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12. November 2013, 08:45
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Das Visitenkarten-Konzept – Sinnlose Bürokratie?

Vermittler müssen dem Versicherungsnehmer beim ersten Geschäftskontakt eine Reihe von Angaben in Textform – beispielsweise auf der Visitenkarte – mitteilen. Doch was genau soll und kann ein Kunde aus den Informationen eigentlich schließen?

Gastbeitrag von Professor Dr. Hans-Peter Schwintowski, Humboldt-Universität zu Berlin

Professor Dr. Hans-Peter Schwintowski, Humboldt-Universität zu Berlin

“Die Statusinformation ist völlig überflüssig, weil sowieso jeder Vermittlertypus im Sinne des Gesetzes angemessen und hinreichend qualifiziert ist.”

Bei den Angaben geht um den Namen, die Firma, die betriebliche Anschrift und vor allem, ob der Vermittler als Versicherungsmakler oder als Versicherungsvertreter oder als Versicherungsberater tätig ist. Anschrift, Telefonnummer, Internetadresse müssen angegeben sein und Hinweise auf indirekte oder direkte Beteiligungen über zehn Prozent am Kapital eines Versicherers. Umgekehrt ist darauf hinzuweisen, ob der Versicherer seinerseits eventuell mehr als zehn Prozent der Stimmrechte an der Firma des Vermittlers hält und schließlich ist die Anschrift der Schlichtungsstelle – gemeint ist der Ombudsmann – mitzuteilen.

In der Regel werden diese Informationen beim ersten Geschäftskontakt auf der Visitenkarte dem Kunden übergeben. Allerdings sind die Visitenkarten – so jedenfalls die Zeitschrift “Finanztest” – oft lückenhaft und somit auch fehlerhaft.

Visitenkarten-Konzept ist verfehlt und lebensfremd

In Brüssel arbeitet man gerade an einer neuen Vermittler-Richtlinie (IMD2) und der Ruf wird lauter, für die Verletzung des Visitenkarten-Konzeptes so etwas wie Sanktionen, zum Beispiel Bußgelder, einzuführen. Nach meiner Meinung ist dies nicht der richtige Weg, weil das gesamte Visitenkarten-Konzept in sich verfehlt ist.

Sinn des Visitenkarten-Konzeptes ist es, den Kunden vor Beginn des ersten Gespräches über den Status des Vermittlers zu informieren. Der Kunde soll erfahren, ob er es mit einem gebundenen Vertreter, einem Makler oder einem Versicherungsberater zu tun hat. Grund: Wenn der Kunde den Status erkennt, dann kann er sich überlegen, ob er nicht doch vielleicht zu einem Vermittler mit einem anderen Status wechselt, ob er vielleicht den Versicherungsberater statt des gebundenen Vertreters bevorzugt.

Will sagen: Der Kunde hat sich zunächst einmal mit einem bestimmten Vermittler verabredet, der Vermittler sitzt bei ihm im Wohnzimmer und jetzt schaut der Kunde auf die Visitenkarte und schickt den Vermittler wieder weg. Geht es noch lebensfremder? Anders gefragt: Was genau soll und kann ein Kunde aus dem Status des Vermittlers eigentlich schließen?

Laut Gesetz kein Qualitätsunterschied zwischen Vermittlertypen

Jeder Vermittlertypus ist nach europäischem und nationalem Recht zur Vermittlung von Versicherungen zugelassen. Es gibt also – jedenfalls nach dem gesetzlichen Konzept – keinen Qualitätsunterschied zwischen den drei Vermittlertypen. Wieso sollte der Kunde das anders sehen als der Gesetzgeber selbst? Zweite Frage: Woher soll ein Kunde den Unterschied zwischen gebundenem Vertreter, Makler und Versicherungsberater kennen? – Er läuft ja nicht ständig mit dem Versicherungsvertragsgesetz unter dem Arm herum.

Und vor allem: Wieso sollte der Kunde beispielsweise den gebundenen Vertreter wegschicken, nur weil es auch Makler und Berater gibt? Noch anders formuliert: Wenn der Gesetzgeber selbst alle drei Vermittlertypen zulässt, dann signalisiert er damit, dass jeder gleichmäßig qualifiziert für die Vermittlung von Versicherungen ist.

Seite zwei: Statusinformationen überflüssig wie ein Kropf

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8 Kommentare

  1. Ich finde auch, dass Kunden einen Vorteil davon haben, zu wissen, ob da ein Berater sitzt, der eben nur 3 Tarife einer Gesellschaft “vergleicht” oder einer, der grundsätzlich erstmal alle Gesellschaften anbieten kann. Da gibt es sicher noch andere Aspekte (Provisionshöhe, etc.). Ob das alles in Papierform passieren muss oder man hier nicht mal einen einheitlichen digitalen Standard setzen könnte, ist ein anderer Punkt.

