Gothaer mit leichten Corona-Dellen

Foto: Gothaer
Oliver Schoeller, Vorstandsvorsitzender des Gothaer Konzerns.

Die Gothaer ist bislang mit leichten Blessuren durch die Coronapandemie gekommen. Und will 2021 in den Bereichen bKV und Gewerbeversicherung durchstarten. Das zeigte das Jahresabschlussgespräch von Konzernvorstand Oliver Schoeller, Finanzvorstand Harald Epple und Lebensvorstand Michael Kurtenbach, das aufgrund der Pandemie digital stattfand.

Im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz präsentierten Gothaer Konzernvorstand Oliver Schoeller, Finanzvorstand Harald Epple und Gothaer Lebenvorstand Michael Kurtenbach per Skype die vorläufigen Zahlen für das aktuelle Geschäftsjahr: „Der Covid-19-Einfluss in den Märkten und der Gesellschaft trifft auf eine solide aufgestellte, agile Gothaer. Der Konzern wächst in der Gothaer Allgemeine Versicherung AG und der Gothaer Krankenversicherung AG 2020 voraussichtlich deutlich“, erläuterte der Konzervorstand.

Bei der Gothaer Lebensversicherung AG werde der branchenkonforme Beitragsrückgang aufgrund der Corona-Krise dagegen zu einem Rückgang der Beiträge führen. Die Beitragseinnahmen auf Konzernebene bewegen sich auf Vorjahresniveau – voraussichtlich bei 4.530 Millionen Euro und damit nur 0,1 Prozent höher als 2019.

Das versicherungstechnische Konzernergebnis legte dagegen um elf Prozent zu, stieg von 241 auf 267 Millionen Euro. Der Konzernüberschuss sank hingegen – bedingt durch die Einflüsse der Coronapandemie – von 115 auf 70 bis 80 Millionen Euro.

Deutliches Plus in der Sachversicherung

„Unser Kompositversicherer – die Gothaer Allgemeine – trotzt der Krise und ist insbesondere im Firmenkundensegment in einem verbesserten Marktumfeld sehr stark“, sagte Schoeller. Gleichwohl musste der Sachversicherer einen deutlichen Rückgang bei den Kapitalanlageergebnissen hinnehmen.

Aufgrund eines deutlichen Rückgangs der Nettozinsen von 3,2 auf 1,9 Prozent, ging das Kapitalanlageergebnis bei der Gothaer Allgemeine von 115 Millionen auf schätzungsweise 70 Millionen Euro zurück. Das Minus von 40 Prozent dürfte durch das erwartete exzellente versicherungstechnische Ergebnis überkompensiert werden.

Die gebuchten Bruttobeiträge der Gothaer Allgemeine Versicherung AG werden voraussichtlich mit 1.923 Millionen Euro um 3,8 Prozent über dem Niveau von 2019 liegen. Positiv wirkt sich die gute Schadensituation in Kraftfahrt aus sowie insbesondere die bis dato nur geringe Natur- und Großschadenbelastung.

21 Millionen Euro in der BSV

Daraus ergibt sich eine deutlich verbesserte Schadensituation vor allem in der industriellen Sachversicherung. „Auf unsere starke Position im Firmenkundengeschäft wollen wir in den kommenden Jahren aufsetzen und unsere Position als führender Partner des Mittelstands weiter ausbauen“, so Schoeller weiter.

Wachsen wolle man insbesondere im Geschäftsfeld der 200.000 Unternehmerkunden. War dies bislang vorrangig das Territorium des Exklusivertriebs wolle man künftig auch über Maklerpartner an die Firmen und Unternehmen herantreten. In dem Zusammenhang soll die „Gothaer GewerbeProtect“ als digitale Plattform für das Maklergeschäft geöffnet werden. Zudem möchte man sich – stärker als bisher – auf die Absicherung des Cyber-Risikos sowie die von regenerativen Energien fokussieren.

Den Schadenaufwand für die Betriebsschließungsversicherung bezifferte Schoeller auf 21 Millionen Euro. Bei insgesamt 2.000 verkauften Policen seien 1.230 Schäden gezahlt worden. 77 Prozent der Kunden hätten die Regelungen im Rahmen der so genannten „Bayerischen Lösung“ akzeptiert. In der zweiten Welle habe es bis dato 85 Schäden gegeben.

