AMNOG-Reform: Wie ein Umsatzabschlag die GKV entlasten soll

Andreas Storm
Foto: DAK-Gesundheit/Läufer
Andreas Storm

Patentgeschützte Arzneimittel treiben die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung weiter in die Höhe. Der neue AMNOG-Kurzreport der DAK-Gesundheit schlägt deshalb einen umsatzabhängigen Herstellerabschlag vor.

Ein dynamischer, umsatzabhängiger Herstellerabschlag könnte kurzfristig rund 1,3 Milliarden Euro bei patentgeschützten Arzneimitteln einsparen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle AMNOG-Kurzreport der DAK-Gesundheit. Der Abschlag soll erst greifen, wenn definierte Umsatzschwellen überschritten werden, und damit gezielt besonders umsatzstarke Wirkstoffe betreffen.

Nach Auswertung von Kassendaten durch das Forschungsinstitut Vandage entfallen 53 Prozent der Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung auf patentgeschützte Präparate, obwohl sie nur sieben Prozent der verordneten Tagesdosen ausmachen. Der Wettbewerb zwischen Arzneimitteln mit vergleichbarer Wirkweise führe bislang nicht zu relevanten Preisrückgängen.


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„Die Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel steigen weiter stark an und gehören zu den dynamischsten Kostentreibern in der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. „Vor diesem Hintergrund ist ein umsatzabhängiger Herstellerabschlag ein faires und zielgenaues Instrument, welches der ungebremsten Ausgabendynamik entgegenwirken kann. Er entlastet die GKV, ohne Innovationen pauschal zu beeinträchtigen. Deshalb ist er ein ideales Mittel zur Stabilisierung der GKV-Finanzen. Die Finanzkommission Gesundheit sollte diesen Vorschlag rasch aufgreifen.“

Progressiver Abschlag statt pauschaler Belastung

Der Report analysiert verschiedene Reformoptionen zur Preis- und Ausgabensenkung im AMNOG-System. Eine bloße Anhebung des bestehenden Herstellerabschlags könne zwar Einsparungen im Milliardenbereich bringen. Als zielgenauer bewertet die DAK jedoch ein progressives Modell, das sich an Umsatzschwellen orientiert und damit nicht den gesamten Patentmarkt gleichermaßen belastet.

Darüber hinaus diskutiert der Report eine stärkere Betrachtung des gesamten Lebenszyklus von Arzneimitteln. Bislang liegt der Schwerpunkt des AMNOG-Verfahrens auf dem Markteintritt. Re-Evaluationen sowie eine Preis-Mengen-Nachsteuerung bei Indikationserweiterungen könnten zusätzliche Einsparpotenziale heben. Besonders in der zweiten Hälfte der Patentlaufzeit zeigten sich deutliche Ausgabensteigerungen.

Patentmarkt als Kostentreiber

Die Handlungsnotwendigkeit unterstreicht die aktuelle Ausgabenentwicklung: Im ersten Halbjahr 2024 stiegen die Arzneimittelausgaben der GKV um rund zehn Prozent, im ersten Halbjahr 2025 erneut um sechs Prozent. Ein überproportionaler Anteil des Wachstums entfällt auf patentgeschützte Arzneimittel.

Laut Report sinken die Markteintrittspreise kaum. Parallele Marktzugänge von Präparaten mit vergleichbarer Wirkweise stabilisieren ein hohes Preisniveau und führen zu einem sogenannten Treppeneffekt mit steigenden Einstiegspreisen. Der Wettbewerb durch Generika und Biosimilars greift erst nach Patentablauf. Da derzeit rund 94 Prozent der AMNOG-Wirkstoffe patentgeschützt sind, bleiben die kurzfristigen Entlastungseffekte begrenzt.

Einen Zusammenhang zwischen hohen Erstattungspreisen und Standortinvestitionen sieht der Report nicht. Preisregulierungen sollten sich an Nutzen, Evidenz und Budgetentwicklung orientieren. Standortpolitik hingegen müsse vor allem regulatorische Planbarkeit, administrative Geschwindigkeit sowie Forschungs- und Dateninfrastruktur stärken.

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