30. Juni 2019, 09:04
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Run-Off der Generali: Was Kunden mit Lebens- oder Rentenversicherung erwartet

Die Umbenennung der Generali Leben in Proxalto schließt in dieser Woche die Übernahme durch viridium ab. Warum die Übernahme durch Abwicklungsgesellschaften nicht grundsätzlich negativ sein muss und das Handeln der Generali für andere Versicherer zur Blaupause werden könnte.

Shutterstock 201082694 in Run-Off der Generali: Was Kunden mit Lebens- oder Rentenversicherung erwartet

Die Zusagen aus Lebensversicherungen werden bei fortlaufender Verzinsung für die meisten Versicherer immer schwerer zu halten. Das wissen auch Kunden. Nicht zuletzt deshalb, weil Verbraucherverbände wie beispielsweise der Bund der Versicherten (BdV) fortlaufend darauf hinweisen. So schreibt Axel Kleinlein in seinem aktuellen Blogbeitrag zur Thematik: “Die Versicherten verzichten schon einige Jahre auf Überschüsse und sogar schon zum Teil auf garantierte Leistungen (etwa bei den Rentenfaktoren bei Privatrenten oder bei Riester- und Rürup-Renten).”

Es geht um mehr als niedrige Zinsen

Ursache dafür sind nach Aussage von Theodor Pischke gegenüber Spiegel Online jedoch nicht nur die niedrigen Zinsen: “Nein, für die Überschussbeteiligung ist entscheidend, wie gut der Versicherer das Geld der Kunden für diese anlegt. Dabei sind viele Unternehmen gerade nicht besonders erfolgreich, was auch, aber nicht nur, an den niedrigen Zinsen liegt. Damals bei Vertragsbeginn haben die Versicherer Mondzahlen prognostiziert, die sich nicht erfüllt haben. Wenn man mit dem Betrag fest gerechnet hat, ist das sehr bitter. Aber es war schon damals eine Prognose, keine Garantie.” 

Insofern nimmt der Redakteur bei Stiftung Warentest Berater und Kunden ebenso in die Pflicht, wenn er davon spricht, dass man diese Prognosen als sichere Bank bewertet und einkalkuliert habe. Trotzdem gibt er auch zu, dass es sich um Managementfehler handelt, die in der Vergangenheit begangenen wurden. Diese müssten nun bereinigt werden. 

Die Anpassung der Rentenfaktoren bringt nicht den gewünschten Erfolg

Eine Maßnahme ist die im vergangenen Jahr diskutierte Anpassung des Rentenfaktors. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schreibt auf dem Portal Die Versicherer zur Frage des Rentenfaktors: “Bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung ohne Kapitalgarantien kann der Versicherer zu Vertragsabschluss keine Mindestrente zusagen, da nicht feststeht, wie hoch das Fondsvermögen zu Rentenbeginn sein wird. Er kann aber einen Rentenfaktor festlegen, mit dem das zu Rentenbeginn vorhandene Fondskapital in eine Rente umgerechnet wird. Eine Änderung dieses Rentenfaktors ist in der Ansparphase nur möglich, wenn die Vertragsbedingungen dies zulassen und ein unabhängiger Treuhänder die Voraussetzungen für eine Änderung als erfüllt ansieht – beispielsweise einen deutlichen Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung oder gesunkene Zinsen.”

Es steht also damit zu rechnen, dass künftig weitere Anpassungen erfolgen bevor junge Versicherungsnehmer in Rente gehen. 34 und 87 Versicherern stehen unter intensiver Beobachtung durch die BaFin, teilt die Bundesregierung Mitte vergangenen Jahres  mit. Dies bedeutet, dass “Unternehmen, bei denen sich aus der jährlichen Prognoserechnung ergibt, dass sie mittel- bis langfristig finanzielle Schwierigkeiten haben könnten, müssen der BaFin halb- jährig einen Sachstandsbericht zur wirtschaftlichen Entwicklung über einen mittel- und langfristigen Zeithorizont vorlegen.”

Run-Off als letzte Chance

Können Versicherer ihre Zusagen nicht halten, dann steht ihnen in der Regel nur die Möglichkeit der Schadensbegrenzung offen: Sie müssen sich von ihren Beständen trennen, um nicht Gefahr einer Klagewelle zu laufen. Genau diesen Weg wählte auch die Generali. Aufsehen erregt dies vor allem, da im Unterschied zu vergleichbaren Anliegen die BaFin ebenso wie die Kunden keinen Protest erheben. Aus diesem Grund spekulieren Experten darüber, ob es sich hierbei um eine Blaupause handelt, die auch für Andere gilt. 

 

Seite 2: Warum dies für Kunden nicht negativ sein muss

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Thomas-Cook-Kunden sollen Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden

Das Justizministerium hat Pauschalreise-Kunden der insolventen Thomas Cook aufgefordert, ihre Ansprüche nicht nur bei der Versicherung, sondern auch beim Insolvenzverwalter anzumelden. Das sei Voraussetzung dafür, das versprochene Geld vom Bund zu erhalten, teilte das Ministerium am Freitag mit.

mehr ...

Immobilien

Neues Finanzierungskonzept: Sorgenfrei im Alter

Viele Menschen möchten sich im Rentenalter Wünsche und Träume erfüllen. Die notwendigen Geldmittel stecken dabei oftmals im Eigenheim fest. Um sich mithilfe der Immobilie den Lebensabend zu finanzieren, gibt es gleich mehrere Möglichkeiten. Welche das sind und welche Vor- und Nachteile sie bieten, zeigt der Vergleich der Immobilienverkaufsmodelle.

mehr ...

Investmentfonds

Blockchain: Welche neuen Investment-Chancen die Technologie bietet

Die meisten Anleger verbinden mit „Blockchain“ Kryptowährungen wie Bitcoin & Co. Tatsächlich hat die Blockchain-Technologie als dezentrales, nichtmanipulierbares digitales Datenregister das Potenzial, die gesamte Geschäftswelt umzuwälzen. Welche Vorteile, aber auch Risiken bietet die Blockchain, in welche Unternehmenstypen sollte man investieren? Thilo Wolf von BNY Mellon Investment Management, kennt die Antworten.

mehr ...

Sachwertanlagen

Habona erreicht Vollinvestition des Einzelhandelsfonds 06

Der Frankfurter Fondsinitiator und Asset Manager Habona Invest hat für seinen Einzelhandelsfonds 06 zum Jahresende 2019 sechs weitere Nahversorgungsimmobilien mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 44 Millionen Euro und einer Gesamtmietfläche von circa 19.500 Quadratmetern erworben.

 

mehr ...

Recht

Datenkrake Schufa: Was weiß die Schufa?

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, hat 360 Millionen Daten von 60 Millionen Deutschen erfasst. Wer einen Handyvertrag abschließt, Miet-, Kauf- oder Leasingverträge unterzeichnet oder einen Kredit aufnimmt, kann von der Schufa erfasst werden. Verbraucher haben nach Artikel 15 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einen Anspruch darauf, zu erfahren, welche personenbezogenen Daten gespeichert werden. Was die Schufa weiß und darf.

mehr ...