24. Juni 2019, 05:47
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Lemonade und die Frauen: Womit Insurtechs punkten können

Das StartUp Lemonade wirbt damit, dass es besonders attraktiv für Frauen wirkt. Jeder zweite Vertrag wird von einer Versicherungsnehmerin abgeschlossen. Doch ist dies ein Alleinstellungsmerkmal von Lemonade oder steckt hinter diesem Trend mehr als das bloße Interesse an Versicherung? 

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Ladylike, Ladyprotect oder Womencare heißen die Produkte klassischer Versicherer, die sich nach eigenen Angaben an die “moderne Frau” richten. Sie sichern Risiken von Brustkrebs über Unfälle oder Krankheit ab, werden in pinken oder lila Farben beworben und sollen frauenspezifische Risiken wie beispielsweise Brustkrebs absichern. Mit der modernen Frau hat das Image, was Anbieter mit ihren Produkten nähren, jedoch wenig zu tun. Es nährt eher überholte Klischees.

Wie die moderne Frau wirklich tickt

Diese Schlussfolgerung entsteht unweigerlich nach einem Blick darauf, wie moderne Frauen sich zur Frage von Finanzdienstleistungen verhalten. So veranstaltet die Zeitschrift Brigitte vor wenigen Wochen ein Finanzsymposium. Thema dieser Veranstaltung ist nicht nur die Frage, warum viele Frauen sich in finanziellen Angelegenheiten nicht mündig verhalten. In Workshops werden die Teilnehmerinnen zu unterschiedlichen Finanzthemen geschult und zu mehr Souveränität geführt. Verhandlungsführung, Versicherungen und Investments stehen genauso auf der Tagesordnung wie Netzwerken und Austausch mit Anderen – und ja: Es geht auch um die Frage, wie man die Finanzen in einer Partnerschaft regelt. 

Die Zeiten der finanziell zurückhaltenden Frau, die spezielle Produkte für ihre Risiken benötigt, scheinen also vorbei. Dreiviertel der Frauen bestreiten laut statistischem Bundesamt ihren Lebensunterhalt selbst. Als nächstem Schritt der Emanzipation steht die Frage der Finanzen auf der Agenda. Eine der führenden Botschafterinnen dieser Bewegung ist neben der Grande Dame Helma Sick das junge Portal Madame Moneypenny.

Selbstbewusstsein statt Klischee ist gewünscht

Hinter diesem steht Natascha Wegelin. Die Berlinerin ist keine Finanzberaterin, sondern hat aufgrund ihrer Erfahrungen als Verbraucherin ein Portal ins Leben gerufen, was Frauen in die finanzielle Freiheit begleiten soll. Finanzielle Bildung für Frauen macht Wegelin mit ihrer Initiative sexy und nimmt Frauen die Furcht vor dem angestaubten Thema ohne Klischees zu bedienen. Ein Kernthema, was man in diesen Kreisen immer wieder liest oder hört, sind Fuck-Off-Konten oder -Gelder, die einzig dazu dienen, jederzeit frei darüber entscheiden zu können, wie man arbeiten und leben möchte.

Dies ist nur eins von vielen Beispielen, die unter den Begriff der finanziellen Emanzipation oder auch des Women Empowerment fallen. Hierunter sind zwei Bewegungen zu verstehen, die seit einigen Jahren durch Amerika schwappen und nun verstärkt in Deutschland dazu führen, Fuss zu fassen. Grund dafür sind der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung, dem gewandelten Selbstverständnis erfolgreicher Frauen und der Überzeugung, die Dinge selbst regeln zu können. So berichtet beispielsweise Julia Ballerstädt für die Barbara von ihren eigenen Erfahrungen und erläutert, warum es für Frauen wichtig ist, sich um ihre Finanzen zu kümmern. Das unstrittigste Argument, was auch Experten immer wieder predigen, ist hier die Gefahr vor möglicher Altersarmut. 