    Kommentar von Peter Sieverth — 28. Dezember 2013 @ 19:50

  2. Das die Statusinformationen zu Gesprächsbeginn zu erteilen sind ist im Grunde eine sinnvolle Sache. Allerdings wurde es versäumt Verstöße gegen § 11 VerVermV mit Sanktionen zu belegen. Es fühlt sich schlichtweg niemand zuständig, wenn dem Kunden die “Pflichtinformationen” nicht erteilt werden und man sich deshalb beschweren möchte. In einem aktuellen Fall versuche ich seit Woche herauszufinden welche Gesellschaft einen “gebundenen Vertreter” bei der IHK registrieren lies.
    Der “gebundene” Vertreter verkauft über einen Mehrfachverteter Verträge diverser nicht zu einem Konzern gehörender Versicherungsunternehmen, was mit dem Vermittlerrecht nicht vereinbar ist. Pflichtinformation wurde nicht erteilt, die IHK gibt “aus Datenschutzgründen” keine Auskunft, der Versicherer der laut gesetzlicher Vorschrift die”uneingeschränkte Haftung” für den Vertreter übernehmen muss, ist nicht in Haftung zu nehmen. Der Kunde ist der Dumme, nur der Gesetzgeber freut sich das er solch tolle Vorschriften zum Schutze der Verbraucher erlassen hat.

    Kommentar von Reinhard Durchholz — 13. November 2013 @ 09:50

  3. Die Gleichsetzung von Zulassung und Qualifikation ist schon -vorsichtig formuliert- abenteuerlich. Und eine eigene Meinung über die Unterschiede zwischen Makler und Vertreter scheint man dem einfachen Versicherungsnehmer auch nicht zumuten zu können……
    Eigentlich ist der ganze Beitrag damit ein Plädoyer FÜR die Statusifformation, denn vernünftige Argumente dagegen scheint es nicht zu geben.

    Kommentar von Christian Conrad — 12. November 2013 @ 21:10

  4. Klar, das die Eingaben als wer (AO, MA, Makler) ein Berater* unterwegs ist sein müssen aber Infos wie z.B. Beteiligung an oder von… sind bestimmt überflüßig!!!

    Kommentar von Alexander Alberg — 12. November 2013 @ 19:31

  5. Meine Errfahrungen als Versicherungsmakler sind, daß insbesonere Strukkis und Versicherungsvertreter Ihren Status verschweigen, dem Kunden kein Erstinformationsblatt aushändigen und so versuchen, Ihr Abhängigkeitsverhältnis zu verschweigen. Besonders Strukkis sind da sehr kreativ, in dem Sie sich Titel wie Vermögensberater, Wirtschaftsberater,etc. geben, die sich jeder Depp auf die Visitenkarte schreiben darf, da Sie nicht geschützt sind.

    Kommentar von Stefan — 12. November 2013 @ 18:21

  6. Um es mit Gerhard Schröder zu sagen: der Professor aus Berlin!

    Kommentar von Fred Rupprecht — 12. November 2013 @ 18:11

  7. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Aussage “Es gibt also – jedenfalls nach dem gesetzlichen Konzept – keinen Qualitätsunterschied zwischen den drei Vermittlertypen.” nicht zu Ende gedacht ist. Natürlich belegen die ergangenen Urteile zur “Maklerhaftung” bzw. zur “auge-und-Ohr-Funktion” von AO-Vermittlern eine unterschiedliche Position dieser Vermittler zwischen Versicherern und Kunden. Eine Klarstellung durch Herrn Schwintowski, was gemeint war, wäre sicher hilfreich.

    Kommentar von Schmidt — 12. November 2013 @ 15:40

  8. Ich widerspreche dem Prof. Schwintowski nur sehr ungern – aber als Makler finde ich genau diese Pflicht zur Statusinformation sehr wichtig und richtig. Denn tatsächlich wissen die meisten Verbraucher nicht, was der Unterschied zwischen Vertreter und Mehrfachvertreter (ca 85% der Vermittler) und Makler ist im Auftrag und der Haftung für die Beratung gegenüber dem Kunden bzw Mandanten. Dieses fehlende Wissen kann aber nur über Aufklärung erreicht werden – und die geschieht zumindest teilweise, wenn dem Interessenten gleich zu Beginn der Unterschied dargelegt werden muss. Allerdings wäre es hilfreich, wenn es eine Vorlage der Bafin oder IHK gäbe die – ähnlich wie die britische FCA – den Unterschied klar und unmissverständlich erläutert, so dass es inbesondere den vielen Mehrfachvertretern nicht mehr möglich ist, so zu tun als ob sie mit dem Makler auf einer Stufe stehen. Gleichzeitig sollte aber auch der DIHK oder die BaFin Sorge tragen, dass bei denen, die als Makler eingetragen sind, auch gesichert ist, dass sie wie Makler handeln. Insgesamt muss die Trennung in der Öffentlichkeit noch viel schärfer dargestellt werden, da viele (Fach-)Journalisten auch regelmäßig die Begriffe durcheinander werfen. Also, ich bin und bleibe “Fan” der Regelung, dass der Status gleich zu Beginn der Kontaktaufnahme erläutert werden muss, weil mir das als Makler einen Marktvorteil verschafft (für den ich umgekehrt auch hafte).

    Kommentar von Patrick Ott — 12. November 2013 @ 14:39

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