Vier Fragen an: Jacques Wasserfall, Zurich

Die deutsche Gesellschaft verändert sich rasant, und mit ihr auch die Arbeitswelt. Das müssen auch Versicherer als Anlass nehmen, um neue Wege zu gehen. Wie das aussehen kann, erklärt Jacques Wasserfall, Vorstand Leben bei Zurich.

Mit dem neuen „BU-Schutzbrief“ wendet sich Zurich vom klassischen Berufsgruppenmodell ab. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Wasserfall: Die Arbeitswelt unterliegt rasanten Veränderungen. Neue Berufe kommen täglich dazu, andere verlieren an Bedeutung. Bestehende Berufe verändern sich stärker und schneller denn je.

Menschen mit ähnlichen Berufsbezeichnungen können dennoch sehr unterschiedliche Tätigkeiten ausüben, die wiederum zu unterschiedlichen Risikosituationen führen.

Dieser Entwicklung in der Berufswelt müssen und wollen wir Rechnung tragen, um mit individuellen, risikoadäquaten und stabilen Prämien für möglichst viele berufstätige Menschen weiterhin bedarfsgerechten and angemessenen Versicherungsschutz anbieten zu können.

Die neue Versicherung heißt „BU-Schutzbrief“. Worin unterscheidet sich dieser „Schutzbrief“ von einer BU-Versicherung?

Wasserfall: Ein Kfz-Schutzbrief ergänzt die Reparaturleistungen einer Kfz-Police, um Soforthilfe im Falle eines Unfalls wie zum Beispiel ein Abschleppdienst. Genauso ergänzt der Berufsunfähigkeits-Schutzbrief die Rentenleistungen einer BU-Police um zusätzliche Unterstützungsangebote im Falle einer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung, die die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit unmöglich macht.

Hierzu zählen beispielsweise persönliche telefonische Leistungsberatung, Hilfe beim Stellen eines Antrags oder die Zusammenstellung der erforderlichen Unterlagen, die Leistungsbeurteilung beim Kunden vor Ort, Rehabilitation und Reintegration ins Arbeitsleben usw.

Mit dem neuen Scoring-Modell wird eine besonders individuelle und risikogerechte Tarifierung ermöglicht, die wiederum eine besonders individuelle Unterstützung im Leistungsprozess ermöglicht.

Die Einstufung betrachtet die ganz genaue Arbeitssituation und das Tätigkeitsprofil des Kunden, anstelle des allgemeinen Berufsbildes, wie es bisher in der Versicherungsbranche üblich ist.

Wie funktioniert das Scoring-Modell von Zurich? Wie werden Kunden individuell eingestuft und wie können sie Punkte zur Verbesserung sammeln?

Wasserfall: Bei dem Scoring-Verfahren im neuen Berufsunfähigkeits-Schutzbrief werden erste Angaben des Kunden zur beruflichen Tätigkeit verwendet, um eine Grundeinstufung vorzunehmen.

Nach dieser Zuordnung werden mit dem jeweiligen Scoring-Modell für diese Tätigkeit relevanten Kriterien wie zum Beispiel Tätigkeitsart, Tätigkeitsstatus, Tätigkeitsort, Berufs-/Bildungsabschluss, Führungstätigkeit abgefragt.

Durch Beantwortung der Fragen sammelt der Kunde Punkte. Anhand der Gesamtpunktzahl wird dann eine kundenindividuelle und damit risikoadäquate Prämie angeboten.

Nach unserer Überzeugung kann es die Formel „One size fits all“ im Markt der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht mehr geben.

Obwohl 20-25 Prozent aller Arbeitnehmer im Laufe des Lebens berufsunfähig werden, verfügt nur ein kleiner Teil der Deutschen über entsprechende Absicherung. Wie können Versicherer wie Zurich dieses Problem lösen?

Der Bedarf an Einkommensabsicherung ist in der Tat viel höher als die tatsächliche Nachfrage nach Berufsunfähigkeitsprodukten. Unsere Kundenbefragungen haben ergeben, dass viele Menschen bei sich zwar einen Bedarf an Einkommensschutz erkennen, aber mit der Komplexität, Aufwand für den Antragsprozess, Kosten und der Auswahl eines passenden Partners überfordert sind.

Aus diesem Grund richten wir unser Leistungsangebot auf individueller Beratung und Service aus, um mit unseren Vertriebsexperten zusammen unseren Kunden unter die Arme zu greifen.

Mit dem Berufsunfähigkeits-Schutzbrief bieten wir ein Produkt mit den höchsten Qualitätsstandards am Markt, einer Garantie der Beitragsstabilität und einer Menge zusätzlicher Unterstützungsleistungen.

Mit dem neuen Scoring-Verfahren werden das Produkt und der Abschlussprozess so genau auf den Kunden zugeschnitten, dass auch die Auswahl nach dem „passenden“ Produkt und dem Partner leichter fallen wird.

 

Interview: Benjamin Müller

Foto: Zurich

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