Allianz Risk Barometer 2026: Unternehmen sorgen sich um Cyberangriffe und KI-Risiken

Foto: Smarterpix/ Olivier26
Die Angst vor Cyberattacken dominiert die deutsche Wirtschaft

Cyberangriffe bleiben auch 2026 das größte Risiko für Unternehmen weltweit. Gleichzeitig rückt Künstliche Intelligenz überraschend auf Platz 2 vor und verändert die Risikolandschaft deutlich. Das zeigt das aktuelle Allianz Risk Barometer – mit markanten Unterschieden zwischen globaler und deutscher Perspektive.

Cybervorfälle sind auch 2026 die größte Sorge von Unternehmen weltweit. Im Allianz Risk Barometer stufen 42 Prozent der Befragten Cyberrisiken als Top-Risiko ein. Damit liegt Cyber zum fünften Mal in Folge auf Platz 1 und erreicht den höchsten jemals gemessenen Wert. Besonders Ransomware-Angriffe prägen weiterhin die Risikowahrnehmung.

Auffällig ist der starke Bedeutungszuwachs von Künstlicher Intelligenz. Mit 32 Prozent der Nennungen springt KI von Platz 10 im Vorjahr auf Platz 2 und verzeichnet damit den größten Ranggewinn im aktuellen Barometer. Die Befragten sehen KI zunehmend als branchenübergreifendes operatives, rechtliches und reputationsbezogenes Risiko, auch wenn fast die Hälfte davon ausgeht, dass die Vorteile für die eigene Branche überwiegen.

Betriebsunterbrechungen rutschen weltweit erstmals seit Jahren aus den Top 2 und belegen nun Platz 3. Mit 29 Prozent der Nennungen bleiben sie jedoch ein zentrales Risiko, da sie häufig als Folge anderer Gefahren auftreten, etwa von Cyberangriffen, Naturkatastrophen oder geopolitischen Ereignissen.

Cyber- und KI-Risiken prägen das globale Ranking

Naturkatastrophen verlieren im Vergleich zum Vorjahr an Bedeutung und fallen auf Platz 5 zurück. Eine ruhigere Hurrikansaison im Jahr 2025 trägt dazu bei, dass dieses Risiko aktuell geringer eingeschätzt wird. Gleichzeitig gewinnen politische Risiken und Gewalt an Relevanz und steigen von Platz 9 auf Platz 7. Hintergrund ist die wachsende Sorge über geopolitische Instabilität und internationale Konflikte.

In Deutschland zeigt sich ein teilweise anderes Bild. Cyber-Attacken und Betriebsunterbrechungen belegen erneut die Plätze 1 und 2. Neu auf Rang 3 sind Änderungen in Gesetzgebung und Regulierung. Dies deutet auf wachsende Unsicherheit durch politische Vorgaben und bürokratische Anforderungen hin. KI-Risiken steigen neu auf Platz 4 in das Ranking ein. Politische Risiken und Gewalt fallen dagegen von Platz 6 auf Platz 10 zurück.

Thomas Lillelund, CEO von Allianz Commercial, ordnet die Ergebnisse ein: „2025 war geprägt von Volatilität und Unsicherheit. Auch in diesem Jahr sehen sich Unternehmen mit einem sich schnell verändernden Umfeld mit verknüpften und hochkomplexen Risiken konfrontiert. Angesichts des anhaltenden Aufstiegs von KI in Gesellschaft und Wirtschaft ist es nicht verwunderlich, dass sie im Allianz Risk Barometer eine wichtige Rolle spielt. KI bringt nicht nur enorme Chancen mit sich, sondern verändert durch ihr transformatives Potenzial und ihre rasante Entwicklung sowie Verbreitung auch die Risikolandschaft. Sie wird damit neben anderen etablierteren Bedrohungen weltweit zu einem herausragenden Thema für Unternehmen jeder Größe.“

Cyber bleibt größte Herausforderung für Unternehmen

Cyberrisiken führen das Ranking in allen Weltregionen an, darunter Amerika, Asien-Pazifik, Europa sowie Afrika und Naher Osten. Der deutliche Abstand von zehn Prozentpunkten zum zweitplatzierten Risiko unterstreicht die Dominanz dieses Themas. Die zunehmende Abhängigkeit von digitaler Infrastruktur trifft auf eine sich schnell wandelnde Bedrohungslage sowie ein komplexer werdendes geopolitisches und regulatorisches Umfeld.

Während große Unternehmen in den vergangenen Jahren verstärkt in Cybersicherheit investiert haben, geraten kleine und mittlere Unternehmen zunehmend ins Visier von Angreifern. Fehlende Ressourcen und geringere Resilienz erhöhen dort den Druck erheblich.

Michael Bruch, Global Head of Risk Consulting Advisory Services bei Allianz Commercial, sagt: „Die Investitionen großer Unternehmen in Cybersicherheit und Resilienz haben sich ausgezahlt und sorgen dafür, dass sie Angriffe frühzeitig erkennen und darauf reagieren können. Allerdings entwickeln sich Cyberrisiken ständig weiter. Unternehmen sind zunehmend auf Drittanbieter für kritische Daten und Dienste angewiesen, während KI die Bedrohungen verstärkt, die Angriffsfläche vergrößert und bestehende Schwachstellen noch verschärft.“

KI verändert die Risikolandschaft nachhaltig

Künstliche Intelligenz gehört 2026 weltweit zur Spitzengruppe der Unternehmensrisiken. In Amerika, Asien-Pazifik sowie Afrika und dem Nahen Osten liegt KI jeweils auf Platz 2, in Europa auf Platz 3. Unabhängig von der Unternehmensgröße rückt das Thema unter die drei größten Risiken vor.

Die Befragten erwarten insbesondere steigende Haftungsrisiken durch den zunehmenden Einsatz generativer KI-Systeme. Fragen der Systemzuverlässigkeit, der Datenqualität, der Integration in bestehende Prozesse sowie der Mangel an qualifizierten Fachkräften gewinnen an Bedeutung.

Ludovic Subran, Chefökonom der Allianz, erklärt: „Unternehmen sehen KI zunehmend nicht nur als eine leistungsstarke strategische Chance, sondern auch als eine komplexe Quelle für operative, rechtliche und Reputationsrisiken. In vielen Fällen schreitet die Einführung schneller voran, als Governance, Regulierung und Unternehmenskultur mithalten können.“

Geopolitik belastet Lieferketten und Betriebsabläufe

Geopolitische Spannungen prägen weiterhin das Risikoumfeld. Protektionistische Handelspolitik, regionale Konflikte und militärische Auseinandersetzungen setzen globale Lieferketten unter Druck. Trotz dieser Entwicklung halten nur drei Prozent der Befragten ihre Lieferketten für sehr resilient.


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Allein im vergangenen Jahr haben sich Handelsbeschränkungen verdreifacht und betreffen Waren im Wert von rund 2,7 Billionen Dollar, was nahezu 20 Prozent der weltweiten Importe entspricht. Vor diesem Hintergrund gewinnen Strategien wie Regionalisierung und Friendshoring an Bedeutung. Politische Risiken und Gewalt erreichen mit Platz 7 ihre höchste Platzierung seit Bestehen des Allianz Risk Barometers, während Gesetzes- und Regulierungsänderungen weltweit auf Platz 4 liegen.

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