Organisierte Hackergruppen stellen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft vor wachsende Herausforderungen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beschreibt in seinem aktuellen Jahresbericht eine weiterhin angespannte Lage. Betroffen sind längst nicht mehr nur große Unternehmen oder kritische Infrastrukturen, sondern auch kleinere Betriebe und private Nutzer.
Grundsätzlich kann jeder zum Ziel eines Cyberangriffs werden, der digitale Dienste nutzt. Besonders attraktiv sind Unternehmen, bei denen sich sensible Kunden- oder Mitarbeiterdaten abgreifen lassen, etwa Zahlungsinformationen, Zugangsdaten oder personenbezogene Angaben. Im vergangenen Jahr werden unter anderem interne Daten bei Volkswagen, Mitarbeiterdaten bei Coca-Cola oder Kundendaten bei der Fluggesellschaft Qantas kompromittiert.
Doch die Angriffe beschränken sich nicht auf die Wirtschaft. Auch Energieversorgung und öffentlicher Sektor geraten zunehmend in den Fokus. Im Extremfall können Cyberattacken staatliche Strukturen beeinträchtigen und direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung haben.
Privatpersonen oft unzureichend sensibilisiert
Nach Einschätzung von IT-Experten der Arag unterschätzen viele Privatpersonen ihr persönliches Risiko. Zwar gehen Nutzer im Alltag sorgfältig mit Bargeld, Ausweisen oder Wohnungsschlüsseln um, digitale Werte genießen jedoch häufig nicht denselben Schutz. Je selbstverständlicher Online-Dienste genutzt werden, desto geringer fällt oft die Aufmerksamkeit für Datensicherheit aus.
Risiken entstehen überall dort, wo eingekauft, Bankgeschäfte erledigt, gestreamt oder über soziale Netzwerke kommuniziert wird. Zusätzliche Gefahren entstehen durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Betrüger können täuschend echte Phishing-Mails erstellen, Stimmen imitieren oder Identitäten so manipulieren, dass selbst erfahrene Nutzer getäuscht werden.
Neben finanziellen Schäden sind die psychischen Belastungen für Betroffene erheblich. Besonders gravierend ist Identitätsdiebstahl. Mit gestohlenen Daten entstehen digitale Doppelgänger, die Verträge abschließen oder Straftaten begehen. Die Folgen können für die Betroffenen existenzbedrohend sein.
Basisschutz durch Technik und Aufmerksamkeit
Zum Schutz persönlicher Daten empfehlen die Arag IT-Experten einen mehrstufigen Ansatz. Zentrale Rolle spielt der Umgang mit Passwörtern. Für jedes Konto sollte ein eigenes, möglichst komplexes Passwort verwendet werden. Idealerweise besteht es aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen, ist mindestens zwölf Zeichen lang und nicht leicht zu erraten. Passwortmanager unterstützen dabei, Zugangsdaten sicher zu speichern und starke Passwörter zu erzeugen.
Zusätzlich gilt die Zwei-Faktor-Authentifizierung als wichtiger Sicherheitsbaustein. Neben dem Passwort wird ein weiterer Nachweis abgefragt, etwa ein Einmalcode per App oder SMS. Diese Funktion steht bei vielen Online-Diensten zur Verfügung und erhöht die Sicherheit deutlich.
Ebenso wichtig sind regelmäßige Updates von Betriebssystemen, Anwendungen und Virenschutzprogrammen. Sicherheitsaktualisierungen schließen bekannte Schwachstellen und erschweren Angriffe.
Im digitalen Alltag ist zudem Vorsicht gefragt. Ungewöhnliche Zahlungsaufforderungen, verdächtige Links oder Dateianhänge sollten grundsätzlich misstrauisch machen. Hinweise auf Betrugsversuche sind unter anderem unpersönliche Anreden, Rechtschreibfehler oder künstlich erzeugter Zeitdruck. Gleiches gilt für Anrufe oder Kurznachrichten, die zu schnellem Handeln drängen oder Drohungen enthalten.
Öffentliche WLAN-Netze eignen sich nicht für sensible Vorgänge wie Online-Banking oder Einkäufe. Auch bei Smart-Home-Anwendungen empfehlen die IT-Experten des Versicherers sichere Netzwerkeinstellungen, starke Passwörter und regelmäßige Updates, um unbefugten Zugriff zu erschweren.
Cyberrisiken und Versicherungsschutz
Neben technischen und organisatorischen Maßnahmen kann auch Versicherungsschutz eine Rolle spielen. Während Cyberversicherungen für Unternehmen etabliert sind, werden sie im privaten Bereich häufig unterschätzt. Dabei sind Cyberbausteine teilweise bereits in Hausrat- oder Haftpflichtversicherungen enthalten oder können ergänzt werden.
Auch Rechtsschutzversicherungen können Cyberrisiken abdecken, etwa bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen, Cybermobbing, Rufschädigung oder Identitätsdiebstahl. Entscheidend ist, dass Deckungssummen und Leistungen zum individuellen Nutzungsverhalten passen. Wer regelmäßig online einkauft, soziale Netzwerke nutzt, ein Smart Home betreibt oder KI-Anwendungen verwendet, sollte seinen Schutz prüfen und gegebenenfalls anpassen.














