Bayerische testet neuen Ansatz: BU trotz Psychotherapie?

Foto: Die Bayerische
Martin Gräfer: "Unsere Initiative zielt darauf ab, potenziellen Kunden und Vermittlern zu zeigen, dass Psychotherapien kein pauschales Ablehnungskriterium mehr sind"

Die Bayerische testet bei Anfragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung einen neuen Ansatz. Ziel ist es, eine pauschale Ablehnung zu vermeiden, wenn eine psychotherapeutische Vorgeschichte vorliegt. Dafür hat der Versicherer mit Unterstützung einer Psychologischen Psychotherapeutin den Anfrageprozess grundlegend überarbeitet und zieht nach den ersten Monaten bereits eine positive Zwischenbilanz.

In Zeiten, da im Versicherungswesen zunehmend Künstliche Intelligenz (KI) die Einschätzung der Versicherbarkeit individueller Risiken unterstützt, geht die Bayerische einen Schritt in die andere Richtung und setzt bei psychotherapeutischen Vorerkrankungen auf die individuelle Prüfung von Anfragen.

Der Münchner Versicherer hat nach eigenen Angaben damit begonnen, mithilfe einer Psychologischen Psychotherapeutin das Risiko der Berufsunfähigkeit bei Personen mit psychotherapeutischer Vorgeschichte viel individueller einzuschätzen. Ziel sei es, Versicherung zu ermöglichen, statt pauschal abzulehnen, wie dies so häufig der Fall ist. Die Zwischenbilanz

„Statt alle Anfragen über einen Kamm zu scheren, bewerten wir nun die Einzelfälle und die Therapievergangenheit viel individueller. Das kostet mehr Zeit, versetzt uns aber in die Lage, mit Unterstützung einer fachkundigen Psychologin den Menschen besser zu verstehen“, erklärt Martin Gräfer, Mitglied des Vorstandes der Bayerischen.

„Unsere Initiative zielt darauf ab, potenziellen Kunden und Vermittlern zu zeigen, dass Psychotherapien kein pauschales Ablehnungskriterium mehr sind. Und die Auswertung der ersten drei Monate dieses Jahres freut uns sehr: 39 Prozent der Anträge, die davor abgelehnt worden wären, können wir nun ohne Einschränkungen annehmen. Weiteren 44 Prozent können wir, wenn auch unter erschwerten Bedingungen, eine Versicherung anbieten.“

Jährlich 28 Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen

Laut der deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde hat festgestellt, dass jedes Jahr etwa 28 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen sind.

Daten der DAK belegen zudem, dass in den letzten zehn Jahren die Anzahl der Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen um 48 Prozent angestiegen ist. Dies belegt auch eine Online-Umfrage vom Sozialforschungsinstitut Ipsos aus dem vergangenen Jahr belegt, dass 36 Prozent der Befragten wegen psychischer Stressbelastungen zeitweilig nicht zur Arbeit gehen konnten.

Menschen, die in derartigen Situationen in der Psychotherapie Hilfe und Heilung finden, beweisen die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Reife. Denn Personen, die erfolgreich eine Therapie durchlaufen haben, gehen in vielen Fällen stabiler und resilienter aus einer persönlichen Krise hervor. Darüber besteht in der Wissenschaft ein breiter Konsens. 

„Die Belastungen aufgrund der Coronapandemie haben die mentale Gesundheit der Bevölkerung, besonders von jungen Menschen, zusätzlich verschlechtert. Beim Einstieg ins Berufsleben denken viele dieser jungen Menschen über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nach“, erklärt Marcus Börner, Vorstand des Vermittlers Inpunkto AG. Für jede Person, die bislang in psychotherapeutischer Behandlung war, sei dies bislang kaum möglich gewesen. Die Bayerische wolle damit Antragstellern und Vermittlern Hoffnung machen.

Damit Interessenten die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Antrages besser einschätzen können, bietet die Bayerische einen Online-Schnelltest, den „Quick Check“, an. Ohne persönliche Daten hinterlassen zu müssen, können potenzielle Kunden so anhand von fünf Fragen eine unverbindliche Tendenz erhalten. Je nach Ergebnis können dann Makler und Kunde entscheiden, ob sie eine Risikovoranfrage oder direkt einen Antrag zur weiteren Prüfung einreichen.   

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