Corona und die Folgen – quo vadis, Assekuranz?

Christian Barton, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Krankenversicherung.

Niedrigzinsen, Digitale Transformation und die Verwerfungen durch die Coronapandemie rütteln an den Grundfesten der Versicherungswirtschaft. Noch nie seit dem 2. Weltkrieg war die Branche mit einer derartigen Vielfalt an Herausforderungen konfrontiert. Die Folgen von zwei Lockdowns lassen sich derzeit noch gar nicht überblicken. Doch lässt sich erahnen, dass Covid-19 deutliche Spuren hinterlassen wird.

Die Coronapandemie hat die Welt im Griff und beutelt auch die deutsche Versicherungsbranche. Noch nie seit dem 2. Weltkrieg dürften sich die Unternehmen mit einer solchen Vielfalt an Herausforderungen und Risiken konfrontiert gesehen haben. Die Eintrittswahrscheinlichkeiten von Risiken, die Analyse von Risiken und die Absicherung gegen eben solche, sind der Kern des Versicherungsgeschäfts. Sie gehören quasi zur DNA eines Versicherers.

Doch die Coronapandemie hatte keine der Gesellschaften auf dem Schirm. Sie hat die Versicherer hierzulande ebenso infiziert wie viele Menschen. Bemerkenswert: Binnen weniger Wochen mussten die Gesellschaften beinahe die kompletten Belegschaften ins Homeoffice verlegen. So hatten viele Versicherer im ersten Lockdown Ende April zwischen 80 bis 100 Prozent ihrer Mitarbeiter an die heimischen Schreibtische geschickt. Und dennoch konnten die Versicherer ihren Service aufrechterhalten. „Hier habe sich unsere Investitionen der vergangenen Jahre ausgezahlt“, sagt Olaf Bläser, Vertriebsvorstand der Ergo.

Deutlich härter und herausfordernder waren die Einschnitte im Versicherungsvertrieb. Rund 197.000 Berater und Vermittler, die von Beratungsgesprächen und Kundenkontakten leben, mussten auf Homeoffice-Betrieb umstellen. Die Versicherer und Vertriebe investierten in den vergangenen Monaten massiv in Online- oder Videoberatungstools, um die Beratung und Vertrieb in Zeiten des Social Distancing anzukurbeln.

Mit den Kunden auf Augenhöhe

„Es ist spürbar, dass die verschiedenen Digitalisierungsoffensiven unseren Betriebspartnern gerade jetzt helfen. Wir haben in den vergangenen drei Jahren im Rahmen der Einführung des Geschäftsmodells „Hybrider Kunde“ im Vertrieb eine Vielzahl von Tools aufgebaut, die eine einfache digitale Kommunikation mit dem Kunden ermöglichen. Damit bewegen wir uns nun mit dem Kunden auf Augenhöhe – egal auf welchen Weg oder zu welchem Anlass er uns erreichen will. Das hilft uns in dieser Zeit allgemein“, so Bläser.

„Ich glaube, dass diese Zeiten und Veränderungen denen in die Hände spielen werden, die sich klar und mutig positionieren und in die Digitalisierung investieren“, sagt Dr. David Stachon, Chief Business Officer Digital und Unabhängige Vertriebe bei Generali Deutschland. Für ein Unternehmen sei eine Krise aber auch immer eine Chance, besser zu reagieren als Wettbewerber, so Stachon. Die Krise als Chance, etwa für das eigene Geschäftsmodell.

Das sieht auch Christian Wiens, CEO und Gründer des Insurtechs Getsafe. Was Wiens und Stachon eint, ist die Erkenntnis, dass die Coronapandemie beim digitalen Wandel den „Nachbrenner zündet“. Wiens bezeichnete die Coronakrise, gar als Brandbeschleuniger für die digitale Transformation in der Versicherungsbranche. „In Krisen offenbart sich, wie stark ein digitales Geschäftsmodell ist. Der spezielle Fall von Corona unterstreicht, wie groß der technologische Vorsprung gegenüber traditionellen Versicherern ist“, stellt Wiens gegenüber Cash. fest.

Seite 2: Digitalisierung lässt sich nicht aussitzen

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