Barmer-Arnzeimittelreport: Besonders Risikopatienten zu selten gegen Grippe geimpft

Christoph Straub, Vorstandschef der Barmer
Foto: Barmer
Dr. Christoph Straub: "Die Influenza-Impfquoten in Deutschland verfehlen weiterhin die internationalen Zielvorgaben."

Die Grippe-Impfquote bei Menschen ab 60 Jahren stagniert auf niedrigem Niveau. Besonders gefährdete Gruppen wie Herzpatienten und Pflegebedürftige bleiben häufig ungeimpft.

Die Influenza-Impfquoten in Deutschland verfehlen weiterhin die internationalen Zielvorgaben. Nach dem aktuellen Arzneimittelreport der Barmer waren im Jahr 2023 lediglich 40,8 Prozent der Versicherten ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft. Damit liegt die Quote nicht nur unter dem von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Wert von 75 Prozent, sondern auch unter dem Niveau der Jahre 2020 bis 2022.

Besonders kritisch ist die Lage bei vulnerablen Gruppen. Mehr als die Hälfte der Versicherten in stationärer Pflege sowie nach einem Herzinfarkt erhielt 2023 keine Influenza-Impfung. Für diese Personenkreise gilt das Virus als besonders riskant.


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„Gerade bei den vulnerablen Gruppen ist eine Influenzaimpfung wichtig. Studien belegen, dass Herzpatienten nach einer Impfung unter anderem deutlich bessere Überlebenschancen haben. Dennoch werden die bestehenden Empfehlungen unzureichend umgesetzt“, sagt Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Niedrige Impfquoten bei Herzpatienten und Pflegebedürftigen

Die Schutzwirkung bei kardiovaskulären Erkrankungen ist gut belegt. Die Impfung wird in internationalen Leitlinien zur Sekundärprävention bei koronarer Herzkrankheit, insbesondere nach Myokardinfarkt, empfohlen. Sie senkt das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse, kardiovaskulären Todes und der Gesamtmortalität. Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom reduziert sie schwere kardiovaskuläre Ereignisse um etwa 30 bis 40 Prozent.

„Die Daten zur Schutzwirkung bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen sind so überzeugend, dass im Jahr 2025 die European Society of Cardiology die Impfung zur vierten Säule der kardiovaskulären Prävention erklärt hat. Die unzureichenden Impfquoten dieser Risikopatienten zeigen, dass dieser Erkenntnisfortschritt noch nicht in der Behandlungsrealität angekommen ist. Hier sind Hausärzte gefordert, dies zu erläutern und umzusetzen“, ergänzt Prof. Dr. med. Daniel Grandt, Autor des Arzneimittelreports.

Auch bei Pflegebedürftigen ab 60 Jahren bleibt die Impfquote deutlich unter dem WHO-Ziel. In stationären Einrichtungen waren zuletzt 48,9 Prozent geimpft, bei häuslich Pflegebedürftigen 45,6 Prozent. Pflegebedürftige ab 70 Jahren wurden ambulant wie stationär sogar seltener geimpft als gleichaltrige Versicherte ohne Pflegeleistungen.

Regionale Unterschiede und geringe Rolle der Apotheken

Zwischen den Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede. Bei den über 60-Jährigen lag die Impfquote 2023 in Baden-Württemberg bei 29,7 Prozent und in Bayern bei 30,0 Prozent. Sachsen-Anhalt erreichte mit 55,2 Prozent den höchsten Wert.

Seit dem Jahr 2022 dürfen auch Apotheken gegen Influenza impfen. Nach den BARMER-Daten hat dies jedoch kaum Einfluss auf die Gesamtquote. Von den 40,8 Prozent Geimpften wurden 99,5 Prozent in Arztpraxen versorgt, lediglich 0,5 Prozent in Apotheken.

Die Analyse basiert auf anonymisierten Abrechnungsdaten der Barmer aus den Jahren 2017 bis 2023. Ausgewertet wurden Impfungen in der ambulanten ärztlichen Versorgung sowie in Apotheken. Die Impfquoten differenzierte das Forschungsteam nach Alter, Geschlecht, Bundesland und Pflegebedarf.

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