Geldsorgen beeinträchtigen Motivation und Leistung von Mitarbeitern

Wilhelm-Friedrich Puschinski, Leiter General Consulting bei Willis Towers Watson

Mehr als ein Drittel der Deutschen lebt von Gehaltabrechnung zu Gehaltsabrechnung ohne finanzielle Rücklagen. Die Betroffenen leiden nicht nur unter Angst und Stress.  Die Coronakrise sorgt für zusätzliche Verunsicherung. Eine Studie von Willis Towers Watson zeigt, welche Auswirkungen finanzielle Unsicherheiten auf Mitarbeiter haben und was Unternehmen tun können.

Mehr als ein Drittel der Deutschen lebt von Gehaltabrechnung zu Gehaltsabrechnung ohne finanzielle Rücklagen. Die Betroffenen leiden nicht nur unter Angst und Stress.  Die Coronakrise sorgt für zusätzliche Verunsicherung. Eine Studie von Willis Towers Watson zeigt, welche Auswirkungen finanzielle Unsicherheiten auf Mitarbeiter haben und was Unternehmen tun können.

Finanzielle Sorgen wirken sich negativ auf die Motivation und Produktivität von Mitarbeitern aus. Das zeigt die Studie „Global Benefits Attitudes“ von Willis Towers Watson, für die rund 2.000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt wurden. 36 Prozent der Befragten leben von Gehaltsabrechnung zu Gehaltsabrechnung ohne finanzielle Rücklagen. Dabei geben 21 Prozent dieser Gruppe an, dass sich Geldsorgen auch auf ihre berufliche Leistung auswirken, 23 Prozent litten in den vergangenen zwei Jahren unter Stress, Angstzuständen oder Depressionen.

„Durch die Corona-Krise verschärft sich diese Situation aktuell für viele Arbeitnehmer zusätzlich – Kurzarbeit und drohende Arbeitslosigkeit sorgen für Verunsicherung“, sagt Dr. Heinke Conrads, Leiterin Retirement Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson. „Gerade jetzt ist es für Unternehmen besonders wichtig, ihre Mitarbeiter durch zusätzliche Unterstützung weiterhin zu motivieren. Ein gutes Benefits-Programm und Financial-Wellbeing-Lösungen sind wichtige Tools, um das Engagement hoch zu halten.“

Im Bereich Financial Wellbeing wünschen sich 42 Prozent der Befragten digitale Hilfe beim Management ihrer Ausgaben und Rücklagen, um so ihre finanzielle Situation zu verbessern. 38 Prozent möchten Zugang zu gehaltsbezogenen Spar- und Investmentmodellen und 29 Prozent zu einem Berater.

Wer in das Thema Financial Education investiert, profitiert langfristig: Mitarbeiter mit mehr Finanzwissen fühlen sich eher auf dem richtigen Weg (62 Prozent) als Mitarbeiter mit weniger (48 Prozent). „Financial Education ist hierzulande noch nicht besonders verbreitet, jedoch ein gutes Mittel, um Mitarbeiter gerade in Krisenzeiten zu unterstützen“, sagt Conrads. „Wer jetzt auf die Sorgen seiner Mitarbeiter eingeht und bedarfsgerechte Lösungen schafft, profitiert davon auch über die Krise hinaus.“

Altersversorgung bleibt relevant
Neben Unterstützung bei den Finanzen können Unternehmen auch im Bereich Benefits punkten. Gerade unter Mitarbeitern, die finanziell angeschlagen sind, wünschen sich 41 Prozent großzügigere Benefits, wie zum Beispiel eine betriebliche Altersversorgung (bAV) oder eine Absicherung, die etwa bei Invalidität oder Unfall greift.

Erst an zweiter Stelle steht mehr Gehalt (38 Prozent). Hinzu kommt, dass 45 Prozent die bAV des Arbeitgebers als wichtiger denn je empfinden. Knapp drei Viertel (72 Prozent) der Mitarbeiter möchten von ihrem Arbeitgeber bei der bAV aktiv unterstützt werden.

Wenn es um die Gestaltung der bAV geht, kommt es Mitarbeitern vor allem auf Flexibilität an: 66 Prozent möchten die bAV bei einem Arbeitgeberwechsel übertragen können, genauso viele wünschen sich flexible Auszahlungsoptionen im Rentenfall. Auch die Absicherung von Berufsunfähigkeit oder Todesfall gewinnen an Bedeutung.

Nach wie vor kommt der bAV als personalpolitisches Instrument eine wichtige Rolle zu, und es lohnt sich, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen: 46 Prozent der Arbeitnehmer mit einer bedarfsgerechten bAV sehen diese als einen wichtigen Grund an, um bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben. Und sogar 70 Prozent der Befragten mit einer bedarfsgerechten bAV geben an, stolz darauf zu sein, für ihren Arbeitgeber zu arbeiten.

Seite 2: Sparbereitschaft hoch, Ziele werden aber nicht erreicht

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