Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zeigt sich offen für Nachbesserungen am geplanten Altersvorsorge-Depot. Vor der ersten Lesung im Bundestag stellt er klar, dass insbesondere der vorgesehene Kostendeckel im parlamentarischen Verfahren noch einmal überprüft werden dürfte.
Im Gespräch mit Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen sagt Klingbeil, er gehe davon aus, dass die Kostenbremse „nachgeschärft“ werde. Mehrere Parlamentarier aus unterschiedlichen Fraktionen hätten ihm bereits signalisiert: „Den Punkt schauen wir uns noch einmal genau an.” Zugleich betont er: „Jetzt liegt es am Parlament.”
Der Gesetzentwurf sieht für das verpflichtende Standardprodukt derzeit einen Kostendeckel von 1,5 Prozent pro Jahr vor. Genau dieser Wert gilt als zentraler Streitpunkt der Reform. Verbraucherschützer halten die Obergrenze für zu hoch.
Streit um Höhe der Gebühren
Klingbeil verfolgt mit dem Altersvorsorge-Depot das Ziel, „einen Kulturwandel“ einzuleiten und mehr Menschen für die private Vorsorge zu gewinnen. Ob das gelingt, hängt aus Sicht vieler Beobachter wesentlich von den Kosten ab.
Tenhagen warnt: „1,5 Prozent Kosten gefährden den zentralen Vorteil des neuen Modells.” Finanztip hatte bereits im September 2025 eine Obergrenze von maximal 0,5 Prozent pro Jahr gefordert. „Nur mit niedrigen Kosten werden staatliche Zuschüsse effizient eingesetzt“, so Tenhagen.
Die Debatte um die Gebühren berührt den Kern des Reformvorhabens: Hohe laufende Kosten schmälern langfristig die Rendite und relativieren staatliche Zulagen. Für Vermittler und Berater dürfte damit die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber bestehenden Vorsorgeprodukten in den Fokus rücken.
Haushaltslage begrenzt Förderoptionen
Bei der Ausgestaltung der Förderung verweist der Minister auf enge finanzielle Spielräume. Eine grundlegende Vereinfachung der Förderstruktur hält er in dieser Legislaturperiode für unrealistisch. „Das Geld für eine einheitliche großzügigere Förderung fehlt“, sagt Klingbeil mit Blick auf die Haushaltslücke von rund 60 Milliarden Euro im Jahr 2028.
Gleichzeitig sieht er das neue Modell im Vergleich zur Riester-Rente im Vorteil: „Im Vergleich zur Bürokratie der Riester-Rente ist das neue Modell dennoch ein Fortschritt.” Recherchen von Finanztip zeigen, dass mehr als fünf Millionen Riester-Verträge vorzeitig gekündigt wurden, jeder vierte der 20 Millionen Abschlüsse.
Auch bei der geplanten Frühstart-Rente für Kinder verweist Klingbeil auf den Bundeshaushalt. Die vorgesehenen zehn Euro monatlich ab dem sechsten Lebensjahr seien ein „wichtigen Beitrag”. Zugleich signalisiert er Spielraum für spätere Anpassungen: „Wenn wir eine entspanntere Haushaltslage haben, bin ich bereit, darüber weiterzugehen.”
Unterstützung für kleine Einkommen und Blick auf die Rente
Offen zeigt sich der Minister bei der gezielten Förderung von Haushalten mit niedrigen Einkommen. „Wenn es Vorschläge gibt, wie man Menschen mit kleinerem Einkommen stärker unterstützen kann, dann bin ich dafür offen.“
Zur gesetzlichen Rente äußert sich Klingbeil ebenfalls. „Ich glaube nicht, dass es den klassischen Generationskonflikt gibt.” Zugleich unterstützt er den Vorschlag von SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas, Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen: „Dass ich als Politiker nicht in der gesetzlichen Rente bin, halte ich für einen Fehler.”













