12. März 2020, 12:50
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Meine Lebensversicherung wurde verkauft: Warum der Run-off Vorteile bringt

Wenn ein Lebensversicherer durch einen sogenannten Run-off sein Neugeschäft einstellt und die bestehenden Verträge an ein auf die Fortführung älterer LV-Bestände spezialisiertes Unternehmen verkauft, fragen sich die betroffenen Sparer, was ihnen dieser Wechsel bringt. Arbeitet der Bestandsversicherer günstiger? Sind die Kosten geringer? Kommen mehr Erträge beim Kunden an? Darüber wird öffentlich heftig diskutiert. Fakten fehlten bislang. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) liefert nun Antworten.

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Run off-Versicherer benachteiligen ihre Kunden nicht. Das ist die zentrale Aussage der neuen DIA-Studie

„Die Auswertung der Geschäftsabschlüsse sowohl der Run-off-Versicherer als auch der Unternehmen des restlichen Marktes lassen keine Benachteiligung der Kunden nach einem Bestandsverkauf erkennen“, fasst Prof. Dr. Fred Wagner vom Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig, der die Studie begleitet hat, zusammen.

Als Beleg führen die Autoren der Studie unter anderem die niedrigere Stornoquote und die absolute Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Erträgen der Versicherer an. Die von den Plattformen versprochenen Effizienzvorteile bei der Verwaltung großer LV-Bestände und eine daraus resultierende höhere Verzinsung sind derzeit allerdings noch nicht in größerem Maßstab eingetreten.

Das ist zum Teil dem Umstand geschuldet, dass der Run-off-Markt in Deutschland aktuell noch sehr klein ist, stellt die DIA-Studie mit dem Titel „Run-offs bei Bestandsverträgen zur Altersvorsorge“ fest, die von der V.E.R.S. Leipzig GmbH erstellt worden ist.

So zeigt die Kostenanalyse, dass die von den Run-off-Versicherern angestrebten Einsparungen aus Skaleneffekten noch nicht auftreten. Zwar entfallen die Abschlusskosten, da kein Neugeschäft mehr gezeichnet wird, aber eine effizientere Bestandsverwaltung beziehungsweise IT-Infrastruktur spiegelt sich in den Verwaltungskosten noch nicht wider.

Wie viel Überschuss geht an die Versicherten?

Auch die Verwendung der Überschüsse haben sich die Autoren genau angeschaut. Sie entscheiden wesentlich darüber, was die Lebensversicherung für die Sparer bringt. Bei diesen Vergleichen fallen die Run-off-Versicherer zum einen durch eine höhere Zuführung zu den Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB) auf. Diese sind ein guter Indikator für die Partizipation an den Überschüssen der Versicherer. Zum anderen schütten Run-off-Versicherer mehr realisierte Gewinne an die Anteilseigner aus.

Für die Verteilung der Überschüsse legt das Gesetz Mindestgrößen fest. So müssen mindestens 90 Prozent des Kapitalanlage- und Risikoergebnisses und 50 Prozent des sonstigen Ergebnisses den Kunden gutgeschrieben werden.

Eine höhere Zuführung steht den Versicherern natürlich frei. Genau das macht den Spielraum in der Überschussverwendung aus. Ihn nutzen die Versicherer in verschiedenem Maße. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Quoten der Überschussbeteiligung. So geben die Nicht-Run-off-Versicherer 96 Prozent aller Überschüsse weiter, die Run-off-Versicherer hingegen nur 89 Prozent.

Kritik hat sich nicht bestätigt

Das scheint die vermeintliche Kritik, dass die Kunden nach einem Run-off weniger an den Ergebnissen partizipieren, zunächst zu bestätigen. Im Zusammenspiel mit der höheren RfB-Quote ergibt sich jedoch eine Kompensation.

