Gender Pension Gap: Die größte Schere besteht in Deutschland

Foto: Cash./Stefan Malzkorn
Björn Bohnhoff, Zurich

Seit mehr als 100 Jahren wird am Internationalen Frauentag auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht. Auch beim Thema Altersvorsorge sind Frauen noch vielfach benachteiligt. Laut OECD liegen die Alterseinkommen in Deutschland von Frauen durchschnittlich 46 Prozent unter denen von männlichen Rentnern. Im Vergleich zu anderen Industrienationen besteht in Deutschland somit die statistisch höchste Schere in der Altersvorsorge zwischen Frauen und Männern, gefolgt von den Niederlanden und Österreich.

Der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd) gibt mehrere Gründe für die „Gender Pension Gap“, also geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der Rente an. Einerseits unterbrechen Frauen häufiger ihre Erwerbsbiografie, wenn sie Kinder bekommen und kommen so auf weniger Beitragsjahre. Gehen Mütter nach der Geburt des Kindes wieder arbeiten, dann arbeiten sie ungefähr zwölf Mal häufiger in Teilzeit als Väter.

Gründe für die Gender Pension Gap

Zentrale Ursache für die Unterschiede ist darüber hinaus, dass Frauen noch immer statistisch weniger verdienen als Männer. Im deutschen Rentensystem gilt jedoch: Je höher die Beträge sind, die Erwerbstätige in die gesetzliche Rentenkasse zahlen, desto höher ist die zu erwartende Rente. Auch nicht sozialversicherungspflichtige Minijobs, die nicht als Beitragsjahre zählen, werden häufiger von Frauen ausgeführt.

Bewusstsein schärfen: Frauen wollen die Pension-Gap schließen

Aktuelle Beitragszahlen aus dem Neugeschäft der Zurich Gruppe Deutschland zeigen bereits auf, dass die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge, diese Lücken zu schließen, von Frauen schon häufig genutzt werden. Hier waren im Jahr 2021 rund 46 Prozent der Zurich Kunden, die eine fondsgebundene Altersvorsorge abschlossen, weiblich. Auch die durchschnittlichen Beitragshöhen beim ratierlichen Sparen sind relativ ausgeglichen, können dann jedoch die Gesamtbilanz von gesetzlicher Rente und privater Altersvorsorge damit nicht zugunsten der Frauen aufbessern.

„Uns freut, dass das Geschlechterverhältnis im Neugeschäft schon fast ausgeglichen ist. Dennoch sind die Ursachen für die Vorsorgeunterschiede oft systemisch angelegt und müssen schrittweise mit Beteiligung verschiedenster gesellschaftlicher und politischer Akteure geschultert werden“, erklärt Björn Bohnhoff, Vorstand Leben der Zurich Gruppe Deutschland.

„Wir können aber helfen, die Effekte der Ungleichheiten zu minimieren, indem wir Frauen dabei unterstützen, aktiv für sich vorzusorgen. Dies gilt für Frauen in klassischen Familienmodellen ebenso wie für Alleinerziehende.“

Aktives Vorsorgemanagement: je früher desto effektiver

„Der Grundsatz, dass man möglichst frühzeitig damit beginnen sollte, die eigene Altersvorsorge aktiv zu managen und die gesetzliche Vorsorgelücken zu füllen, gilt selbstverständlich unabhängig vom Geschlecht. Als ersten Schritt empfehlen wir, sich einen Überblick über die eigene finanzielle Situation zu verschaffen: Wie viel gesetzliche Rente kann ich erwarten, habe ich eine betriebliche Altersvorsorge und wie viel habe ich monatlich zur Verfügung, um zusätzlich privat vorzusorgen? In diese Überlegungen sollte man auch die Inflation einbeziehen, um einen Eindruck zu bekommen, welchen Gegenwert mein Vermögen in 30 Jahren besitzt. Bei der Bedarfskalkulation sollte man aber auch berücksichtigen, dass zumeist aktuell laufende Kreditrückzahlungen bis zur Rente getilgt sind. Auch ein monatlicher Betrag, der etwas unterhalb des heutigen Einkommens liegt, würde dann ausreichen, um den eigenen Lebensstandard zu halten,“ sagt Bohnhoff.

Eine der Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge ist die Fondspolice. Hier werden die monatlich eingezahlten Versicherungsbeiträge in unterschiedliche Anlageformen an der Börse investiert, in aktiv gemanagte Fonds, ETFs oder gemanagte Depotmodelle. Im Unterschied zur klassischen Rentenversicherung werden die Beiträge nicht mit einem Garantiezins versehen, sondern die Möglichkeiten des Kapitalmarktes aktiv genutzt.

„Obwohl der Handel mit börsennotierten Wertpapieren immer ein Risiko mit sich bringt, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Über lange Sparzeiträume und die Diversifizierung der Spargelder werden auch ohne oder nur mit teilweisen Garantien Kursschwankungen ausgeglichen. Die Rentabilität dieser Altersvorsorge ist auch angesichts des Niedrigzinsniveaus und der steigenden Inflationsrate eine empfehlenswerte Option“, so der Vorstand.

Gemeinsam planen: Altersvorsorge zur Familiensache machen

Mithilfe flexibel anpassbarer Beiträge lasse sich die private Altersvorsorge individuell gestalten. In modernen Vorsorgeprodukten gebe es eine Reihe von Flexibilitäten wie die Beitragsreduzierung, -freistellung oder -erhöhung. „Es empfiehlt sich trotz flexibler Gestaltungsmöglichkeiten, sofern finanziell machbar, auch während der Erziehungszeit beispielsweise über das Gehalt des Partners Beiträge in die Altersvorsorge der Frau zu zahlen, so Bohnhoff.

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