MDK-Reform: Mehr Taktieren statt mehr Qualität

Welche Gefahren sehen Sie in den Prüfquoten?

Derzeit geben wir 20 bis 25 Prozent der Rechnungen zur Prüfung an den MDK. Unsere Erfolgsquote lag 2018 bei knapp 57 Prozent, in 2019 erwarten wir eine ähnliche Quote. Das bedeutet: Im Bundesdurchschnitt sind bei der SBK aktuell 14,3 Prozent aller Abrechnungen fehlerhaft. Diese Quoten sind seit mehreren Jahren konstant.

Im nächsten Jahr dürfen wir nur noch 10 Prozent aller Rechnungen zur Prüfung an den MDK geben. Bei allen weiteren Rechnungen sind wir handlungsunfähig und müssen ohne Prüfung bezahlen. Flankierende Maßnahmen oder Sanktionen gegen Falschabrechnungen sieht Spahn erst ab frühestens 2021 vor.

Das Übergangsjahr 2020 wird für die GKV daher sehr teuer werden. Und die Differenz zahlt der Versicherte – ohne irgendeinen Mehrwert. Wer profitiert denn von Spahns Prüfquoten? Nicht Kliniken mit überdurchschnittlich hoher Qualität, nicht unsere Versicherten – sondern ausschließlich Kliniken mit mehr als 10 Prozent fehlerhafter Abrechnungen! Das finde ich besonders ärgerlich.

Gibt es langfristige Folgen, die aus Ihrer Sicht bedacht werden sollten?

Vor knapp zwei Wochen stellte Gesundheitsminister Laumann das aktuelle Krankenhausgutachten NRW vor. Das Fazit: Es gibt eine erhebliche Überversorgung und ebensolchen strukturellen Anpassungsbedarf in der Krankenhausplanung. Ich habe mir in diesem Kontext erlaubt, die Retaxierungsquoten auf Bundesland-Ebene gegenüberzustellen.

Das Fazit: Wir sehen bei der Krankenhaus-Abrechnungsprüfung deutliche regionale Unterschiede. In überversorgten Gebieten wie etwa NRW kommen unnötige Krankenhausaufenthalte und überhöhte Abrechnungen deutlich häufiger vor als in ausreichend oder unterversorgten Regionen.

Tatsache ist: Während bei Kliniken in NRW im Schnitt bis zu 9 Prozent der abgerechneten Beträge als fehlerhaft identifiziert werden, liegt dieser Wert in anderen Bundesländern nur zwischen 2 und 4 Prozent. Die Einführung der Prüfquote ist am Ende also eine Finanzspritze für überversorgte Regionen, da dort fehlerhaft abgerechnete Rechnungen von uns ohne Prüfung gezahlt werden müssen!

Was mich besonders ärgert: Es geht bei dieser Diskussion niemals darum, welche Klinik die bessere Qualität erbringt bzw. wo unsere Versicherten am besten versorgt werden. Da könnte ich eine bessere Finanzausstattung durchaus gutheißen. Am Ende geht es beim Gesetzentwurf leider nur darum, wer am geschicktesten taktiert. Das ist nicht mein Verständnis von Qualität und torpediert alle Bemühungen der SBK und vieler anderer Kassen um einen Qualitätswettbewerb zwischen Kliniken.

 

Foto: Shutterstock

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