Geopolitische Spannungen – von Venezuela über Grönland bis zum Iran – dürften die Aktienmärkte auch zu Jahresbeginn prägen und kurzfristig stärker beeinflussen als fundamentale Faktoren. Übergeordnet hat sich das Stimmungsbild jedoch seit November 2025 deutlich aufgehellt. Wichtige Sentimentindikatoren wie der CNN Fear & Greed Index, die AAII-Umfrage sowie niedrige Volatilitäts- und Absicherungsniveaus signalisieren einen vorsichtigen Optimismus ohne Anzeichen von Panik. Saisonale Muster sprechen grundsätzlich für ein positives Börsenjahr 2026, gestützt durch einen guten Jahresauftakt und historisch solide Wahlzyklus-Effekte. Die laufende Berichtssaison liefert bislang überwiegend positive Überraschungen, während die globale Marktbreite robust bleibt. Trotz hoher Indexkonzentration und politischer Risiken sind die Perspektiven für Indizes wie S&P500 und Eurostoxx insgesamt freundlich, obwohl temporäre Rücksetzer möglich sind.
Stimmung der Investoren: Optimismus überwiegt
Die geopolitischen Schlagzeilen werden auch im neuen Jahr nicht weniger. Von Venezuela über Grönland bis zum Iran reicht derzeit die Spannweite der Drohgebärden aus Washington. Kurzfristig dürfte die Stimmung an den Märkten daher stärker von politischen als von fundamentalen Ereignissen geprägt sein. Übergeordnet hat sie sich seit November 2025 deutlich verbessert. So liegt der CNN Fear and Greed Indikator inzwischen bei 54 Punkten (gegenüber 6 Punkten im November) und damit im neutralen Bereich. Gemäß AAII US Investor Sentiment Umfrage sind 43% der Befragten optimistisch für die Aktienmarktentwicklung, während nur 32% pessimistisch sind. Dies ist ein gesunder Grundoptimismus. Das Verhältnis von Put- zu Call-Optionen ist mit 41% eher im unteren Bereich, was für eine geringe Zahl an Aktienabsicherungen spricht. Auch der VIX-Index, ein Barometer für die Volatilität am Aktienmarkt, ist mit 16 Punkten nur auf leicht erhöhtem Niveau. Die Anleiheninvestoren zeigen sich ebenfalls nicht übermäßig besorgt. Gemessen am »iTraxx Europe Crossover«, der als Kreditausfallversicherung mit 240 Punkten nahe den Tiefständen notiert, ist keinerlei Panik am Fixed-Income-Markt ersichtlich. Das Stimmungsbild ist damit vorsichtig optimistisch und stark von den kurzfristigen politischen Ereignissen abhängig.
Erfreuliche Signale von der Berichtssaison
Saisonal betrachtet ist der Januar einer der stärksten Monate für Indizes wie den S&P500 und den Eurostoxx, der die rund 300 liquidesten Titel der Eurozone umfasst. Der Februar fällt historisch aufgrund erhöhter Unsicherheit rund um die angelaufene Berichtssaison leicht schwächer aus, gefolgt von einem starken März – oft infolge positiver Ergebnisse aus der Berichtssaison. In den kommenden zwei Wochen berichtet ein bedeutender Teil der Unternehmen im S&P500. Bisher konnte der überwiegende Teil der Unternehmen die Erwartungen im Rahmen der angelaufenen Berichtssaison – wie so oft – übertreffen. Entscheidend bleibt, ob dies auch den übrigen Unternehmen gelingt – insbesondere den kapitalintensiven KI-Unternehmen, auf die Investoren seit geraumer Zeit besonders kritisch blicken.
Saisonale Komponente überzeugt grundsätzlich
Die »Rule of the First Five Days« besagt, dass die Performanceentwicklung der ersten fünf Handelstage eine Vorhersagekraft für das gesamte Börsenjahr besitzt. Mit einem Plus von 1,1% im S&P500 und 2,1% im Eurostoxx sollte das Gesamtjahr – entsprechend dieser Regel – erfreulich ausfallen. Statistisch gesehen fiel die Performanceentwicklung in über 60% der Fälle, in denen die ersten fünf Tage im Plus verliefen, für das Gesamtjahr positiv aus. Dafür spricht auch die Saisonalität in Jahren, in denen die Zwischenwahlen in den USA stattfinden. Diese sind üblicherweise von überdurchschnittlicher Volatilität geprägt und zählen zu den schwächsten Jahren im 4-Jahres-Wahlzyklus, fallen aber dennoch positiv für Aktien aus. Damit ist die saisonale Komponente für das Börsenjahr 2026 grundsätzlich positiv. Temporäre Rücksetzer können insbesondere in den liquiditätsschwachen Sommermonaten eintreten und sind aufgrund der vielen Krisenherde sogar wahrscheinlich.
Marktbreite ist positiv
Die geografische Marktbreite zeigt sich weiterhin stark: Im Dezember befanden sich 97% der Länderindizes im Aufwärtstrend – einzig Australien bildete eine Ausnahme. Dieses Muster setzte sich im gesamten 4. Quartal 2025 fort und unterstreicht die weltweit breit abgestützte Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten. 66% der Titel im S&P500 und im Eurostoxx handeln oberhalb ihrer 200-Tage-Linie, was ebenfalls für eine gesunde Marktbreite spricht. Unverändert kritisch bleibt die hohe Konzentration innerhalb der Indizes. Die zehn größten Titel des S&P500 haben einen Anteil von 39% am Index, was die Diversifikation idiosynkratischer Risiken infrage stellt. Abgesehen von diesem Aspekt ist die Marktbreite positiv.
Charttechnisches Bild ist überwiegend freundlich
Das charttechnische Bild ist für den S&P500 und den Eurostoxx ebenfalls überwiegend freundlich. Wegen der Grönland-Drohungen zeigt der MACD-Indikator derzeit noch ein Verkaufssignal. Dieses dürfte durch die jüngst positive Dynamik schon bald ins Positive drehen. Dafür spricht der exponentielle Moving Average, der gemeinsam mit allen gleitenden Durchschnitten
(5-, 20-, 50-, 100- und 200-Tage) ein positives Kaufsignal liefert. Kurzfristig ist damit zu rechnen, dass beide Indizes Kurs auf ihre Höchststände nehmen und diese testen. Gelingt dies nicht, bilden die zyklischen Tiefstände und die 200-Tage-Linie wichtige Unterstützungsmarken. So wäre das Dezember-Tief auf einem Niveau von 6.700 Punkten (-3,1%) im S&P500 eine erste Unterstützungsmarke. Wird diese unterschritten, so ist die nächste Marke beim November-Tief auf einem Niveau von 6.500 Punkten (-6,0%) zu finden. Wird auch diese Schwelle unterschritten, würde der S&P500 sich in Richtung der 200-Tage-Linie bei 6.380 Punkten (-7,7%) bewegen.
Für den Eurostoxx liegt die nächste Unterstützung bei 600 Punkten (-4,1%, Dezember-Tiefstände). Sollte diese Marke unterschritten werden, so würde der Index das zyklische November-Tief bei 580 Punkten (-7,3%) ins Visier nehmen. Auf diesem Niveau befindet sich auch die 200-Tage-Linie. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Anstieg auf die jüngsten Höchststände bei 635 Punkten (+1,4%). Übergeordnet sind die Perspektiven für beide Indizes damit auch aus charttechnischer Perspektive positiv.
Autor Marcio Costa ist Senior Portfoliomanager bei Bantleon.













