Boris Herrmann und Zurich-Chef Carsten Schildknecht im Exklusiv-Interview: „Man soll diesen Spirit spüren“

Fotos: Florian Sonntag
Carsten Schildknecht (links) und Boris Herrmann während des Interviews

Auf der Kieler Woche sprach Cash. exklusiv mit Weltumsegler Boris Herrmann und Dr. Carsten Schildknecht, Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland, über ihre Kooperation in Sachen Klimaschutz. Teil 2 des Interviews

Dr. Schildknecht, wie nachhaltig ist die Zurich heute aufgestellt?

Schildknecht: Ich halte Zurich schon heute für den nachhaltigsten Versicherer. Das kann man im Dow-Jones-Sustainibility-Index auch sehen. Dort sind wir die Nummer 1 unter den Versicherern beim Thema Nachhaltigkeit. Ich will mich aber nicht auf ein Siegel verlassen. Was Zurich auszeichnet ist, dass wir es wirklich sehr ernst meinen und das Thema mit großem Engagement vorantreiben. Wir sind seit 2014 als Betrieb klimaneutral. Allerdings nutzen wir immer noch Kompensationsmaßnahmen. Die wollen wir weiter reduzieren. Durch die Corona-Pandemie ist unser CO2-Print in Deutschland zwischen 2019 und 2020 um 60 Prozent zurückgegangen. In den nächsten Jahren werden wir den Corona-bedingten Sondereffekt durch konkrete Maßnahmen ersetzen. Das betrifft zum Beispiel die CO2-Emission durch das Pendeln unserer Mitarbeitenden zwischen Arbeitsstätte und Zuhause.

Wie nachhaltig ist die Zurich mittlerweile bei den Produkten aufgestellt?

Schildknecht: Auf der Lebensversicherungsseite gilt es, das Bilanz- oder fondsgebundene Vermögen nachhaltig zu investieren. Auf der Sachversicherungsseite haben wir zwei Aspekte. Auf der einen Seite müssen wir Privat- und Gewerbekunden besser auf Klimarisiken vorbereiten. Dazu bieten wir auf der Industriekundenseite mittlerweile viel Unterstützung an, etwa durch die Zurich Resilience Services. Dort beraten über 700 Risikoingenieure weltweit Firmenkunden zu möglichen Gefahren für Lieferketten sowie Standortvor- und -nachteilen. Zudem unterstützen wir Kunden auf der Sachversicherungsseite dabei, ihren eigenen Footprint zu reduzieren und bieten zudem Service- und Assistanceleistung. Die größte Befürchtung von potenziellen Elektrofahrzeugkunden ist, mit leerem Akku liegenzubleiben. Daher werden wir eine Mobilitätsgarantie für Elektrofahrzeuge anbieten. Wer vor einer besetzen Ladesäule steht oder mit leerem Akku irgendwo auf dem flachen Land liegenbleibt, den unterstützen wir mit mobilen Aufladefahrzeugen. Ein Elektroauto ist deutlich attraktiver, wenn es mit dem E-Mobilitätsschutz einhergeht. Das nimmt den Leuten die Angst und fördert die Verbreitung von emissionsfreiem Autofahren. Ein Kfz mit Verbrennungsmotor stößt drei bis fünf Tonnen CO2 pro Jahr aus. Um das zu kompensieren braucht man bis zu 250 Bäume – pro Fahrzeug. Das ist viel Holz. Und der Kunde kann sich sogar das Projekt aussuchen. Damit erzeugen wir Aufmerksamkeit. Und der Kunde versteht, welchen Preis der Ausstoß an Kohlendioxid für ihn hat. Auf der Industriekundenseite wollen wir die Underwriting-Fähigkeiten im Bereich der Erneuerbaren Energien deutlich ausbauen. Zudem treten wir mit den Unternehmen und Firmen in einen Dialog. Denjenigen, die noch nicht klimaneutral sind, aber glauben, dass in absehbarer Zeit erreichen zu können, verweigern wir nicht von heute auf morgen den Versicherungsschutz. Natürlich gibt es Grenzen. Unsere Philosophie ist, Unternehmen zu begleiten und zu helfen, klimaneutral zu werden.

