EXKLUSIV

Arbeitskraftabsicherung: Neue Ideen braucht das Land

Doch es sind nicht nur fehlende finanzielle Mittel. Fakt ist: Gerade körperlich tätige Berufsgruppen sind inzwischen häufiger mit höheren BU-Prämien und Einschränkungen in der Versicherbarkeit konfrontiert. „Das liegt weniger an der Logik der BU, sondern vielmehr an der gestiegenen Schadenquote sowie dem statistisch erhöhten Risiko, BU zu werden“, sagt Christian Häsch, Vertriebsleiter bei der Alte Leipziger Lebensversicherung. Ratinghäuser wie Franke und Bornberg sehen diese Entwicklung kritisch. Franke hält den BU-Versicherern vor, ihren Weg in eine Zwei-Klassengesellschaft fortzuschreiben.

Zwei-Klassengesellschaft

Insbesondere für Akademiker wird das Angebot seit Jahren nicht nur besser, sondern auch günstiger. „Wer körperlich arbeitet, kann sich den teuren BU-Schutz hingegen kaum leisten. Ob Krankenschwester, Pfleger, Busfahrer oder Handwerker – gerade jene Berufe, die für eine Gesellschaft wichtig sind, fallen durchs Raster. Für eine Positionierung der Branche als ergänzende Säule der Sozialsysteme wäre ein Umdenken dringend geboten“, kritisiert er. Auch den harten Preiswettbewerb hält er für nicht zielführend. „Läuft der Wettbewerb aus dem Ruder, kommen Überschüsse unter Druck und bei der Leistungsregulierung wird auf die Bremse getreten. Großzügige Geschenke für wenige Versicherte – etwa der vollständige Verzicht auf die konkrete Verweisung – eignen sich nicht als Lösung“, betont Franke.

Einen Ausweg aus dem Durchdringungsdilemma versprechen die Schüler-BUs. Für Schüler und Studierende setzen die BU-Versicherer bei der Arbeitskraftabsicherung auf frühe Einstiege mit ausgeprägten Anpassungsmöglichkeiten. Gemeinsam ist den Konzepten, dass sie den frühen Abschluss als Vorteil nutzen, um den oftmals guten Gesundheitszustand langfristig zu sichern. Gleichzeitig soll durch klar definierte Erhöhungs- und Anpassungsoptionen gewährleistet werden, dass der Versicherungsschutz mit Ausbildung, Studium und Berufsentwicklung Schritt hält und auch über Jahrzehnte hinweg bedarfsgerecht bleibt.

Das bieten die BU-Versicherer

So arbeitet die Stuttgarter Lebensversicherung bei „easy life“ mit einem Lebensphasenkonzept, das es erlaubt, den bestehenden Schutz an veränderte persönliche und berufliche Situationen anzupassen. Dazu zählen Optionen bei Berufswechseln, Nachversicherungen sowie zeitweilige Beitragsreduzierungen oder -pausen. Viele dieser Anpassungen sind ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich, sodass spätere gesundheitliche Veränderungen oder risikoreichere Berufe den bestehenden Vertrag nicht beeinträchtigen. Auch die Alte Leipziger und die BarmeniaGothaer legen bei Tarifen für Schüler, Auszubildende und Studierende den Schwerpunkt auf Nachversicherungsgarantien. Diese ermöglichen es, die versicherte Berufsunfähigkeitsrente bei definierten Lebensereignissen wie dem Beginn einer Ausbildung, dem Berufseinstieg, Einkommenssteigerungen oder familiären Veränderungen zu erhöhen, ohne erneut Gesundheitsfragen beantworten zu müssen.

Ergänzend bestehen in den ersten Vertragsjahren Optionen zur beruflichen Besserstellung, wenn sich die Tätigkeit günstiger entwickelt als ursprünglich angenommen. Ziel ist ein Versicherungsschutz, der von der Schulzeit bis ins Berufsleben hinein mitwächst. HDI verfolgt mit „Ego Young“ einen ähnlichen Ansatz und ergänzt ihn um zusätzliche Mechanismen zur laufenden Anpassung. Dazu gehört die Möglichkeit, die Berufseinstufung später überprüfen und gegebenenfalls verbessern zu lassen, ebenso wie eine flexibel vereinbare Beitrags- oder Leistungsdynamik. Auf diese Weise kann der Versicherungsschutz an steigende Einkommen und Lebenshaltungskosten angepasst werden. Auch hier spielen Nachversicherungsgarantien eine zentrale Rolle, um bei wichtigen Lebensereignissen ohne erneute Risikoprüfung reagieren zu können.

Interrisk richtet sich mit einer Schüler-Berufsunfähigkeitsversicherung ebenfalls an einen frühen Einstieg. Vorgesehen ist eine anfängliche Absicherung auf moderatem Niveau, die im weiteren Berufsleben über Nachversicherungsgarantien deutlich ausgebaut werden kann. Ergänzend stehen Beitrags- und Leistungsdynamiken zur Verfügung, um den Schutz schrittweise zu erhöhen.

Seite 3: Erhebliche Risiken im Bestand?

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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