Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag eine kräftige Gegenbewegung gezeigt. Nach drei verlustreichen Tagen infolge erneuter US-Zolldrohungen setzte eine Erholung ein, nachdem die geplanten Zölle gegen mehrere europäische Länder vorerst vom Tisch sind. Auslöser ist ein Treffen von US-Präsident Donald Trump mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte.
Der Dax gewann im Tagesverlauf bis zu 1,5 Prozent und stieg auf 24.937 Punkte. Zuvor war der Leitindex bis auf rund 24.349 Punkte gefallen, nachdem er in der Vorwoche noch ein Rekordhoch bei 25.507 Punkten erreicht hatte. Zuletzt notierte der Dax am Donnerstagmittag bei 24.869 Punkten.
Der MDax der mittelgroßen Werte legte um 2,1 Prozent auf 31.596 Punkte zu und näherte sich damit seinem Tageshoch. Auch der EuroStoxx 50 erholte sich um 1,2 Prozent, nachdem er nach einem Rekord in der Vorwoche ebenfalls deutlich korrigiert hatte.
Hintergrund der Marktberuhigung ist ein neu abgesteckter Rahmen für eine mögliche Vereinbarung zwischen den USA und der Nato mit Blick auf Grönland und die Arktisregion. In diesem Zusammenhang sollen die ab dem 1. Februar angekündigten US-Zölle nicht umgesetzt werden. Noch wenige Stunden zuvor hatte das EU-Parlament als Reaktion auf die Drohungen die Ratifizierung eines Handelsabkommens mit den USA gestoppt.
„Noch sind nicht viele Details zum geplanten Abkommen zwischen den USA und der NATO bekannt“, schreibt Thomas Altmann von QC Partners. „Viel wichtiger ist für die Börsianer ohnehin die Info, dass die angedrohten Zusatzzölle am 1. Februar nicht in Kraft treten werden. Ob das Grönland-Thema damit dauerhaft zur Zufriedenheit aller gelöst werden kann, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt offen. Fürs Erste feiern die Börsen aber die neue Faktenlage.“
Besonders deutlich reagierten zyklische Werte. Autotitel wie VW, BMW und Mercedes-Benz gehörten zu den Gewinnern, nachdem der europäische Autoindex zuvor auf den tiefsten Stand seit Oktober gefallen war. VW profitierte zusätzlich von positiven Signalen zur Kassenlage im Automobilbereich und gewann zeitweise bis zu sechs Prozent. BMW und Mercedes-Benz lagen zuletzt mit rund 1,5 Prozent im Mittelfeld des Dax. Auf der Verliererseite standen dagegen Rüstungswerte. Im Zuge der geopolitischen Entspannung trennten sich einige Investoren von Rheinmetall, Hensoldt und Renk.
„Entwarnung ist fehl am Platz“
Die deutsche Industrie hat erleichtert auf die von US-Präsident Donald Trump zurückgezogenen Zolldrohungen reagiert. Gleichzeitig verweisen führende Wirtschaftsvertreter auf die weiterhin bestehende Unsicherheit im internationalen Handel und deren negative Folgen für Unternehmen.
„Entwarnung ist fehl am Platz“, sagt Dirk Jandura, Präsident des Großhandel- und Exportverbandes BGA, der Nachrichtenagentur Reuters. Was Trump heute verkünde, könne morgen schon wieder Makulatur sein. „Verlässlichkeit ist im internationalen Handel keine Nebensache, sondern die zentrale Voraussetzung für Investitionen und Wachstum. Genau diese Verlässlichkeit ist derzeit nicht gegeben – und sie kehrt durch ein kurzfristiges Einlenken nicht automatisch zurück.“
Die Unberechenbarkeit der US-Handelspolitik beschädige das Vertrauen in die internationalen Handelsbeziehungen nachhaltig und bleibe ein ernstes Risiko für die Weltwirtschaft. Unternehmen hätten angesichts dieser Volatilität weiterhin Schwierigkeiten, verlässliche Investitions- und Lieferkettenentscheidungen zu treffen.
Auch aus dem Industrieverband BDI kommt Zustimmung zum vorläufigen Rückzug der Zölle. Wolfgang Niedermark aus der Hauptgeschäftsführung begrüßt, dass die zusätzlichen Zölle in Höhe von zehn Prozent zunächst nicht umgesetzt werden. „Offenbar hat die starke gemeinsame Linie der EU Wirksamkeit gezeigt.“
Die Europäische Union hatte als Reaktion auf die angekündigten US-Maßnahmen eine für die USA vorteilhafte Handelsvereinbarung aus dem vergangenen Jahr auf Eis gelegt. Zudem wurden Gegenzölle sowie weitergehende Schritte, etwa Maßnahmen gegen US-Digitalkonzerne, in Betracht gezogen. (kb/dpa-AFX)