Wo gibt es die Grenzen?

Schildknecht: Bei Kohle, Öl, Ölschiefer. Wir versichern keine Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohleverstromung machen.

Zahlt sich dieses Engagement für die Marke Zurich aus?

Schildknecht: Wir denken schon, dass sich das für die Marke auszahlt. Aber das ist nicht der Grund, warum wir das tun. Der Grund ist, dass wir das Richtige für die Welt und die nächste Generation machen wollen. Darum engagieren wir uns für Nachhaltigkeit.

Cash.-Redakteur Jörg Droste, Carsten Schildknecht, Boris Herrmann, Cash.-Redakteur Kim Brodtmann (v.l.)

Herr Herrmann, Sie haben angekündigt, gemeinsam mit der Zurich an Nachhaltigkeitsthemen im Bereich Wissenschaft und Aufklärung zu arbeiten und für die Negativfolgen des Klimawandels zu sensibilisieren. Wie soll das konkret geschehen, sind Sie schon dabei, entsprechende Projekte zu entwickeln?

Herrmann: Unsere gemeinsame Aufgabe ist es zunächst einmal, für mehr Klimaschutz zu werben. Als Sportler stehen mein Team und ich grundsätzlich für ambitioniertes Herangehen an Herausforderungen. Da haben wir eine große gemeinsame Schnittmenge mit der Zurich. Wir haben eine ganze Reihe von Initiativen in der Pipeline, ein konkretes Projekt ist zum Beispiel der „Planet Hero Award“, den wir jährlich für besonders klimafördernde Initiativen ausloben. Und man soll diesen Spirit natürlich auch spüren, wenn wir im nächsten Jahr wieder sportlich aktiv werden und uns bei den Rennen über den Ozean wieder einem breiteren Publikum zuwenden.

Sie haben kürzlich in einem Interview über die „Vendée Globe“ gesagt: „Mit dem Rennen waren eine große Intensität, eine seelische Last und auch Erschöpfung verbunden. Davon will man sich eigentlich erholen und es nicht noch einmal durchleben“. Dennoch wollen Sie 2024 erneut teilnehmen. Warum tun Sie sich das nochmal an?

Herrmann: Bis dahin habe ich ja noch ein bisschen Zeit, alles zu verarbeiten. Und die werde ich auch brauchen. Es geht einfach nach wie vor eine ungeheure Faszination von dieser Herausforderung aus. Die „Vendée Globe“ ist mehr als ein dreimonatiges Segelrennen: Sie bedeutet mindestens vier Jahre Vorbereitungszeit und zwei Jahre danach, die man braucht, um alles zu verarbeiten und zu schauen, was man daraus gelernt hat. Es ist ein Projekt mit einer unheimlichen Strahlkraft. Und wenn es nicht wehtut, ist auch nicht die nötige Intensität gegeben, dann sind wir nicht ambitioniert genug.

Welche Fortschritte erhoffen Sie sich bis 2024 in Sachen Klimaschutz?

Herrmann: Wichtig ist, dass sich auf der gesamten Erde, in allen Ländern, möglichst viel tut. Wir müssen mit technologischen Lösungen, mit einer Energiewende, nach vorn gehen. Der Übergang von der Pferdekutsche zum Automobil, einschließlich des Aufbaus der Automobil- und Ölindustrie, der Straßen und Verkehrsregeln, hat nur 13 Jahre gedauert. Ich kann mir vorstellen, dass es auch im Energiesektor zu einer Selbstbeschleunigung der Änderungen kommt, wenn die Politik und die großen Energie- und Finanzunternehmen es schaffen, gemeinsam Impulse zu setzen. Meine große Hoffnung ist, dass wir da bis 2024 einen großen Schritt nach vorne machen.

Das Gespräch führten Kim Brodtmann und Jörg Droste, beide Cash.

Den ersten Teil des Interviews lesen Sie hier.

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