25. Januar 2016, 08:30

Digitalisierung der Versicherungswelt: Läuft unsere Zeit ab?

Die Digitalisierung der Versicherungsbranche ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits bringt sie Arbeitserleichterungen, andererseits fürchten Berater und Mitarbeiter, überflüssig zu werden. Der digitale Wandel lässt sich nicht aufhalten. Markteilnehmer sollten sich daher lieber heute als morgen auf ihn vorbereiten.

Die Pradetto-Kolumne

Digitalisierug der Versicherungswelt. Läuft unsere Zeit ab?

“Digitalisierung konsequent zu Ende gedacht, bedeutet die Ausschaltung des Menschen als Produktivfaktor.”

Makler versprechen sich von der Digitalisierung der Versicherungsbranche Erleichterungen in der Arbeit: Endlich keine Datenerfassungen mehr, weil alles automatisch in die Maklerverwaltungsprogramme rauscht. Extreme Angebotsgeschwindigkeit, weil es schnelle Angebote per Knopfdruck gibt. Mehr Liquidität, weil die Provision in Rekordgeschwindigkeit kommt.

Versicherer versprechen sich Kostenersparnisse: Endlich wieder ertragreich arbeiten, weil Unmengen Personal gespart werden kann. Eine schöne neue Welt!

Die digitale Versicherungswelt kommt

Die Digitalisierung wird alles das bringen und noch viel mehr! Makler brauchen den Kunden nicht einmal mehr besuchen, weil der Kunde Beratung interaktiv selbst durchführen kann und er jedes Produkt verfügbar per Knopfdruck erhält.

Der Versicherer funktioniert vollkommen digital und selbst die Risiken braucht er nicht mehr versichern, weil eine konsequent zu Ende gedachte digitale Versicherungswelt Peer-to-Peer-Welt ermöglicht. Sicherheit geben sich die Nutzer gegenseitig oder Produkthersteller liefern diese als Feature. Ein Traum für Kunden.

Ausschaltung des Menschen als Produktivfaktor

Dumm bloß, dass das Makler und Versicherer davon nichts haben. Digitalisierung konsequent zu Ende gedacht, bedeutet die Ausschaltung des Menschen als Produktivfaktor. Niemand braucht mehr den Kundenbequatscher, den Datenerfasser, den Policenwilli. Diese Dystopie beschreibt nicht die ferne Zukunft. Diese Entwicklung wird sich innerhalb der kommenden zehn bis 15 Jahre abspielen.

Das Schreckensszenario muss aber kein Schreckensszenario sein. Denn die Digitalisierung kann Maklern und Versicherungsmitarbeitern auch Chancen eröffnen. Statt Produktivfaktoren zu sein, können sie sich auf den Menschen konzentrieren. Statt auf Wertschöpfung fixiert zu sein, können sie sich auf Emotionen konzentrieren. Wer für den Menschen da ist, wird in einer digitalisierten Welt mehr Wert haben denn je.

Die Geschäftsmodelle müssen sich in einer Art und Weise ändern, die in ihrer Radikalität einzigartig für die Branche ist. Man kann sich dem zwar verweigern, aber verhindern kann man es nicht. Jedem Makler und Versicherer möchte ich daher vor allem eines ans Herz legen: Fang doch einfach heute an.

Autor Oliver Pradetto ist Kommanditist und Mitbegründer des Maklerpools Blau direkt.

Foto: Anne-Lena Cordts


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Versicherungen


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Ergo-Auslandschef Messemer geht

Der nächste Ergo-Vorstand geht: Dr. Jochen Messemer (50) verlässt den Düsseldorfer Versicherer zum Jahresende. Messemer verantwortet im Vorstand der Ergo Group das internationale Geschäft. Ein Nachfolger stehe noch nicht fest, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

mehr ...

Immobilien

Deutlich mehr Bauaufträge als im Vorjahr

Der Boom auf dem Bau hält dank extrem niedriger Zinsen an. Im April verzeichnete das Bauhauptgewerbe in Deutschland preisbereinigt 18,2 Prozent mehr neue Aufträge als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche AM: EU verliert marktfreundlichstes großes Mitglied

Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset Management, sieht lange Liste potenzieller Auswirkungen durch den Brexit.

mehr ...

Berater

Deutsche Bank dünnt Filialnetz aus und streicht 3.000 Stellen

Weniger Standorte, trotzdem mehr Beratung – so verkauft die Deutsche Bank die Einschnitte in ihrem Filialnetz. Nach langen Verhandlungen stehen erste Zahlen fest. Das Management hält den Sparkurs für alternativlos.

mehr ...

Sachwertanlagen

Praxistag Digitalisierung: Information und Austausch

Talonec Business Solutions und Xpecto laden zum Praxistag Digitalisierung am 6. Juli nach München ein. Vom wissenschaftlichen Ansatz bis zur digitalen Zeichnung sollen Möglichkeiten und Auswirkungen der Digitalisierung aufgezeigt und diskutiert werden.

mehr ...

Recht

BVG billigt EZB-Krisenkurs unter Auflagen

Mitten in der Eurokrise beruhigte die EZB mit einem weitreichenden Versprechen die Märkte. Nach jahrelangem Streit billigt Karlsruhe den riskanten Alleingang der Notenbank – aber nicht bedingungslos.

mehr ...