Warum Frauen Lemonade lieben

Lemonade ist das erste Unternehmen, was nicht auf Frauen als Kernzielgruppe abzielt und diese doch vermehrt anspricht. So berichtet Pressesprecherin Yael Wissner-Levy im Unternehmensblog darüber, dass jeder zweite Versicherungsnehmer weiblich ist. Als Grund führt sie Bewertungen von bestehenden Kunden ins Feld. Diese loben beispielsweise den Aspekt, das Gemeinwohl zu unterstützen, oder die einfache Bedienbarkeit des Angebots. Wissner-Levy schreibt weiter, dass es eine Frage des respektvollen Umgangs sei und Kunden offensichtlich anhand der einfachen Prozesse besser verstehen, wozu sie sich entschließen. 

 

Seite 2: Was Versicherer von Insurtechs lernen sollten

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2 Kommentare

  1. Noch was, liebes cash.online. Es wäre schön, wenn Ihr nicht nur Werbetexte von Insurtechs zusammenfasst, wie toll die sind, sondern Euch die Arbeit der Recherche macht. “indem sie in der Regel kundenzentriert arbeiten”. Wenn ich sowas lese, geht mir die Hutschnur hoch. Denn bunte Bilder, Dummdödel-Deutsch und als Makler so zu tun, als sei man ein Versicherer (z.B. friendsurance), haben nichts, aber auch gar nichts mit Kundenzentrierung zu tun. Es gehört dazu, den Kunden zu informieren, ihm durch Fragen zu entlocken, welche Risiken er hat oder auch nicht, um dann passende Angebote zu machen. Lückenhafte Standardprodukte am Bedarf vorbei zur Provisions-, Verzeihung Ertragsoptimierung, verkloppen – jetzt halt online – ist genau der Grund, warum der Gesetzgeber so massiv gegen Makler und Vertreter vorgegangen ist. Aber unter dem Deckmantel der hippen Digitalisierung kann ja wieder das alte Muster tragfähig sein, gell?

    Kommentar von Peter Müller — 25. Juni 2019 @ 09:47

  2. Das Problem mit Lemonade ist nicht, dass sie Frauen ansprechen, sondern dass Frauen sich von sowas wie Cashback in einen guten Zweck blenden lassen. Schaut man sich doch bitte mal die Leistungen an, die angeboten werden, dann ist das eine ziemlich lückenhafte Versicherungspolice im Bereich Hausrat und Haftpflicht, z.B. ist die Nutzung von elektrischen Fahrzeugen aller Art nicht über die Haftpflicht gedeckt. Wer also mit seinem schnellen E-Bike einen Fußgänger versehentlich umnagelt und schwer verletzt, hat ein Riesenproblem, denn Lemonade zahlt nicht den lebenslangen Einkommensausfall des Opfers, das, liebe Frauen, zahlt Ihr selbst. Natürlich dufte geschrieben im Wischiwaschi-Dummdödel-Deutsch, aber dafür aus Lemonade-Sicht schön unspezifisch. So können sie im Schadensfall dann sagen, jaaa, so ist das ja nicht zu verstehen… Es hat schon seinen Grund, warum Versicherungsdeutsch so juristisch klingt; Aus abertausenden Fällen folgten Klagen zur Klarstellung und somit sind die Bedingungen zwar nicht so leicht verständlich (das liebe Versicherer geht auch besser), aber wenigstens präzise. Denn im Schadensfall kommt es drauf an, was da steht, damit ich als Verbraucher auch meinen Anspruch durchsetzen kann und nicht dufte abgebügelt werde.

    Liebe Frauen, lasst Euch eines sagen: Versicherungen, die nicht eindeutige Worte sprechen, werden im Zweifelsfall auch nicht klar entschädigen. Wer Lücken im Versicherungsschutz hat, ist am Ende der Dumme. Cashback für gute Zwecke heißt nichts anderes, als dass vorher die Zahlpreise zu hoch waren.

    Kommentar von Peter Müller — 25. Juni 2019 @ 09:23

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