mobilität in Deutschland, besonders in den Großstädten. Wie wird sich der Verkehr in den deutschen Metropolen in den nächsten zehn Jahren Ihrer Meinung nach verändern? Wird sich die Entwicklung in Richtung von E-Scootern und Pedelecs fortsetzen, ist das selbstfahrende E-Auto die Zukunft oder der Weg in eine ganz andere Richtung?

Die Mobilität und die Stadtbilder werden sich verändern. Es wird weniger Wert auf den Besitz eines Fahrzeugs gelegt, sondern eher geteilt. Dafür müssen insbesondere beim Car-Sharing die Angebote in den Großstädten noch flächendeckender ausgebaut werden. Sämtliche emissionsfreien Fahrzeuge werden zunehmen, dazu zählen auch E-Scooter und Pedelecs.

Das ermöglicht besonders älteren Menschen auch weiterhin noch mobil zu sein. Das selbstfahrende Fahrzeug wird in den nächsten 10 Jahren noch nicht flächendeckend in Großstädten im Einsatz sein. Die Infrastruktur wird am leichtesten auf Autobahnen und danach auf Landstraßen zu schaffen sein. In den Städten wird dies flächendeckend noch länger als 10 Jahre dauern.

Allerdings ist die Entwicklung von Flugdrohnen bzw. Flugtaxen bereits weiter fortgeschritten. Dies verändert die Mobilität für den Weg zum Flughafen vermutlich, da es individueller und Zeit einsparender ist. Ob dies in den nächsten 10 Jahren serienreif ist, bleibt allerdings abzuwarten.

 

Das Interview führte Benjamin Müller, Cash. 

Foto: Shutterstock

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