Die Schäden für die Ausfälle von Veranstaltungen liegen laut Schoeller bei rund 30 Millionen Euro. Verantwortlich dafür waren insbesondere der Ausfall des Wacken-Festivals sowie mehrere Konzerte von Helene Fischer. Die Veranstaltungsausfallversicherung werde, so Schoeller, auch 2021 angeboten. Allerdings wird der Konzern Pandemien hier dann auschließen.

Gothaer Leben: Beiträge Corona-bedingt rückläufig

Die gebuchten Bruttobeiträge der Gothaer Lebensversicherung sinken 2020 voraussichtlich um 1,9 Prozent auf 1.311 Millionen Euro. Zahlungsschwierigkeiten bei Kunden und ein erschwerter Zugang zu Firmenkunden in Folge der Pandemie wirken sich leicht negativ auf die Beitragseinnahmen aus.

Dabei hätten Beitragsfreistellungen und Zahlungsunterbrechungen in den Monaten April, Mai, Juni überwogen. Stundungen hingegen, waren laut Michael Kurtenbach, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Lebensversicherung AG eher die Ausnahme. Gleichwohl habe die Corona-Krise hat die Lebensversicherungsbranche auf der Wachstumsseite spürbar getroffen.

Besonders deutlich waren die Auswirkungen im ersten Halbjahr zu spüren. „Wir blicken aber dennoch zuversichtlich in die Zukunft und optimieren unser Produktportfolio weiter. Beispielsweise bietet die Gothaer ab sofort mit der BasisVorsorge-Fonds eine modernisierte und renditestarke Rürup-Rente an. Das Fondsportfolio wurde komplett überarbeitet und durch kostengünstigere Fonds ersetzt, was zu einer deutlich höheren Ablaufleistung führt“, so Kurtenbach.

Gothaer Kranken im Zusatzversicherungsgeschäft wachstumsstark

Die gebuchten Bruttobeiträge der Gothaer Krankenversicherung liegen mit 888 Millionen Euro aller Voraussicht nach um 2,6 Prozent über dem Niveau von 2019.

„Die Gothaer Krankenversicherung ist sehr solide aufgestellt und zeigt mit 13 Prozent plus ein deutliches Wachstum im Neugeschäft. Das gelte sowohl für die Vollversicherung wie auch das Zusatzversicherungsgeschäft. Hier hat insbesondere auch die neue Kooperation mit der AOK Rheinland-Pfalz und ein erneut starkes Wachstum in der betrieblichen Krankenversicherung beigetragen“, so Schoeller, der derzeit noch Vorstandsvorsitzender der Gothaer Krankenversicherung ist.

Als weiteres Wachstumsfeld bezeichnete Schoeller die betriebliche Krankenversicherung. Hier habe man das Ziel, sich als einer der Marktführer zu etablieren.

Konzernstrategie Ambition 25

Mit der Strategie Ambition25 schaltet der Gothaer Konzern nach einer Phase der Konsolidierung jetzt auf profitables Wachstum um. Bis 2025 will der Konzern in der Kompositversicherung zu den fünf wachstumsstärksten Unternehmen am Markt gehören, in der Lebens- und Krankenversicherung wird ein Wachstum auf Marktniveau angestrebt.

„Wir haben eine starke Ausgangsbasis“, erläutert Konzernchef Schoeller. „Wir sind seit 200 Jahren einer der führenden Anbieter im Firmenkundengeschäft, haben eine starke und engagierte Vertriebsmannschaft und sind darüber hinaus nah am Privatkunden, kennen seine Bedürfnisse und Anforderungen. Zudem haben wir in den letzten Jahren viel auf den Weg gebracht, um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und eine starke finanzielle Ausgangsbasis geschaffen, die uns jetzt Spielraum für Investitionen in die Zukunft gibt“, so Schoeller weiter.

Um das angestrebte Wachstum zu erreichen, sollen die vorhandenen Stärken ausgebaut, verbunden und ein ganz neues Kundenerlebnis geschaffen werden. All das mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit und auf der Basis eines veränderungsfähigen Teams, einer konsequenten Digitalisierung und finanzieller Stärke. (dr)

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