Die Ungeliebte

Thomas Heß, Marketingchef und Organisationsdirektor Partnervertrieb der WWK: „Die Riester-Rente funktioniert, gerade weil die niedrigen und mittleren Einkommensgruppen erreicht werden“

Extra-Rente, Deutschland-Rente, Vorsorgekonto: Während Politik, Verbraucherschützer und Teile der Versicherungswirtschaft über das Ende der Riester-Rente sinnieren, neue Modelle präsentieren oder eine grundlegende Reform fordern, setzen andere auf eine behutsame Weiterentwicklung. Cash. sprach mit Thomas Heß, Marketingchef und Organisationsdirektor WWK Versicherungen, über die geplanten Umbau der Ungeliebten

Die Riester-Rente hatte einen schwierigen Start: „Passt nicht“, titelte mein erster Artikel über die Riester-Rente. Geschrieben hatte ich ihn vor 17 Jahren, 2003. Erst mit der Reform im Zuge des Alterseinkünftegesetzes, der Reduzierung der Anzahl der Zertifizierungskriterien sowie weiterer Vereinfachungen kam der Durchbruch.

Heute existieren rund 16,4 Millionen Riester-Verträge, rund elf Millionen Bundesbürger profitieren von einer staatlichen Förderung. Damit steht die Riester-Rente in Hinblick auf die Anzahl der erreichten Kunden der betrieblichen Altersversorgung (bAV) in nichts nach, heißt es vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), Altenstadt. Gleichwohl nimmt die Zahl der Riester-Verträge ab. Langsam, aber stetig.

Der Trend ist nur schwer nachvollziehbar, zumal das IVFP in seiner Analyse „Die Riester-Rente – Abwracken oder Aufrüsten“ aus dem Jahr 2019 zu dem Ergebnis kommt, dass die Riester-Rente mit 16,6 Millionen Verträgen eine starke und notwendige Stütze bei der Verbesserung der Altersversorgung darstellt.

Rund 110 Milliarden Euro angespart

Nach Angaben des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind bereits über 110 Milliarden Euro auf Riester-Verträgen angespart. Laut IVFP funktioniert die Riester-Rente, gerade weil niedrige und mittlere Einkommensgruppen erreicht würden. Mehr als 50 Prozent der Kunden wiesen ein Jahreseinkommen von unter 30.000 Euro auf. Zudem würden Frauen überproportional angesprochen. Und die Riester-Rente liefert gute Renditen, betont Professor Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP.

Die Rendite stimmt

Dieser hatte 23.500 Verträge aus den vergangenen fünf Jahren ausgewertet. Demnach lag die durchschnittliche Nettorendite 2018 bei 3,4 Prozent – nach Kosten und Steuern. Auch die Deutsche Bundesbank kam zum Ergebnis, dass die Riester-Rente sehr wohl zu einer Verbesserung der Rentensituation führt – selbst wenn lediglich die eingezahlten Beiträge inklusive der Zulagen für eine Verrentung zur Verfügung stünden. Beachtung finden derartige Studien kaum. Vielmehr hält sich hartnäckig die Kritik, Riester würde sich nicht lohnen.

Seite 2: Thomas Heß im Interview

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