Versicherungsombudsmann: 18.344 Beschwerden in 2021

Foto: Ombudsmann
Dr. h.c. Wilhelm Schluckebier, Richter am Bundesverfassungsgericht I.Senat von 2006-2017

Immer wieder sind Kunden unzufrieden mit ihrer Versicherung. Insgesamt verzeichnete der Versicherungsombudsmann 2021 18.344 Beschwerden. Berechtigt waren 14.106. Gegenüber 2020 ein Plus von 6,6 Prozent. Starke Zuwächse gab es in der Sachversicherung und hier ganz besonders in der Gebäude- und Hausratversicherung. Aber auch in der Lebensversicherung stieg die Zahl der Beschwerden.

Diese beruhen aber vornehmlich auf Sondereffekten. Die Zunahme liegen aufs Ganze gesehen im Rahmen üblicher Schwankungen, betonte der Constantin Graf von Rex, Geschäftsführer des Vereins, bei der Vorstellung der neuen Daten. Die übrigen Sparten wiesen hingegen Rückgänge bei den Beschwerdezahlen auf.

Dr. h.c. Wilhelm Schluckebier, ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht und Ombudsmann für Versicherungen betonte, dass der Anstieg in der Gebäude- und Hausratversicherung auf eine konfliktbehaftete Umdeckungsaktion durch ein großes Vermittlerunternehmen zurückzuführen sei. Das als Versicherungsmakler registriere Unternehmen habe einen von ihm verwalteten großen Vertragsbestand von einem Versicherer auf einen anderen Versicherer umgedeckt.

Da der bisherige Versicherer die durch den Vermittler ausgesprochene Kündigung für unwirksam hielt, die neuen Verträge beim neuen Versicherer aber bereits in Kraft gesetzt seien, mussten die Versicherungsnehmer doppelte Beiträge bezahlen. Insgesamt hätten sich allein im Jahr 2021 bereits über 290 Verbraucher an den Ombudsmann gewendet. Da einige Kunden aber über mehrere Verträge verfügen, liegt die Zahl der Beschwerdevorgänge bei über 800. Wenn ein Versicherer die Vertragsverwaltung an einen Vermittler auslagere, der aber zugleich als Makler gegenüber den Kunden auftrete und zudem auch noch mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet sei, berge dieses Modell die Gefahr von Interessenskonflikten, kritisierte Schluckebier.

Kaum Beschwerden durch Flutbetroffene

Bemerkenswert ist, dass sich trotz der immensen Schäden während der Flutkatastrophe im vergangenen Sommer nur wenige Betroffene mit Schlichtungsanträgen an den Ombudsmann für Versicherungen gewandt haben. „Es handelte sich im Jahr 2021 – entgegen der ursprünglich vereinzelt geäußerten Erwartung – um lediglich 91 eingegangene Beschwerden, die fast ausnahmslos auch im Jahr 2021 beendet wurden“, heißt es im Jahresbericht der Schlichtungsstelle. Das sei angesichts des Ausmaßes der Schäden eine erstaunlich geringe Zahl.

Die eingegangenen Beschwerden betrafen demnach „in 45 Fällen die Gebäudeversicherung, in 27 Fällen die Inhaltsversicherung und in geringerer Zahl andere Sparten.“ Etwa die Hälfte dieser Schlichtungsanträge hatte demnach keinen Erfolg. „Im Übrigen kam es zu Abhilfen, Teilabhilfen und Vergleichen.“

Auch bei Versicherungskonflikten rund um Reisen während der Corona-Krise hat sich die Situation dem Verein zufolge wieder beruhigt. „Reisende und Versicherer scheinen sich auf die fortwirkende Pandemiesituation eingestellt zu haben“, heißt es im Jahresbericht. Auch im Zusammenhang mit anderen staatlichen Maßnahmen während der Pandemie habe es keinen erheblichen Anstieg der Beschwerden gegeben. Im ersten Jahr der Corona-Krise waren beim Ombudsmann übermäßig viele Schlichtungsgesuche eingegangen. (dpa-AFX und eigene Recherchen)

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