„Die geringere Beteiligungsquote führt daher nicht zwangsläufig zu einer geringeren absoluten Beteiligung der Kunden von Run-off-Versicherern. Durch die höheren erwirtschafteten Rohüberschüsse gleichen sich hier Effekte auch nach Beteiligung des Unternehmens zugunsten der Versicherungsnehmer aus“, lautet eine Schlussfolgerung der Studie.

Meine Lebensversicherung wurde verkauft: Warum der Run off Vorteile hat

Die Studie wurde in dieser Woche vorab im Rahmen einer DIA-Veranstaltung vorgestellt. „Meine Lebensversicherung wurde verkauft – was nun?“ lautet ihr Thema. Experten aus verschiedenen Bereichen diskutierten darüber, was der Verkauf von Lebensversicherungsbeständen für die Kunden und deren Versicherer bringt. Anbei einige Zitate aus der Diskussion:

„Die Auswertung der Geschäftsabschlüsse sowohl der Run-off-Versicherer als auch der Unternehmen des restlichen Marktes lassen keine Benachteiligung der Kunden nach einem Bestandsverkauf erkennen. Es liegt auch im Interesse der Run-off-Plattformen, den Kunden anständig zu behandeln. Nur so können die Plattformen ihre eigene Reputation wahren, was eine zwingende Voraussetzung ist, um für weitere Bestandsübertragungen oder Unternehmenskäufe in Betracht zu kommen.“ (Prof. Dr. Fred Wagner, Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig)

„Es ist gut, wenn die Übernahme von Lebensversicherungsverträgen durch Bestandsversicherer ein Stück weit entemotionalisiert wird. Natürlich schwingt bei den Kunden immer ein wenig das Gefühl mit, dass der bisherige Versicherer ein Versprechen nicht einhält, aber letztendlich ist doch entscheidend, dass der Kunde auf einen neuen soliden Partner setzen kann, der ihm Sicherheit gibt, und dass bei einem solchen Verkauf alle Parteien gewinnen.“ (Dr. Christian Thimann, CEO Athora Deutschland Gruppe)

„Die Politik begleitet den Verkauf von Lebensversicherungen aufmerksam. Es handelt sich um eine unternehmerische Entscheidung und dafür gibt es durch die Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen klare Vorgaben. Das gibt den Sparern die Sicherheit, dass ihre Interessen gewahrt bleiben.“ (Dr. Carsten Brodesser, Mitglied der CDU-Bundestagsfraktion)

„Die Übernahme von Bestandsverträgen bringt den Kunden vor allem dann etwas, wenn die Run-off-Plattform frisches Kapital einbringt, das zum Beispiel eine höhere Aktienquote zulässt. Mehr Flexibilität in der Kapitalanlage zahlt sich für den Versicherten aus.“ (Lars Gatschke, Verbraucherzentrale Bundesverband e. V.)

 

(dr)

Foto: Shutterstock

2 Kommentare

  1. Herr Zimmerer hat völlig Recht. Ich kenne keinen Fall, wo die Run-off-Plattform mehr ausgeschüttet hat als gesetzlich vorgeschrieben. Warum auch? Das Neugeschäft ist weg und damit auch der Anreiz, sich durch bessere Leistungen vom Wettbewerb abzusetzen.

    Kommentar von Richard H. Gruber — 13. März 2020 @ 09:54

  2. Die Argumentation ist schlichtweg nicht nachvollziehbar: “…wenn die Run-off-Plattform frisches Kapital einbringt…”. Ja – WENN. Tatsache ist, dass die Aufkäufer keine mildtätigen Unternehmen sind, sondern Kapitalgesellschaften. In der Regel investieren solche, um Gewinne zu erwirtschaften – höhere Gewinne als die bisherigen Eigentümer erzielen konnten. Wer glaubt da allen Ernstes, dass es für den Kunden besser werden sollte? Im Laufe der Zeit werden wir möglicherweise feststellen, dass viel mehr als die gesetzlichen Mindestgewinne für die Versicherten nicht mehr drin sein werden. Alles andere wäre unlogisch.

    Kommentar von Wolfgang Zimmerer — 13. März 2020 @ 09:21

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